13.03.2026–20.03.2026
Da die Bahnhöfe für Hochgeschwindigkeitszüge in Chiayi und in Tainan außerhalb der Stadtzentren liegen und die Entfernung zwischen diesen Städten nicht so groß ist, habe ich für die Strecke von Chiayi nach Tainan den normalen Zug genommen. Gewohnt habe ich im Tainan West Central District in einem Zimmer im Oc Hostel in der Xinmei-Straße. Bis zur Vereinigung mit dem Landkreis Tainan im Jahr 2010 war dieser Stadtteil das Zentrum Tainans, und die Xinmei-Straße hat bis heute eine traditionelle Atmosphäre behalten.
Eine andere bekannte Straße mit traditionellen taiwanesischen Häusern ist die Shennong-Straße, in der sich zur Zeit der Qing-Dynastie der Zugang zum Flusshafen befand. Ein traditionelles taiwanesisches Haus hat in der Regel zwei Geschosse; im Erdgeschoss befindet sich ein Geschäft und im Obergeschoss der Wohnbereich. Die Geschäfte in der mit bunten Laternen geschmückten Shennon-Straße sind heute vor allem Touristengeschäfte und Cafés.




Im Jahr 1624 kamen die Holländer nach Taiwan und errichteten in der Gegend des heutigen Tainan einen Stützpunkt der Niederländischen Ostindien-Kompanie. Auf einer Halbinsel im heutigen Stadtbezirk Anping errichteten sie das Fort Zeelandia. Die Halbinsel wurde von den Holländern Tayouan genannt, woraus später vermutlich der Name Taiwan wurde. Vom Zentrum Tainans aus kann man zum Fort Zeelandia mit einem Bus fahren. Der markante Aussichtsturm des Forts und auch die meisten der überall zu sehenden roten Backsteine stammen allerdings nicht aus der Zeit der Holländer, sondern aus späterer Zeit.

Vom holländischen Fort ist dagegen nicht mehr viel zu sehen. Es war von zwei Festungsmauern umgeben, einer inneren und einer äußeren. Ferner gab es eine Siedlung, die auf der Karte links eingezeichnet ist.

Die Reste der inneren Festungsmauer können normalerweise besichtigt werden. Zur Zeit meines Besuchs wurden sie allerdings gerade restauriert, und der größte und fotogenste Teil der Mauer war mit einer blauen Plastikplane abgedeckt.

Ein bisschen konnte man allerdings trotzdem noch sehen.


In einem Gebäude aus dem Jahr 1882, das ursprünglich ein Zollhaus gewesen ist, befindet sich heute das Museum des Forts.

1662 wurde das Fort Zeelandia von Zheng Chenggong, einem chinesischen Armeeführer und Seeräuber und Anhänger der Ming-Dynastie, belagert und eingenommen. Anschließend gründete Zheng Chenggong im Südwesten Taiwans das kurzlebige Königreich Tungning, dessen König er war. Nach der Eroberung Taiwans durch die Qing und dem Ende des Königreichs Tungning wurde Tainan 1683 Hauptstadt der Präfektur Tainan.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nach der Niederlage Chinas im Zweiten Opiumkrieg und der Unterzeichnung des Vertrags von Tianjin, wurde der Hafen von Anping für den internationalen Handel geöffnet. In der Nähe des Forts Zeelandia kann man das aus dieser Zeit stammende ehemalige Haus des britischen Handelsunternehmens Tait & Co., das auch im Opiumhandel involviert war, besichtigen. Es wurde 1867 im westlichen Kolonialstil gebaut. Innen befindet sich ein kleines Museum, und hinter dem Haus steht die Ruine des ehemaligen Speichers des Unternehmens, die heute wegen eines hineingewachsenen Baums als Baumhaus bekannt ist.

Ebenfalls in Anping befindet sich die Ruine der Ewigen Goldenen Burg. Sie wurde zwischen 1874 und 1876 zur Verteidigung gegen die Japaner gebaut und war die erste Festung im westlichen Stil in Taiwan. Die für den Bau verwendeten roten Ziegel stammen aus dem Fort Zeelandia.

Im Jahr 1653 errichteten die Holländer im heutigen West-Distrikt, also im alten Zentrum Tainans, ein zweites Fort, das Fort Provintia. Nachdem die Holländer 1662 von Zheng Chenggong aus Taiwan vertrieben wurden, war das Fort Provintia zunächst der Verwaltungssitz des Königreichs Tungning, bevor es danach verfiel. Im 19. Jahrhundert wurden auf dem Gelände des Forts vier religiöse Gebäude errichtet, von denen heute nur noch der Haishen-Tempel und der Wenchang-Pavillon übriggeblieben sind.


Wie beim Fort Zeelandia, ist auch hier vom niederländischen Fort nicht mehr viel zu sehen. Bei Restaurierungsarbeiten wurde 1944 der ursprüngliche Eingang des Forts entdeckt.

Von der ehemaligen Festungsmauer sind nur noch wenige Reste zu sehen.

Tainan ist als eine Stadt mit vielen Tempeln bekannt. Direkt gegenüber des Forts Provintia steht ein großer Mazu-Tempel. Er wurde 1664 als Palast erbaut und erst später in einen Tempel umgewandelt. Sein heutiges Aussehen als Tempel erhielt er 1775. 1946 wurde er renoviert. Im Innern befindet sich eine Statue der taoistischen Meeresgöttin Mazu.




Neben dem Mazu-Tempel befindet sich hinter einer langen roten Mauer ein Tempel, der dem Kriegsgott Guandi gewidmet ist. Guandi ist ein vergöttlichter General aus der Zeit der Han-Dynastie.


Der Konfuziustempel wurde 1665 zur Zeit des Königreichs Tungning erbaut und ist der älteste Konfuziustempel Taiwans. Nach der Übernahme Taiwans durch die Qing wurden hier staatliche Beamtenprüfungen durchgeführt.



Im Fu City God-Tempel werden die guten und die schlechten Taten eines Verstorbenen mit Hilfe eines riesigen Abakus berechnet.




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