10.02.2026–14.02.2026
Die Fahrt von Shenzhen zur etwa 600 km entfernten Stadt Quanzhou in der Provinz Fujian dauerte mit dem Hochgeschwindigkeitszug nur vier Stunden. Quanzhou war zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert eine bedeutende Hafenstadt mit kosmopolitischem Flair und Ausgangspunkt der sogenannten »Seidenstraße der Meere«. Auch Marco Polo und Ibn Battuta waren in Quanzhou. »Von der Seidenstraße der Meere« handelt die zweiteilige ARTE-Dokumentation »Die Seefahrer des Orients« von 2016. 2021 kam Quanzhou auf die Liste des UNESCO-Welterbes in China.
Ein beliebtes Ausflugsziel in Quanzhou ist die Luoyang-Brücke. Die aus dem 11. Jahrhundert stammende Steinbrücke über den Luoyang-Fluss war ursprünglich 1200 m lang; heute ist sie allerdings nur noch 731 m lang, da das Flussbett durch Eindeichungsmaßnahmen verengt wurde.


In Quanzhou gibt es auch wieder interessante Tempel zu besichtigen. Der Kaiyuan-Tempel stammt aus dem Jahr 686 und ist der größte buddhistische Tempel der Provinz Fujian. Er gehört dem chinesischen esoterischen Buddhismus an und liegt an der Xijie-Straße, einer Fußgängerzone mit Häusern aus der Tang- und der Song-Zeit.


Auf dem weitläufigen Tempelgelände befinden sich zwei achteckige fünfgeschossige steinerne Pagoden. Die Renshou-Pagode im Westen ist 44 m hoch und die Zhenguo-Pagode im Osten ist 48 m hoch.


Die Pagoden sind mit Reliefdekorationen verziert, die Motive aus indischen Legenden darstellen.


Der Tonghuai Guanyue-Tempel ist ein daoistischer Tempel im Minnan-Stil mit kunstvoll verzierten Holz-, Stein- und Tonschnitzereien. Am Tempel herrschte reger Betrieb.


Mit dem Seehandel kamen auch der Islam nach China. Die Quingjing-Moschee wurde 1009 von arabischen Händlern gebaut und ist eine der ältesten Moscheen in China.

Die heuige Gebetshalle ist neu, aber auf dem Gelände der Moschee stehen die Ruinen einiger älterer Gebäude.


Auch das Christentum und der Hinduismus erreichten China. Im »Maritime Museum« kann man sich über die Geschichte des Seehandels informieren und Relikte verschiedener Religionen, die es damals in Quanzhou gegeben hat, sehen.


Auch die Kopie einer Statue des persischen Propheten Mani befindet sich im Museum. Mani ist der Begründer des Manichäismus, einer bedeutenden Religion der Spätantike, die Elemente des Christentums, des Zoroastrismus, des Buddhismus und der Gnosis enthält.

Auf den ersten Blick sieht Mani auf der Statue wie ein Buddha aus; nur an Details wie dem glatten, über die Schulter fallendem Haar kann man erkennen, dass es sich um Mani handelt. Ferner nehmen die Hände kein Mudra ein, wie in buddhistischen Statuen üblich, sondern liegen mit den Handflächen nach oben auf dem Bauch.
Jinjiang
12.02.2026
Auch der Manichäismus gelangte über den Handel nach China. Im Ort Jinjiang, 19 km südlich von Quanzhou gelegen, befindet sich der Cao’an-Tempel, der einzige erhaltene manichäische Tempel in China. Von Quanzhou aus kommt man zum Tempel mit einem Bus; die letzten zwei Kilometer muss man allerdings noch zu Fuß gehen. Der heutige Tempel stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde als buddhistischer Tempel getarnt.

Im chinesischen Manichäismus wurde der Prophet Mani bisweilen als Reinkarnation von Laozi angesehen. Später wurde der Manichäismus in China verfolgt, und manichäische Tempel gaben sich offiziell als buddhistische oder daoistische Tempel aus. So auch der Cao’an-Tempel, den man lange Zeit für einen buddhistischen Tempel hielt. Erst 1940 fand ein Archäologe aus Quanzhou heraus, dass es sich um einen vergessenen manichäischen Tempel handelt.

Im Tempel befindet sich das Original der Statue des Propheten Mani, das allerdings nur hinter Glas bewundert werden kann.

Auch einige restaurierte manichäische Inschriften gibt es auf dem Gelände des Tempels zu sehen.


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