05.11.2025–09.11.2025
Während der Nara-Zeit im 8. Jahrhundert war Nara, das damals Heijo-kyo hieß, die Hauptstadt Japans. Zu dieser Zeit kamen viele Einflüsse aus dem China der Tang-Zeit nach Japan, z. B. die chinesische Schrift. Der Buddhismus, der bereits im 6. Jahrhundert aus China über Korea nach Japan gekommen war, breitete sich weiter aus. Die Mitglieder der Kaiserfamilie waren Anhänger des Buddhismus, und in Heijo-kyo wurden zahlreiche buddhistische Tempel gebaut, die heute zum UNESCO-Kulturerbe gehören. Die Kunstschätze, die sich im Inneren der Tempel befinden, durften leider nicht fotografiert werden.
In Nara habe ich nicht in einem Kapselhotel, sondern in einem »richtigen« Hotel übernachtet, im »Super Hotel« direkt neben dem Bahnhof. Morgens gab es ein umfangreiches japanisches Frühstücksbuffet. Zum den Tempeln im Nara-Park konnte man zu Fuß gehen. Am östlichen Eingang des Nara-Parks steht die zum Kofuku-ji-Tempel gehörende achteckige Halle Nanendo.

Der Kofuku-ji ist einer der drei Haupttempel der buddhistischen Hosso-Schule, die lehrt, dass alle Phämomene der Welt nur im Geist existieren und von diesem erzeugt werden. Von den drei »Goldenen Hallen« des Kofuku-ji stehen nur noch zwei; beide sind Rekonstruktionen der ursprünglich aus dem 8. