12.12.2025–16.12.2025
Auf Nagasaki wurde am 9. August 1945 die zweite Atombombe abgworfen. Ursprünglich war Kyoto für einen Atombombenabwurf vorgesehen, doch der damalige US-Kriegsminister und Japan-Freund Henry Stimson setzte sich dafür ein, dass die kulturell bedeutende Stadt verschont blieb. Der Abwurf erfolgte über einem dicht bewohnten Stadtviertel. Das eigentliche Ziel, der Mitsubishi-Rüstungskonzern, wurde verfehlt. An der Stelle des Bodennullpunkts befindet sich heute der »Hypocenter-Park«.

Im Park steht ein Teil der Ruine der katholischen Urakami-Kathedrale, die durch die Atombombenexplosion fast vollständig zerstört wurde. Der Ruinenteil ist allerdings in den Park verlegt worden; die Urakami-Kathedrale stand etwa 500 Meter entfernt. Dort wurde 1959 eine neue Urakami-Kathedrale gebaut.


Die Reste des Eingangsportals der alten Urakami-Kathedrale sind im Atombombenmuseum ausgestellt, das die Folgen des Atombombenabwurfs anhand von Ausstellungsstücken und Fotografien zeigt.

In der Nähe des Museums wurde zwischen 2000 und 2002 die moderne »National Peace Memorial Hall« errichtet. Im Untergeschoss symbolisieren zwölf Lichtsäulen die Hoffnung auf Frieden.


An der etwa zehn Meter hohen »Statue des Friedens« des Bildhauers Kitamura Seibo im Friedenspark verliest an jedem 9. August der Bürgermeister der Stadt Nagasaki die »Friedensdeklaration an die Welt«.

In Nagasaki fahren noch Straßenbahnen alten Stils, die auch für den Touristen nützlich sind.

Eine der Straßenbahnlinien führt direkt an Dejima vorbei, einer zwischen 1634 und 1636 aufgeschütteten künstlichen Insel, die während der Abschließung Japans die einzige Handelsverbindung nach Europa gewesen ist.

Zunächst lebten in Dejima portugiesische Kaufleute. Diese wurden jedoch nach dem Verbot des Christentums 1639 ausgewiesen Der Handel mit Europa erfolgte danach nur noch über die Niederländische Ostindien-Kompanie, da diese keine Missionierungsabsichten hatte. 1641 mussten die Niederländer ihren Handelsstützpunkt von Hirado nach Dejima verlegen. Die Insel war mit einer Mauer umgeben, und die Niederländer durften die Insel normalerweise nicht verlassen.

Durch die Atombombenexplosion 1945 wurde Dejima zerstört, aber bereits 1951 restauriert. Heute ist Dejima ein Freilichtmuseum, das man durch das Haupttor omotemon betritt. Dieses Tor war die einzige Verbindung Dejimas zur Stadt hin. Zum Be- und Entladen der Schiffe gab es ein weiteres Tor suimon zur See hin.

Viele der restaurierten Wohn- und Warenhäuser, die an einer längs durch Dejima verlaufenden Straße liegen, kann man auch von innen besichtigen.




Vor einigen Gebäuden sind Miniaturen aufgestellt, die das Leben auf Dejima zur Zeit der Niederländer darstellen.


Im »Nagasaki International Club« von 1903 befindet sich heute ein Restaurant. Es war allerdings geschlossen, als ich da war.

Das Holzgebäude des Protestantisches Seminars von 1878 wurde gerade renoviert und konnte nicht besichtigt werden.

Auch mit China trieb Japan nach der Abschließung weiter Handel. Das ehemalige chinesische Wohnviertel Tojin yashiki war ebenfalls streng bewacht, und nachts durften die Bewohner Tojin yashiki nicht verlassen. Tojin yashiki wurde 1689 gebaut; vorher durften sich chinesische Händler in Nagasaki frei bewegen.
Da die Atombombe nicht, wie in Hiroshima, direkt über dem historischen Zentrum der Stadt abgeworfen wurde, sind in Nagasaki noch einige ältere Bauwerke stehen geblieben. Daher gibt es heute in Tojin yashiki noch einige alte Tempel, die man in einem Rundgang durch das Viertel besichtigen kann. Der Tempel Dojin-do wurde allerdings 1950 abgerissen und 1977 neu errichtet.



Die nordwestlich von Tojin yashiki gelegene »Nagasaki Shinchi Chinatown« ist Japans älteste Chinatown. Während der Edo-Zeit befand sich hier ein Standort für Lagerhäuser.


Neben dem Südtor Chinatowns, gegenüber des Minato-Parks, befindet sich die Tsuriganedo-Apotheke und ein Foto aus der guten alten Zeit.


Viel los war in Chinatown nicht. Die meisten Restaurants waren abends bereits frühzeitig geschlossen. Die lokale Spezialität ist hier Champon, ein Gericht aus Nudeln, Schweinefleisch und Meeresfrüchten in einer Hühnerbrühe.

Wenn man in Nagasaki ein lebendigeres Chinatown erleben will, muss man wohl zum »Laternenfest von Nagasaki« kommen, das mehrere Wochen dauert und zur Zeit des chinesischen Neujahrsfests stattfindet.
Die Megane-bashi, auf Deutsch Brillen-Brücke, ist wieder etwas, das von allen unbedingt fotografiert werden muss. Bei richtigem Licht spiegelt sie sich im Wasser und sieht dann aus wie eine Brille.

