21.04.2026–27.04.2026
Von Yichang bin ich mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach Qingdao gefahren; die Fahrt dauerte zehn Stunden. Übernachtet habe ich in Qingdao in einem Hostel der beliebten Desti-Kette.
Von 1898 bis 1919 war Qingdao unter dem Namen Tsingtau die Hauptstadt des deutschen Schutzgebiets Kiautschou. Die Stadt wurde von den Deutschen im europäischen Stil errichtet; vorher gab es in der Gegend nur Fischerdörfer. Fotos aus der deutschen Kolonialzeit kann man auf der Webseite Old Qingdao sehen. Bereits 1914, kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, wurde Qingdao von japanischen und britischen Truppen belagert und im November 1914 schließlich eingenommen. Bis 1922 war die Qingdao von Japan besetzt.
Viele Häuser aus der deutschen Kolonialzeit sind inzwischen abgerissen worden. Einige wurden jedoch restauriert, z. B. die ehemalige Residenz des deutschen Gouverneurs. Sie wurde zwischen 1903 und 1907 auf dem Xinhao-Berg, der damals Diederichsberg hieß, errichtet und sieht aus wie eine Burg mit Jugendstilelementen. Entworfen wurde sie von dem in Tsingtau lebenden deutschen Architekten Werner Lazarowicz.


In der Nähe der Gouverneursresidenz befindet sich die Hauptkirche von Tsingtau, die evangelische Christuskirche. Die 1910 eingeweihte Kirche stammt von Curt Rothkegel. Rothkegel war mit Werner Lazarowicz befreundet; vielleicht sieht die Kirche deshalb ähnlich wie die Gouverneursresidenz aus.

Ursprünglich war die Christuskirche als eine interkonfessionelle Kirche geplant, aber die Katholiken wollten ihre eigene Kirche. Die katholische Kathedrale St. Michael befindet sich in der Feicheng Lu, die früher Bremer Straße hieß. Daneben steht die ehemalige Residenz der Steyler Missionare, deren Missionsgebiet das Bistum Tsingtao war.

In der Feicheng Lu kann man noch einige andere Häuser aus der deutschen Kolonialzeit sehen.

Weitere Straßen mit Gebäuden aus der deutschen Kolonialzeit sind die Zhongshan Lu, einer der Haupteinkaufsstraßen Qingdaos, und die Hubei Lu, eine Seitenstraße der Zhongshan Lu. Die Zhongshan Lu hieß früher Friedrichstraße, die Hubei Lu Kronprinzenstraße.


Am Ende der Zhongshan Lu steht ein Tsingtao-Bierwagen vor dem ehemaligen Haus des Tsingtau-Clubs, der heute Tsingtao-Club heißt. Der Tsingtau-Club war ein Treffpunkt der deutschen Truppen in Tsingtau.

Die Zhongshan Lu endet am Zhanqiao-Park, von wo aus man den Zhanqiao-Pier mit dem achteckigen Huilan-Pavillon und Xiao Qingdao sehen kann. Xiao Qingdao hieß früher Arkona und ist eine Insel, die durch eine Straße mit dem Festland verbunden ist. Auf Xiao Qingdao errichteten die Deutschen 1904 einen Leuchtturm.

Im Jahr 1901 wurde an der Tai’an Lu, früher Kieler Straße, ein Bahnhof eröffnet. Von hier aus fahren immer noch Züge; die meisten Züge fahren heute jedoch vom größeren Bahnhof Qingdao Nord aus. Zu den Olympischen Sommerspielen 2008, bei denen die Segelwettbewerbe in Qingdao stattfanden, wurde der Bahnhof renoviert.

In der Nähe des Bahnhofs steht das frühere Bahnhofshotel.

Das ehemaliges Kaiserliches Postamt befindet sich in der Anhui Lu, früher Albertstraße, und ist heute ein Museum.

