Die Grenzen der Welt

Eine Welterkundung


Macau

Macau

18.01.2026–01.02.2026

Nach Macau bin ich von Hong­kong aus über die Hong­kong-Zhuh­ai-Macau-Brü­cke gefah­ren. Zunächst ging es mit einem Bus zum Grenz­kon­troll­ge­bäu­de auf einer künst­li­chen Insel öst­lich der Flug­ha­fen­in­sel Chek Lap Kok. Von da aus fah­ren alle 15 Minu­ten Bus­se über die Brü­cke bis zum Grenz­über­gang nach Macau, der sich auf einer künst­li­chen Insel öst­lich von Macau befin­det. Auch in Macau kann man sich als Euro­pä­er 90 Tage lang ohne Visum auf­hal­ten. Nach den Grenz­for­ma­li­tä­ten habe ich mir in einem 7-Ele­ven sofort den Macau Pass, das Pen­dant zur Hong­kon­ger Octo­pus-Kar­te, besorgt, um damit den Bus zu mei­nem Hotel in Macau, dem Holi­day Inn Express Macau City Cent­re, zu bezah­len. Seit kur­zem gibt es auch eine neue Octo­pus-Kar­te, die in Hong­kong, Macau und Fest­land­chi­na gilt. Die habe ich aber nicht gehabt.

Die bis dahin unbe­deu­ten­de Halb­in­sel Macau wur­de 1557 an Por­tu­gal ver­pach­tet. Die Por­tu­gie­sen ver­leg­ten danach ihren Han­del­stütz­punkt von der Insel Sang­chu­an nach Macau. Macau wur­de zu einem wich­ti­gen Waren­um­schlag­platz zwi­schen Asi­en und Euro­pa, und es ent­stand eine jähr­li­che See­han­dels­li­ne von Goa über Cochin, Malak­ka und Macau bis nach Japan. Por­tu­gie­sisch ist in Macau immer noch zwei­te Amts­spra­che, obwohl heu­te hier kaum noch jemand Por­tu­gie­sisch als Mut­ter­spra­che spricht. Auch zahl­rei­che Schil­der und alle Durch­sa­gen in öffent­li­chen Bus­sen sind zwei­spra­chig.

Wie in allen ihren Kolo­nien bau­ten die Por­tu­gie­sen auch in Macau zahl­rei­che Kir­chen. Von der berühm­tes­ten Kir­che und Wahr­zei­chen Macaus, der Pau­lus­kir­che, ist heu­te nur noch die Fas­sa­de zu sehen. Eigent­lich hieß die Kir­che Igre­ja da Mad­re de Deus, nur das angren­zen­de Kol­leg hieß Colé­gio de São Pau­lo. Die Kir­che wur­de zwi­schen 1602 und 1640 gebaut und wur­de 1762, nach­dem sich die Jesui­ten aus Macau zurück­ge­zo­gen hat­ten, ver­las­sen. Spä­ter zog ein Mili­tär­ba­tal­lon in die Kir­che ein, in des­sen Küche 1835 ein Brand aus­brach, der nur noch die Fas­sa­de der Kir­che übri­gließ. Da sie noch bis Anfang Febru­ar restau­riert wur­de, konn­te man sie nur durch eine Pla­ne sehen.

Die Rui­nen der Pau­lus­kir­che befin­den sich in der his­to­ri­schen Alt­stadt Macaus, die seit 2005 zum UNESCO-Welt­kul­tur­er­be gehört. Hin­auf zur Fas­sa­de gelangt man über eine brei­te Trep­pe vol­ler Tou­ris­ten.

In der engen Stra­ße Tra­ves­sa da Paix­ao, die von den Rui­nen der Pau­lus­kir­che abzweigt, sieht man schö­ne Gebäu­de aus der por­tu­gie­si­schen Kolo­ni­al­zeit.

Auf dem klei­nen Hügel Coli­na do Mon­te in der Nähe steht die For­ta­le­za do Mon­te, eine por­tu­gie­si­sche Fes­tung aus dem 17. Jahr­hun­dert.

Oben auf dem Hügel kann man u. a. den Turm des Hotels Grand Lis­boa und die Rui­nen der Pau­lus­kir­che sehen. Auch ein Muse­um befin­det sich dort.

