Die Grenzen der Welt

Eine Welterkundung


Ganden-Songtsenling-Kloster

Shangri-La

02.04.2026–07.04.2026

Shan­gri-La ist ein fik­ti­ver Ort in Tibet, den der bri­ti­sche Schrift­stel­ler James Hil­ton in sei­nem 1933 erschie­ne­nen Roman »Lost Hori­zon« beschrie­ben hat, und in dem die Men­schen in Frie­den und Har­mo­nie leben. 1937 wur­de Hil­tons Roman vom US-ame­ri­ka­ni­schen Regis­seur Frank Capra ver­filmt; die deut­sche Fas­sung des Films hat den Titel »In den Fes­seln von Shan­gri-La«. Vor der Urauf­füh­rung wur­de der Film jedoch stark gekürzt, und in der McCar­thy-Ära wur­den dann noch alle Sze­nen her­aus­ge­schnit­ten, die mit pazi­fis­ti­schen Uto­pien in Ver­bin­dung gebracht wer­den kön­nen. Vie­les ist ver­lo­ren­ge­gan­gen, aber zwi­schen 1973 und 1986 wur­de ver­sucht, den Ori­gi­nal­film so weit wie mög­lich wie­der­her­zu­stel­len. Die restau­rier­te Fas­sung kann man sich heu­te in Strea­ming­diens­ten anse­hen.

Shan­gri-La ist zwar ein fik­ti­ver Ort, vie­le glaub­ten jedoch an sei­ne rea­le Exis­tenz. Im Jahr 2001 behaup­te­ten chi­ne­si­sche Wis­sen­schaft­ler sogar, sie hät­ten den Ort aus Hil­tons Roman im heu­ti­gen Zhong­di­an gefun­den. Um den Tou­ris­mus zu för­dern, wur­de Zhong­di­an dann auch sofort in Shan­gri-La umbe­nannt. Der Ort liegt auf 3160 Metern Höhe in der auto­no­men Regi­on Dêqên der Tibe­ter, in der mehr als 30 Pro­zent der Bevöl­ke­rung Tibe­ter sind. Von Kun­ming aus ist er mit dem Zug in fünf Stun­den zu errei­chen. Duke­zong, die his­to­ri­sche Alt­stadt von Shan­gri-La, wur­de lei­der 2014 durch ein Feu­er zer­stört, so dass die tibe­ti­schen Häu­ser, die man heu­te dort sieht, alle neue­ren Datums sind. Ich bin vor 22 Jah­ren schon ein­mal in Shan­gri-La gewe­sen und konn­te damals noch die Alt­stadt vor dem Feu­er sehen.

Auf einem Hügel in der Alt­stadt befin­det sich ein klei­ner Park, der Guis­han-Park. Oben auf dem Hügel steht ein bud­dhis­ti­scher Tem­pel und die größ­te Gebets­müh­le der Welt.

Die 21 Meter hohe und 60 Ton­nen schwe­re Gebets­müh­le besteht aus ver­gol­de­ter Bron­ze und kann nur von meh­re­ren Men­schen gemein­sam in Bewe­gung gesetzt wer­den.

Das Gan­den-Song­tsen­ling-Klos­ter im Nor­den von Shan­gri-La ist das größ­te Klos­ter der Gelug-Schu­le des tibe­ti­schen Bud­dhis­mus. Der Gelug-Schu­le, auch Gelb­müt­zen-Schu­le genannt, gehört auch der Dalai-Lama an. Der Ursprung des Gan­den-Song­tsen­ling-Klos­ters geht auf das Jahr 1679 zurück. Von der Alt­stadt aus fah­ren regel­mä­ßig Bus­se zum Klos­ter.

Eine stei­len Trep­pe führt zu den Haupt­ge­bäu­den des Klos­ters hin­auf.

Den süd­lich des Klos­ters gele­ge­nen Lamu Yang­cuo-See kann man auf einem Pan­ora­ma­weg umrun­den. Bei kla­rem Wet­ter spie­gelt sich das Klos­ter im See, was lei­der bei mei­ner Umrun­dung nicht der Fall war.

Einen Ein­druck für die Land­schaft der Regi­on bekommt man im Yila-Gras­land, etwa acht Kilo­me­ter nord­west­lich von Shan­gri-La. Zum Ende der Tro­cken­zeit ver­wan­delt sich ein Teil des Napa-Sees dort in eine grü­ne Sumpf­wie­se.

Loka­le Bus­se fah­ren nur sel­ten zum Yila-Gras­land; ich habe daher ein DiDi (die chi­ne­si­sche Ver­si­on von Uber) genom­men. Am Ein­gang zum Yila-Gras­land, wo mich das DiDi abge­setzt hat, konn­te man Pfer­de zum Rei­ten mie­ten; eine Frau woll­te mich unbe­dingt zum Bogen­schie­ßen über­re­den, was ich dann aber dan­kend abge­lehnt habe. Lei­der habe ich im Yila-Gras­land kei­ne Yaks gese­hen, nur Pfer­de.