Das ehemaliges deutsches Gefängnis ist heute ebenfalls ein Museum. In einem Nebengebäude gibt es eine Ausstellung über die Geschichte des Gerichtswesens in Qingdao. Während der japanischen Besetzung Qingdaos durch Japan während des Zweiten Weltkriegs wurde ein Wasserverlies eingebaut, in dem die Japaner Folterungen durchführten.


Die Germania-Brauerei, die heute Tsingtao-Brauerei heißt (Tsingtao, nicht Tsingtau!), wurde 1903 gegründet und ist heute eine der größten Brauereien Chinas. Der Besucherandrang für einen Rundgang durch das Museum, das sich in den Gebäuden der Brauerei befindet, ist groß; ich habe am Nachmittag eins der letzten Tickets bekommen. Auf dem Rundgang gab es zwei Bierproben in Plastikbechern, zuerst ein unfiltriertes und dann ein filtriertes Bier. Nach dem deutschen Reinheitsgebot wird das Tsingtao-Bier allerdings nicht gebraut; es enthält auch Reis. Der Hopfen kommt zum Teil aus Deutschland und zum Teil aus lokalen Anbaugebieten.




Im August jeden Jahres findet in Qingdao ein Bierfest statt.
Laoshan
24.04.2026
Dreißig Kilometer östlich von Qingdao befindet sich der Laoshan, eine bedeutende Stätte des religiösen Daoismus in China. Der Hauptgipfel des Laoshan ist der Jufeng mit einer Höhe von 1132,7 Metern. Bis dahin habe ich es allerdings nicht geschafft; ich habe stattdessen das sogenannte »Taiqing-Ticket« genommen, mit dem man in einem Shuttle-Bus zu den Sehenswürdigkeiten am Berg fahren kann. Gleich zu Beginn kann man dann auch schon den wichtigsten daoistischen Tempel am Laoshan besichtigen, den Taiqing Gong oder »Tempel der höchsten Klarheit«. Er wurde erstmals im Jahr 140 erbaut. Hinter dem Tempel steht eine riesige Laozi-Statue.



Die »Longtou-Ulme« im Taiqing Gong ist angeblich 1200 Jahre alt.

Hinter dem Taiqing Gong geht es auf einem Fußweg und einer Treppe zu Laozi mit erhobenem Zeigefinger hinauf.

Der Taiqing Gong ist auch als unterer Palast bekannt. Zum oberen Palast, den Shangqing-Palast, kann man mit einer Seilbahn fahren.

Dann geht es auf dem Standard-Rundweg wieder bergab. Gegen Ende verläuft der Wanderweg entlang des Bashui-Flusses bis zum Longtan-Wasserfall. Mit dem Quellwasser vom Laoshan wird auch das Tsingtao-Bier gebraut.



Von Qingdao aus fährt dreimal wöchentlich eine Fähre nach Incheon in Südkorea. Die Fähre ist die Golden Bridge V des Unternehmens Weidong Ferry und befördert Personen und Fracht. Sie ist beliebt bei Touristen, die mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Obwohl die Website des Unternehmens auch eine englische Version hat, konnte ich als Ausländer online kein Ticket buchen. Also habe ich einige Tage vor Abfahrt am Hafen in Qingdao ein Ticket der Businessklasse gekauft. Normalerweise sind die Kabinen in dieser Klasse mit bis zu fünf Personen belegt. Die Fähre war aber nicht ausgebucht, und somit hatte ich die Kabine für mich allein. Zu festgelegten Zeiten gab es in einem Bordrestaurant einfaches und preiswertes koreanisches Essen. Am Abend fuhr die Fähre mit einer zweieinhalbstündigen Verspätung gegen 20:00 Uhr los und kam am nächsten Nachmittag gegen 14:30 Uhr in Incheon an. Vom Hafen in Incheon aus fuhr dann ein kostenloser Shuttle-Bus in die Innenstadt. Ich bin von Incheon gleich mit dem Zug weiter nach Seoul gefahren, das nur 28 km entfernt liegt.

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