Die Grenzen der Welt

Eine Welterkundung


Pagode des To-ji

Kyoto

11.11.2025–23.11.2025

In Kyo­to habe ich im Luxus-Kap­sel­ho­tel »The Mil­len­ni­als Kyo­to« über­nach­tet. Es gehört zur sel­ben Hotel­ket­te wie »The Mil­len­ni­als Shi­bu­ya« in Tokio, und abends gab es zwi­schen 17:30 Uhr und 18:30 Uhr wie­der die belieb­te und bereits aus Tokio bekann­te Frei­bier-Stun­de.

Kyo­to war von 794 bis 1868 unter dem Namen Hei­an-kyo der Sitz des Kai­ser­ho­fes. Die eigent­li­che Macht lag jedoch nicht mehr beim Kai­ser, son­dern beim Sho­gun, und nach­dem in der Mei­ji-Restau­ra­ti­on die kai­ser­li­che Herr­schaft wie­der­her­ge­stellt wor­den war, wur­de der Kai­ser­hof nach Tokio ver­legt. Weil Kyo­to von den Bom­bar­die­run­gen des Zwei­ten Welt­kriegs ver­schont blieb, sind vie­le älte­re Gebäu­de erhal­ten geblie­ben, so z. B. der ehe­ma­li­ge Kai­ser­pa­last. Für eine selbst­ge­führ­te Besich­ti­gung des Kai­ser­pa­lasts kann man sich die App »Impe­ri­al Palaces Gui­de« auf das Smart­phone laden.

Der kai­ser­li­che Thron befin­det sich im Haupt­ge­bäu­de Shis­hin­den, wo auch die ers­ten Kai­ser nach der Mei­ji-Restau­ra­ti­on inthro­ni­siert wur­den. Das Gebäu­de wur­de meh­re­re Male durch Feu­er zer­stört; das heu­ti­ge Gebäu­de stammt von 1855.

Der Seiryo­den war ursprüng­lich die Resi­denz des Kai­ser, wur­de nach 1590 aber nur noch für Zere­mo­nien und Ritua­le ver­wen­det.

Im Gericht­saal Kogos­ho wur­de zu Beginn der Mei­ji-Restau­ra­ti­on der Befehl zur Wie­der­her­stel­lung der kai­ser­li­chen Herr­schaft gege­ben.

Nach der Ver­le­gung der Haupt­stadt nach Tokio wur­de um den Kai­ser­pa­last her­um der Kyo­to Gyoen-Park ange­legt. Er umfasst meh­re­re Teil­gär­ten, z. B. den Wan­del­gar­ten Oikeni­wa und den kai­ser­li­chen Pri­vat­gar­ten Gonai­tei.

Das Gei­sha-Vier­tel in Kyo­to ist das Gion-Vier­tel mit der Haupt­stra­ße Hana­mi-koji Dori. Hier fin­det man neben vie­len tra­di­tio­nel­len japa­ni­schen Holz­häu­sern, genannt Machi­ya, auch zahl­rei­che Ocha­ya-Tee­häu­ser, in denen Gei­kos und Mai­kos für abend­li­che Unter­hal­tung sor­gen. Zutritt zu die­sen exklu­si­ven Tee­häu­sern haben nur Stamm­gäs­te.

Sei­nen eigent­li­chen Reiz ent­fal­tet das Gion-Vier­tel erst am Abend.

Auch der Shin­to-Schrein Yasui Kon­pi­ra-gu im Gion-Vier­tel ist abends beson­ders sehens­wert.

Am öst­li­chen Ende des Gion-Vier­tels befin­det sich der Yasa­ka-Schrein. Er wur­de 656 erbaut.

Am süd­li­chen Ende des Gion-Vier­tels befin­det sich der Ken­nin-ji, der Haupt­tem­pel der Rin­zai-Schu­le des Zen-Bud­dhis­mus. Er wur­de im frü­hen 13. Jahr­hun­dert unter dem Mönch Esai gebaut, der die Rin­zai-Schu­le aus Chi­na nach Japan gebracht hat­te.

Der Ken­nin-ji hat einen typi­schen Zen-Gar­ten, in dem man medi­tie­ren kann, wäh­rend man auf Stei­ne blickt.