Nach der Öffnung Japans zu Beginn der Meiji-Restauration wurde der Stadtteil Higashi-yamate zum Wohnviertel westlicher Ausländer. Heute kann man die restaurierten ehemaligen Wohnhäuser besichtigen.


Im Haus mit der Hausnummer 12 sieht man, wie sich die Ausländer damals in Nagasaki eingerichtet haben.


Der schottlische Kaufmann Thomas Blake Glover hat um seine prachtvolle Residenz herum einen ebenso prachtvollen Garten angelegt, den Glover Garden. Glover war mit rebellischen Samurai befreundet und unterstützte die Meiji-Restauration. Die Glover-Residenz stammt aus dem Jahr 1863 und ist das älteste erhaltene westliche Gebäude in Japan. Es liegt am Hang des Minami-yamate-Hügels.

Oben am Hang steht das Dockhaus Nr. 2 von Mitsubishi mit Blick auf den Hafen von Nagasaki. Es stammt aus dem Jahr 1898 und diente als Wohnheim für Schiffsbesatzungen.



Die ehemalige Residenz des Präsidenten des Nagasaki District Court steht ebenfalls im Glover Garden und stammt aus dem Jahr 1883.

Das Walker-Haus stand ursprünglich in der Nähe der Oura-Kirche und wurde 1974 in den Glover Garden verlegt.


In der ehemaligen Hongkong und Shanghai-Bank befindet sich heute ein Museum. Auf einem alten Foto vor dem Gebäude der Bank sieht man rechts daneben das Nagasaki-Hotel, das 1898 gebaut, aber bereits in den 1920er Jahren nach einer Insolvenz abgerissen wurde. Seinerzeit war es das größte Hotel in Nagasaki.


Die Stadt Nagasaki spielte eine bedeutende Rolle in der Geschichte des Christentums in Japan. Die spanischen Missionare konnten in der Gegend um Nagasaki in den ersten Jahrzehnten ihrer Mission große Erfolge verzeichnen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts stand die japanische Regierung dem Christentum jedoch zunehmend feindlich gegenüber. Im Jahr 1614 wurde die weitere Verbreitung des Christentums in Japan verboten, da das Tokugawa-Shogunat einen zu großen Einfluss europäischer Mächte auf Japan befürchtete und die christliche Missionierung als Einfallstor dafür ansah. Zunächst wurde das Christentum in Japan allerdings trotz des Verbots weiterhin geduldet, um den Handel mit Europa nicht zu gefährden. Erst nach dem Shimabara-Aufstand 1637–1638 setzte die Regierung ein vollständiges Verbot des Christentums durch.
Im Jahr 1597, also bereits vor dem Verbot des Christentums in Japan, wurden auf Befehl Toyotomi Hideyoshis, einem der Drei Reichseiniger, 26 Christen, die sogenannten »Märtyrer von Nagasaki«, in Nagasaki gekreuzigt. Die Oura-Kathedrale oder »Basilika der sechsundzwanzig heiligen Märtyrer Japans« ist diesen christlichen Märtyrern gewidmet. Sie wurde kurz nach dem Ende der Abschließung Japans für die in Nagasaki lebenden Ausländer gebaut, noch bevor das Christentum in Japan wieder offiziell erlaubt war. Eine erste Kirche wurde 1864 fertiggestellt; die heutige Kirche stammt aus dem Jahr 1879.


Nach dem Verbot lebte das Christentum in Japan im Untergrund weiter. Die sogenannten Kakure Kirishitan oder »verborgenen Christen« hielten ihren Glauben geheim. Am 17. März 1865, kurz nach der Fertigstellung der ersten Oura-Kirche und zu einer Zeit, in der das Christentum in Japan noch immer verboten war, suchte eine Gruppe dieser »verborgenen Christen« Zuflucht in der Kirche. In der Folgezeit kamen zehntausende weitere Christen aus dem Untergrund nach Nagasaki. In Europa wurde die Nachricht vom Überleben des Christentums in Japan mit Erstaunen aufgenommen, und Papst Pius IX. erklärte das Geschehen zum »Wunder des Orients«. Auf dem Nishizaka-Hügel, wo 1597 die 26 Märtyrer gekreuzigt wurden, wurden 1962 ein Denkmal, ein Museum und die Kirche St. Philip Nishizaka mit zwei etwas merkwürdig aussehenden Kirchentürmen errichtet.


Im Museum sind Zeugnisse des Christentums in Japan ausgestellt, z. B. ein Originalbrief von Franz Xaver an den portugiesischen König Johann III. aus dem Jahr 1546.

Um zu beweisen, das sie dem christlichen Glauben abgeschworen hatten, mussten ehemalige Christen einmal im Jahr in einer Zeremonie auf Tretbilder mit christlichen Figuren, sogenannten Fumie, herumtrampeln.

Ferner mussten sich ehemalige Christen bei einem buddhistischen Tempel registrieren. Um ihren Glauben zu verschleiern, stellten sie verkleidete christliche Kultobjekte dar, z. B. Marienstatuen, die der buddhistischen Göttin Kannon ähneln.

Im Laufe der Zeit entfernte sich das Christentum der Kakure Kirishitan vom Katholizismus und vermischte sich mit dem Buddhismus und dem Shintoismus. Heute werden mit Kakure Kirishitan solche Christen in Japan bezeichnet, die das Christentum weiterhin so praktizieren, wie sie es während der Zeit der Verfolgung taten. Ihre Zahl nimmt allerdings rapide ab.

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