Die Grenzen der Welt

Eine Welterkundung


Taipei 101

Taipeh

01.03.2026–09.03.2026

Die Haupt­stadt Tai­wans Tai­peh ist nicht weit von Kee­lung ent­fernt; die Fahrt­zeit mit einem loka­len Bus beträgt weni­ger als eine Stun­de. In Tai­peh habe ich mal wie­der in einem Hos­tel über­nach­tet, dem Mean­der Tai­pei Hos­tel im Stadt­teil Ximen­ding. Ximen­ding ist ein tren­di­ges Vier­tel, das manch­mal mit Shi­bu­ya in Tokio ver­gli­chen wird. Lei­der hat es in Tai­peh häu­fig gereg­net.

In Tai­wan war gera­de die Zeit der Later­nen­fes­te, und in den Stra­ßen von Ximen­ding stan­den über­all bun­te Later­nen her­um. Vor­herr­schend war natür­lich das Pferd­mo­tiv. Wäh­rend des Later­nen­fests gab es auf den Stra­ßen Ximen­dings ein Rauch­ver­bot.

Die Attrak­ti­on des Later­nen­fests war die »Baby Mol­ly«. Sie sym­bo­li­siert die Ankunft des Got­tes der Zukunft, der Glück und Segen über die Mensch­heit bringt. Abends fand an der »Baby Mol­ly« alle 20 Minu­ten ein Event mit Musik und Sei­fen­bla­sen statt.

Das Ximen Hon­glu-Thea­ter, auch »Red House Theat­re« genannt, ist ein his­to­ri­sches Thea­ter in Ximen­ding, das 1908 wäh­rend der japa­ni­schen Kolo­ni­al­zeit erbaut wur­de. Es ver­ei­nigt west­li­che und japa­ni­sche Archi­tek­tur­sti­le. Heu­te ist es auch ein Treff­punkt der Schwu­len­sze­ne in Tai­peh.

Rund um das Rote Haus gibt es eini­ge Restau­rants und Bier­gär­ten. Das »Tai­wan Beer Only 18 Days« hat ein Halt­bar­keits­da­tum von nur 18 Tagen.

Nach der Nie­der­la­ge Chi­nas im Ers­ten Japa­nisch-Chi­ne­si­schen Krieg wur­de Tai­wan zu einer japa­ni­schen Kolo­nie, fiel aber nach der Nie­der­la­ge Japans im Zwei­ten Japa­nisch-Chi­ne­si­schen Krieg, der Teil des Zwei­ten Welt­kriegs war, wie­der an Chi­na zurück. In Tai­peh pro­kla­mier­te der Füh­rer der Kuom­in­tang Chiang Kai-shek nach sei­ner Nie­der­la­ge gegen Mao Zedong im Chi­ne­si­schen Bür­ger­krieg 1949 eine pro­vi­so­ri­sche Regie­rung und erhob bis zu sei­nem Tod 1975 mit Unter­stüt­zung der USA Anspruch auf ganz Chi­na. Zu sei­nem Geden­ken wur­de die Chiang Kai-shek-Gedächt­nis­hal­le errich­tet. Vor der Hal­le gibt es regel­mä­ßig Wach­ab­lö­sun­gen zu sehen.

Innen steht eine 10 m hohe bron­ze­ne Sta­tue von Chiang Kai-shek. Was wür­de wohl damit pas­sie­ren, wenn Tai­wan unter die Kon­trol­le von Fest­land­chi­na käme?

Seit dem 17. Jahr­hun­dert kamen chi­ne­si­sche Ein­wan­de­rer, vor allem aus den Pro­vin­zen Fuji­an und Guang­dong, nach Tai­wan und ver­dräng­ten die bereits seit vor­christ­li­cher Zeit dort leben­den Urein­woh­ner. Heu­te gibt es 16 von der Regie­rung offi­zi­ell aner­kann­te Urein­woh­ner-Völ­ker; des­sen Anteil an der Gesamt­be­völ­ke­rung lag 2017 aller­dings nur noch bei offi­zi­el­len 2,36 %. 95 % der Bevöl­ke­rung Tai­wans sind Han-Chi­ne­sen. Der Long­shan-Tem­pel wur­de 1738 von chi­ne­si­schen Ein­wan­de­rern errich­tet. Im frü­hen 20. Jahr­hun­dert wur­de er restau­riert.

Der Ciy­ou-Tem­pel stammt aus dem 18. Jahr­hun­dert und ist der Mee­res­göt­tin Mazu gewid­met.

Er steht direkt neben dem Ein­gangs­tor zum Rao­he-Nacht­markt, einem der belieb­tes­ten Nacht­märk­te Tai­pehs, wo er beson­ders am Abend erstrahlt.

Bereits kurz hin­ter dem Ein­gang zum Nacht­markt stößt man auf den bekann­tes­ten Stand. Am »Fuz­hou Black Pep­per Bun«-Stand steht man Schlan­ge für ein mit Schwei­ne­fleisch gefüll­tes Bröt­chen.