Potatso-Nationalpark

04.04.2026

Wenn man kein eige­nes Auto zur Ver­fü­gung hat, kann man in die nähe­re Umge­bung von Shan­gri-La mit preis­wer­ten Shut­tle­bus­sen fah­ren, die mehr­mals am Tag von der Alt­stadt aus los­fah­ren. Ich bin mit einem sol­chen Shut­tle­bus zum Potatso-Natio­nal­park gefah­ren, der etwa 21 km öst­lich von Shan­gri-La liegt. Infor­ma­tio­nen gab es im Bus nur auf Chi­ne­sisch; ich war offen­bar der ein­zi­ge Mit­fah­ren­de, der nicht chi­ne­sisch ver­stand. Der Shut­tle­bus fuhr bis zum Park­ein­gang, wo man in einen zum Park gehö­ren­den Bus umstei­gen muss­te. Die­ser war ein Hop-on/Hop-off-Bus; an eini­gen Hal­te­stel­len im Park konn­te man ein- oder aus­stei­gen. Infor­ma­tio­nen gab es auch in die­sem Bus nur auf Chi­ne­sisch. Ich habe dann mehr schlecht als recht ver­sucht, mit der Goog­le Über­set­zer-App eine Live-Über­set­zung zu star­ten. Ansons­ten habe ich das gemacht, was alle gemacht haben, und bin an der Hal­te­stel­le am Shu­du-See aus­ge­stie­gen. Kurz danach konn­te man bereits die ers­ten Yaks gese­hen.

Einem am See auf­ge­stell­ten Schild zufol­ge liegt der Shu­du-See auf 3595 Metern Höhe; im Inter­net fin­det man aber auch Anga­ben, nach denen er auf 3705 Metern Höhe liegt. Man kann mit einem Boot über den See gefah­ren, was die meis­ten aus dem Bus auch gemacht haben. Ich habe lie­ber den Fuß­weg am See­ufer ent­lang genom­men.

Auf der gegen­über­lie­gen­den Sei­te des Sees konn­te man wie­der in einen Park­bus ein­stei­gen, der dann wei­ter zu einem ande­ren See, den Bita-See, fuhr. Auf dem Weg dahin kamen wir zunächst wie­der am Park­ein­gang vor­bei, und die meis­ten hat­ten offen­bar bereits genug gese­hen und sind dort aus­ge­stie­gen. Von der Hal­te­stel­le am Bita-See aus konn­te man dann auch nur auf einem kur­zen Fuß­weg zum See und wie­der zurück­ge­hen; ein län­ge­rer Wan­der­weg am See ent­lang war gesperrt. Yaks gab es aller­dings auch am Bita-See wie­der zu sehen.

Von Shan­gri-La aus gibt es noch einen wei­te­ren Shut­tle­bus, der nach Bala­ge­zong, etwa 50 km nörd­lich von Shan­gri-La gele­gen, zu einer Art »Grand Can­yon« fährt. Die­sen Shut­tle­bus habe ich aber nicht genom­men.

Meili-Schneeberg

06.04.2026

Über­all in der Alt­stadt von Shan­gri-La ste­hen Leu­te her­um, die Fahr­ten zum Son­nen­auf­gang am Mei­li-Schnee­berg anbie­ten. Sie haben Fotos dabei, auf denen der Berg­gip­fel bei Son­nen­auf­gang in leuch­ten­den Far­ben erstrahlt. Ich habe ein sol­che Fahrt zum Mei­li-Schnee­berg gemacht; es ging bereits um 4:30 Uhr los. Wie­der waren die Infor­ma­tio­nen im Bus nur auf Chi­ne­sisch; eine chi­ne­si­sche Mit­rei­sen­de konn­te mir eini­ges auf Eng­lisch erklä­ren. Zunächst ging es zu einem Aus­sichts­punkt, wo wir auf den Son­nen­auf­gang war­te­ten. Den im Son­nen­licht erstrah­len­den Berg­gip­fel sieht man aller­dings nur, wenn man mit dem Wet­ter gro­ßes Glück hat. Meis­tens hat man kein Glück, und man sieht alles nur hin­ter dich­ten Wol­ken.

Kurz nach Son­nen­auf­gang konn­te man die Ber­ge von einem ande­ren Aus­sichts­punkt aus dann aber doch noch etwas bes­ser sehen.

Der Mei­li-Schnee­berg liegt im Gebiet der soge­nann­ten »Drei Par­al­lel­flüs­se«. Einer die­ser drei Flüs­se, der Jin­sha, macht an der Jin­sha-Mond­bucht eine male­ri­sche 180-Grad-Schlei­fe, die man unbe­dingt foto­gra­fie­ren muss. Der Jin­sha ist der Ober­lauf des Jang­tse.

Auf der Rück­fahrt nach Shan­gri-La gab es noch einen kur­zen Foto­stopp am Napa-See, dies­mal von der nörd­li­chen Sei­te aus. Anders als vom Yila-Gras­land bei Shan­gri-La aus, konn­te man den See hier in sei­ner Gän­ze sehen.

Von Shan­gri-La aus gibt es einen etwas beschwer­li­chen Weg mit loka­len Bus­sen nach Cheng­du in der Pro­vinz Sichu­an. Die­sen mehr­tä­gi­gen Weg hat­te ich vor 22 Jah­ren genom­men, und ich habe spä­ter bereut, es dies­mal nicht wie­der so gemacht zu haben. Statt­des­sen habe ich einen beque­men Hoch­ge­schwin­dig­keits­zug genom­men.


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