Eben­falls aus dem 17. Jahr­hun­dert stammt die For­ta­le­za da Guia. Sie wur­de von den Por­tu­gie­sen zum Schutz vor den Nie­der­län­dern gebaut, die damals Macau bedroh­ten. Für die Nie­der­län­der war Macau eine Kon­kur­renz zu ihrem Han­dels­pos­ten Hira­do in Japan.

Oben auf der Fes­tung steht die Cape­la de Nos­sa Senho­ra da Guia und der Leucht­turm Farol da Guia, der aller­dings erst 1865 gebaut wur­de.

Wäh­rend einer Inva­si­on der Nie­der­län­der im Jahr 1622 ver­ließ die Jung­frau Maria ein Bild­nis der Kapel­le, um mit ihrem aus­ge­brei­te­ten Man­tel die Kugeln der Nie­der­län­der abzu­weh­ren, und trug so zum Sieg der Por­tu­gie­sen bei. Im Jahr 1996 wur­den in der Kapel­le bei Kon­ser­vie­rungs­ar­bei­ten alte Fres­ken ent­deckt und frei­ge­legt, die man lei­der nicht foto­gra­fie­ren durf­te.

Im por­tu­gie­sisch gepräg­ten Zen­trum Macaus befin­det sich der Lar­go do Sen­a­do, ein klei­ner Platz am Ende einer brei­ten Stra­ße, an dem sich das Senats­ge­bäu­de Leal Sen­a­do (das wei­ße Gebäu­de hin­ten auf dem Foto) befin­det.

Am ande­ren Ende der Stra­ße befin­det sich die Igre­ja de São Dom­in­gos aus dem spä­ten 16. Jahr­hun­dert.

Auch nicht-christ­li­che Kult­stät­ten gibt es im his­to­ri­schen Zen­trum Macaus. Der Sam Kai Vui Kun-Tem­pel aus dem 18. Jahr­hun­dert war Treff­punkt chi­ne­si­scher Händ­ler und ist dem chi­ne­si­schen Gene­ral Guan Yu gewid­met, der im Tao­is­mus, Kon­fu­zia­nis­mus und Bud­dhis­mus ver­ehrt wird.

Der A-Ma-Tem­pel ist der Mee­res­göt­tin Mazu, der Schutz­göt­tin der See­fah­rer, gewid­met. Gebaut wur­de der Tem­pel bereits 1488 und ist damit einer der ältes­ten Tem­pel Macaus. Man­che ver­mu­ten, dass der Name Macau vom Namen die­ses Tem­pels abge­lei­tet ist.

Wei­te­re por­tu­gie­si­sche Kir­chen ste­hen im Stadt­teil São Lou­ren­ço. Die Igre­ja de São Lou­ren­ço wur­de ursprüng­lich im 16. Jahr­hun­dert von den Jesui­ten erbaut. Der heu­ti­ge Bau stammt aller­dings aus dem Jahr 1846.

Die Jesui­ten grün­de­ten 1728 in Macau ein Pries­ter­se­mi­nar zur Aus­bil­dung von Mis­sio­na­ren für Fern­ost. Die zuge­hö­ri­ge baro­cke Kir­che Igre­ja e Seminá­rio de São José stammt aus dem Jahr 1758.

Eben­falls in São Lou­ren­ço befin­det sich der his­to­ri­sche Wohn­kom­plex Casa do Man­da­rim. Hier wohn­te frü­her der Refor­mer Zhen Guany­ing, der von 1842 bis 1923 gelebt hat und sich für ein par­la­men­ta­ri­sches Sys­tem in Chi­na ein­setz­te. Der Wohn­kom­plex ist gut restau­riert, und man sieht dort, wie wohl­ha­ben­de Chi­ne­sen damals in Macau gewohnt haben.

Ein Platz mit por­tu­gie­si­schem Flair in São Lou­ren­ço ist der Lar­go do Lilau.

Die Gemein­de São Láza­ro ist die kleins­te von fünf ehe­ma­li­gen Pfar­rei­en Macaus. Durch São Láza­ro ver­läuft die Stra­ße Cal­ça­da da Igre­ja de São Láza­ro. Ein Teil der Stra­ße ist eine Fuß­gän­ger­zo­ne mit por­tu­gie­si­scher Archi­tek­tur.

Inmit­ten von Hoch­häu­sern ist der Lou Lim Ioc-Gar­ten ein klei­ner Park in São Láza­ro. Ursprüng­lich war es der Pri­vat­gar­ten einer rei­chen chi­ne­si­schen Kauf­manns­fa­mi­lie.