Zen­tra­ler Aspekt im Zen-Bud­dhis­mus ist die Erfah­rung des gegen­wär­ti­gen Augen­blicks in der Medi­ta­ti­on und die Erkennt­nis, dass das »Ich« nur eine Illu­si­on ist. Sogar dis­kur­si­ves Den­ken gilt als eine Stö­rung, die in der Medi­ta­ti­on zu elmi­nie­ren ist. Mir drängt sich hier ein Ver­gleich mit der modi­schen Acht­sam­keits-Bewe­gung auf. Das Ziel der Zen-Medi­ta­ti­on ist Sato­ri, das Erle­ben uni­ver­sel­ler Ein­heit und die Auf­he­bung des Sub­jekt-Objekt-Gegen­sat­zes. In der Rin­zai-Schu­le wird Sato­ri als eine Erfah­rung beschrie­ben, die sich nach jah­re­lan­ger Übung plötz­lich ein­stellt.

In der Abt­re­si­denz des Tem­pels kann man eine Replik des Wand­schirms »Wind- und Don­ner­gott« des japa­ni­schen Künst­lers Tawa­ra­ya Sotatsu aus dem 17. Jahr­hun­dert bewun­dern.

Außer­dem gibt es Zeich­nun­gen von Kai­ho Yus­ho aus dem 16. Jahr­hun­dert. Alle Ori­gi­na­le befin­det sich im Natio­nal­mu­se­um Kyo­to.

Süd­öst­lich vom Gion-Vier­tel, im Stadt­teil Higas­hi­ya­ma-ku, füh­ren die bei­den his­to­ri­schen Stra­ßen San­nen-zaka und Ninen-zaka zum Welt­kul­tur­er­be Kiyo­mi­zu-dera. In den Stra­ßen kann man neben tra­di­tio­nel­len japa­ni­schen Häu­sern auch Unmen­gen von Tou­ris­ten sehen.

Der bud­dhis­ti­sche Tem­pel­kom­ple­xes Kiyo­mi­zu-dera geht auf das Jahr 778 zurück; die heu­ti­gen Gebäu­de stam­men aller­dings aus dem Jahr 1633.

Die Haupt­hal­le Hon­do liegt an einem Abhang und erstrahlt im Novem­ber neben den Herbst­far­ben der Blät­ter.

West­lich des Gion-Vier­tels, auf der ande­ren Sei­te des Kamo-Flus­ses, kann man auf dem über­dach­ten Nishi­ki-Markt die loka­len Spe­zia­li­tä­ten Kyo­tos pro­bie­ren.

Am Ende des Markts stößt man auf den Nishi­ki-Ten­man­gu-Schrein.

Nicht weit ent­fernt davon befin­det sich der Sei­gan-ji, ein klei­ner bud­dhis­ti­scher Tem­pel.

Ein belieb­tes Foto­mo­tiv, ins­be­son­de­re am Abend, ist die fünf­stö­cki­ge Pago­de des To-ji-Tem­pels. Der Tem­pel wur­de 1586 durch ein Erd­be­ben schwer beschä­digt; die Pago­de wur­de 1643 wie­der auf­ge­baut.

Am 7. Juli 2007 fand auf dem Gelän­de des Tem­pels ein Bene­fiz­kon­zert der Kon­zert­rei­he »Live Earth« statt. Die Kon­zert­rei­he soll­te auf die glo­ba­le Erwär­mung auf­merk­sam machen. Laut Spie­gel ver­ur­sach­ten die Kon­zer­te 60000 bis 110000 Ton­nen zusätz­li­che CO2-Emis­sio­nen.

Der Fus­hi­mi Ina­ri-Tai­sha ist der ältes­te Ina­ri-Schrein in Japan. Er ist dem Gott Ina­ri gewid­met und wird täg­lich von zehn­tau­sen­den von Tou­ris­ten besucht, die durch die Gän­ge aus oran­ge­far­be­nen Torii strö­men.

Die mehr als 10000 Torii sind Spen­den von Pri­vat­per­so­nen und Fir­men. Die Torii-Gän­ge füh­ren auf den 233 Meter hohen Ina­ri-Berg. Je höher man kommt, des­to weni­ger ande­re Tou­ris­ten sind noch da.

Im Stadt­teil Aras­hi­ya­ma im Wes­ten Kyo­tos befin­det sich der Tem­pel Ten­ryu-ji, einer der fünf gro­ßen Tem­pel der Rin­zai-Schu­le des Zen-Bud­dhis­mus.