Die Nacht­markt-Klas­si­ker Stin­ky Tofu und Aus­ter­nome­lett gibt es auf dem Rao­he-Nacht­markt natür­lich auch.

Ein Wahr­zei­chen Tai­pehs ist das Tai­pei Finan­cial Cen­ter, auch Tai­pei 101 genannt. Es ist das höchs­te Gebäu­de Tai­wans und das elft­höchs­te Gebäu­de der Welt.

Die Sicht von der Aus­sichts­platt­form des Tai­pei 101 war wegen der Wol­ken lei­der nicht so gut. Inter­es­san­ter fand ich den Schutz des Gebäu­des vor Schwin­gun­gen durch einen Schwin­gungs­til­ger. Es ist nicht nur der größ­te Schwin­gungs­til­ger der Welt, son­dern auch der ein­zi­ge, der öffent­lich zugäng­lich ist.

Den Tai­pei 101 sieht man auch gut vom 183 m hohen Xiangs­han aus, der auch Ele­fan­ten­berg genannt wird. Zu des­sen Gip­fel führt ein etwa 1,5 km lan­ger Wan­der­weg. Lei­der war es auch an die­sem Tag ziem­lich bewölkt.

Yelihu, Jiufen und Shifen

04.03.2026

Eine Stan­dard-Tages­tour von Tai­peh aus geht zu den Orten Yeli­hu, Jiufen und Shi­fen. Die drei Orte gehö­ren zu Neu-Tai­peh, einer Stadt, die 2010 durch die Fusi­on von 29 Städ­ten im Umkreis von Tai­peh ent­stan­den ist und Tai­peh voll­stän­dig umschließt.

Im »Yeli­hu-Geo­park« kann man ähn­li­che geo­lo­gi­sche For­ma­tio­nen sehen, wie im »Heping Island Geo­park« in Kee­lung, nur mit viel mehr Tou­ris­ten. Lei­der hat es mal wie­der den gan­zen Tag gereg­net.

Dann ging es zum Berg­ort Jiufen. Zur »Jiufen Old Street« führt eine stei­le Trep­pe mit 415 Stu­fen.

Auch die »Jiufen Old Street« mit ihren vie­len Läden und Tee­häu­sern in tra­di­tio­nel­len Holz­häu­sern konn­te nur im Regen besich­tigt wer­den. Aber auch an Regen­ta­gen wim­melt es hier nur so von Tou­ris­ten.

Im Amei-Tee­haus, einem Haus in japa­ni­scher Archi­tek­tur, habe ich mich vom Regen bei einem Tee und Süßig­kei­ten erholt. Der Kell­ner gab mir aus­führ­li­che Infor­ma­tio­nen dar­über, wie lan­ge ich den Tee zie­hen las­sen soll und wie oft ich einen neu­en Auf­guss machen kann (drei­mal).

Bekannt wur­de Jiufen durch den tai­wa­ne­si­schen Spiel­film »Eine Stadt der Trau­rig­keit« von Hou Hsiao-Hsi­en aus dem Jahr 1989. Der Film, der z. T. in Jiufen gedreht wur­de, the­ma­ti­siert einen Zwi­schen­fall vom 28. Febru­ar 1947, bei dem zwi­schen 10.000 und 30.000 Zivi­lis­ten ums Leben kamen und der in Tai­wan bis dahin ein Tabu­the­ma gewe­sen war. Lei­der gibt es den Film in kei­nem Strea­ming-Dienst.

Der letz­te Ort der Tour war Shi­fen. Zunächst ging es zum Shi­fen-Was­ser­fall, den man über die ziem­lich wacke­li­ge Guan­pu-Hän­ge­brü­cke erreicht.

Der Shi­fen-Was­ser­fall wird oft mit den Nia­ga­ra­fäl­len ver­gli­chen. Ich fand ihn aller­dings nicht so ein­drucks­voll, aber das lag wahr­schein­lich auch am Regen­wet­ter.

Die »Shi­fen Old Street« liegt direkt an einer Eisen­bahn­li­nie, der 12,9 km lan­gen Pinxi-Linie von Rui­fang nach Shi­fen. Als die Pinxi-Linie in den 1920er Jah­ren wäh­rend der japa­ni­schen Kolo­ni­al­zeit gebaut wur­de, war Shi­fen ein wich­ti­ger Ort für den Koh­le­ab­bau. Da ich mit einer orga­ni­sier­ten Tages­tour nach Shi­fen gekom­men war, habe ich lei­der die angeb­lich spek­ta­ku­lä­re Ein­fahrt des Zuges in den Bahn­hof nicht erle­ben kön­nen. Statt­des­sen haben wir Glücks­la­ter­nen, die über­all in der »Shi­fen Old Street« ange­bo­ten wer­den, in den Him­mel stei­gen las­sen.


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