Die por­tu­gie­si­sche Kolo­nie Macau bestand aus zwei Gemein­den, dem Con­cel­ho de Macau auf der Halb­in­sel Macau und dem Con­cel­ho das Islas auf den erst spä­ter von den Por­tu­gie­sen in Besitz genom­men Inseln Tai­pa und Colo­ane. Tai­pa ist heu­te durch Brü­cken mit der Halb­in­sel ver­bun­den, und die süd­lich davon gele­ge­ne Insel Colo­ane ist seit 1968 über einen künst­li­chen Isth­mus mit Tai­pa ver­bun­den.

Tai­pa wur­de von den Por­tu­gie­sen 1847 mili­tä­risch besetzt und 1851 annek­tiert. Wegen der Brü­cken­ver­bin­dung ist die Insel heu­te leicht mit dem Bus zu errei­chen. Als ich vor 22 Jah­ren schon ein­mal in Macau war, habe ich auf Tai­pa über­nach­tet. Damals war die Insel noch länd­lich geprägt; seit­dem sind hier jedoch zahl­rei­che Hoch­häu­ser gebaut wor­den. Die Por­tu­gie­sen nann­ten Tai­pa Fre­gue­sia de Nos­sa Senho­ra do Car­mo. Die neo­klas­si­zis­ti­sche Igre­ja de Nos­sa Senho­ra do Car­mo stammt aus dem Jahr 1885.

Das Gebäu­de des Museu da His­tória da Tai­pa e Colo­ane beher­berg­te bis 2001 die Gemein­de­ver­wal­tung.

Das Casas-Museu da Tai­pa besteht aus fünf restau­rier­ten Kolo­ni­al­häu­sern. Die Häu­ser wur­den 1921 gebaut und waren Wohn­häu­ser por­tu­gie­si­scher Regie­rungs­be­am­ter.

Die süd­lich von Tai­pa gele­ge­ne Insel Colo­ane wur­de von den Por­tu­gie­sen Fre­gue­sia de São Fran­cis­co de Xavier genannt. Die Cape­la de São Fran­cis­co Xavier im Ort Colo­ane an der West­küs­te der Insel beher­bergt Reli­qui­en von eini­gen der 26 Mär­ty­rer, die 1597 im japa­ni­schen Naga­sa­ki gekreu­zigt wur­den, und einen Kno­chen von einem Arm des Jesui­ten und Asi­en­mis­sio­nars Franz Xaver, der 1552 auf der Insel Shang­chu­an gestor­ben ist. Franz Xaver hat­te es nicht mehr bis auf das chi­ne­si­sche Fest­land geschafft. Sein Leich­nahm wur­de nach Goa in Indi­en über­führt.

Auch eini­ge Tem­pel gibt es im Ort Colo­ane zu sehen.

Die Haupt­er­werbs­quel­le Macaus ist heu­te das Glücks­spiel. Seit­dem 2002 das staat­li­che Glücks­spiel­mo­no­pol ende­te, bau­en aus­län­di­sche Inves­to­ren auf der Land­auf­schüt­tung Cotai zwi­schen den Inseln Tai­pa und Colo­ane den Las Vegas Strip nach. Auf dem Cotai Strip wur­de 2013 sechs­mal so viel Umsatz gemacht wie in Las Vegas.

Vor dem Ende des Glücks­spiel­mo­no­pols gab es Kasi­nos nur auf der Halb­in­sel Macau, dar­un­ter das in den 1960er Jah­ren gebau­te Casi­no Lis­boa, in dem sich auch west­li­che Restau­rants befin­den. Macau ist der ein­zi­ge Ort Chi­nas, in dem das Glücks­spiel legal ist.

Nach zwei Wochen in Macau bin ich nach Guang­zhou in Fest­land­chi­na gefah­ren. Der Stadt­teil Macaus, der an Fest­land­chi­na grenzt, heißt Nos­sa Senho­ra de Fáti­ma. Am Grenz­über­gang steht das his­to­ri­sche Stadt­tor Por­tas do Cer­co von 1870 mit der Inschrift »A pátria hon­rai, que a pátria vos con­tem­pla«. Der Grenz­über­gang befin­det sich heu­te aller­dings links neben dem Tor.


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