Etwas süd­lich des Ten­ryu-ji befin­det sich der Hogon-in, ein Unter­tem­pel des Ten­ryu-ji. Er ist haupt­säch­lich wegen sei­nes Gar­tens bekannt, der im Herbst beson­ders schön ist. In einem Tee­haus kann man Matcha trin­ken.

Eben­falls im Stadt­teil Aras­hi­ya­ma und nicht weit von den Zen-Tem­peln ent­fernt befin­det sich der Saga­no-Bam­bus­wald. Bei rich­ti­gem Licht sieht er offen­bar ziem­lich ein­drucks­voll aus, wie man auf dem Bild in die­sem GEO-Arti­kel sehen kann. Wenn die Son­ne nicht scheint, beein­druckt er aller­dings weni­ger.

Tra­di­tio­nel­le japa­ni­sche Machi­ya-Holz­häu­ser kann man in der Stra­ße Saga Tori­imo­to, etwa zwei Kilo­me­ter nörd­lich des Ten­ryu-ji, sehen.

Am Ende der Saga Tori­imo­to befin­det sich der Tem­pel Ada­shi­no Nen­butsu-ji. Er wur­de ver­mut­lich im Jahr 811 von Kukai, dem Begrün­der der Shin­gon-Schu­le des Bud­dhis­mus, gegrün­det. Die etwa 8000 Bud­dha-Figu­ren, die sich auf dem Tem­pel­ge­län­de befin­den, waren frü­her in der Gegend ver­streut und wur­den 1903 ein­ge­sam­melt.

Der gol­de­ne Pavil­lon-Tem­pel Kin­ka­ku-ji im Nord­wes­ten Kyo­tos ist eine wei­te­re Attrak­ti­on, wo es von Tou­ris­ten nur so wim­melt. Der 1397 vom Sho­gun Ashi­ka­ga Yosh­imit­su erbau­te Pavil­lon dien­te als Reli­qui­en­hal­le und ist voll­stän­dig mit Blatt­gold über­zo­gen. Bei ent­spre­chen­dem Wet­ter spie­gelt er sich im Kyo­kochi-Teich. Der Pavil­lon ist aller­dings eine Rekon­struk­ti­on aus dem Jahr 1955. Der ori­gi­na­le Pavil­lon fiel 1950 der Brand­stif­tung eines bud­dhis­ti­schen Mönchs zum Opfer, der die Schön­heit des Pavil­lons nicht ertra­gen konn­te.

Kin­ka­ku ist auch der Name einer Süßig­keit, die aus Raku­gan, einer Mischung aus Zucker und Stär­ke, gefüllt mit Adzu­ki­boh­nen aus Hok­kai­do, besteht, und die es aus­schließ­lich in den Tee­ze­re­mo­nie-Räu­men des Kin­ka­ku-ji gibt. In einem Tee­haus im Gar­ten des Tem­pels wird Kin­ka­ku zusam­men mit Matcha ser­viert.

Nicht weit vom Kin­ka­ku-ji ent­fernt befin­det sich der Ryo­an-ji. Er beher­bergt den berühm­tes­ten Zen-Stein­gar­ten Japans, den Hojo Tei­en. Der Gar­ten stammt ursprüng­lich aus dem 15. Jahr­hun­dert und besteht aus fünf­zehn schein­bar zufäl­lig ange­ord­ne­ten Stei­nen in fünf Grup­pen. Der­ar­ti­ge Gär­ten wer­den als Kare-san-sui bezeich­net. In den die Stei­ne umge­ben­den Kies sind mit einem Holz­re­chen wel­len­för­mi­ge Lini­en gezo­gen. Aus kei­nem Blick­win­kel sind sämt­li­che Stei­ne des Gar­tens sicht­bar. Der Zen-Gar­ten wur­de nach dem Prin­zip des schwer zu über­set­zen­den Wabi-Sabi ange­legt. Sowohl das Rechen des Gar­tens als auch das Betrach­ten der Stei­ne ist im Zen-Bud­dhis­mus Medi­ta­ti­on.

Neben dem Tem­pel­ge­län­de befin­det sich das Restau­rant Sai­gen-in, in dem man den Tofu-Ein­topf Yu-dofu essen kann. Er wird zusam­men mit Reis, Gemü­se und Tee ser­viert.

Auch einen sil­ber­nen Pavil­lon gibt es in Kyo­to, den Kan­non-den. Er befin­det sich im Nord­os­ten Kyo­tos und ist Teil des Zen-Tem­pels Gin­ka­ku-ji, der eben­falls zur Rin­zai-Schu­le gehört und aus dem 15. Jahr­hun­dert stammt.

Vom Gin­ka­ku-ji aus kann man auf dem zwei Kilo­me­ter lan­gen »Phi­lo­so­phen­weg« Tetsu­g­a­ku no Michi ent­lang des Biwa­see-Kanals bis zum Nan­zen-ji gehen.

Unter­wegs kommt man an meh­re­ren Tem­peln und Schrei­nen vor­bei. Im Herbst ist ins­be­son­de­re der Zen­rin-ji mit sei­nem Gar­ten sehens­wert. Einen Zen-Stein­gar­ten gibt es im Tem­pel natür­lich auch. Der voll­stän­di­ge Name des Tem­pels ist Eikan-do Zen­rin-ji. Ursprüng­lich gehör­te er zur Shin­gon-Schu­le, ist spä­ter jedoch zur Jodo-Schu­le über­ge­tre­ten.

Der Nan­zen-ji am süd­li­chen Ende des Phi­lo­so­phen­wegs gehört wie­der zur Rin­zai-Schu­le des Bud­dhis­mus. Zur Haupt­hal­le Hat­to gelangt man durch das höl­zer­ne San-mon-Tor, auf das man auch hin­auf­stei­gen kann.

Medi­tie­ren kann man auch hier mit Blick auf den Zen-Stein­gar­ten.

Auf dem Weg vom San-mon zum Hat­to liegt auf der rech­ten Sei­te der Sui­ro­ka­kuAquä­dukt, der aus der Mei­ji-Zeit stammt und frü­her der Was­ser­ver­sor­gung Kyo­tos dien­te.

Ein neue­rer Schrein Kyo­tos, der Hei­an-jin­gu, stammt aus dem Jahr 1895. Man betritt ihn durch das Haupt­tor Oten-mon.

Die Haupt­hal­le Dai­go­ku-den wur­de gera­de reno­viert.

Bekannt ist der Hei­an-jin­gu weni­ger wegen sei­ner Gebäu­de, son­dern wegen des angren­zen­den Göt­ter-Gar­tens, der wie­der ins­be­son­de­re im Herbst sehens­wert ist.

Im öst­li­chen Teil des Gar­tens führt die höl­zer­ne über­dach­te Brü­cke Tai­hei-kaku über den Sei­ho-ike-Teich.

Die Burg Nijo wur­de 1601 von Toku­ga­wa Iey­asu, dem ers­ten Sho­gun der Toku­ga­wa-Dynas­tie, gebaut und dien­te als Resi­denz der ande­ren Sho­gu­ne wäh­rend ihres Auf­ent­halts in Kyo­to. Seit 2011 wird die Burg restau­riert; die Restau­rie­rungs­ar­bei­ten sol­len noch bis 2034 fort­ge­setzt wer­den. Die Burg ist von einem recht­ecki­gen Was­ser­gra­ben und von Stein­mau­ern mit meh­re­ren Wach­tür­men umge­ben. Der bekann­tes­te ist der süd­öst­li­che Wach­turm Ton­an Sumi-yagu­ra.

Das Inne­re der Burg­an­la­ge betritt man durch das Kara-mon-Tor. Dahin­ter befin­det sich, umge­ben von einem Gar­ten, der Palast Nino­ma­ru-goten.

Die Wand­ge­mäl­de im Inne­ren des Palasts durf­ten lei­der nicht foto­gra­fiert wer­den. Die Gemäl­de einer Gal­le­rie, die sich auf dem Burg­ge­län­de befin­det, durf­ten dage­gen foto­gra­fiert wer­den.

Im west­li­chen Teil des Nino­ma­ru-Gar­tens gibt es einen Bereich, der durch einen inne­ren recht­ecki­gen Was­ser­gra­ben abge­trennt ist. In die­sem Bereich befin­det sich ein wei­te­rer Palast, der Hon­ma­ru-goten. Den kann man aller­dings nur mit einer vor­he­ri­gen Reser­vie­rung besich­ti­gen.


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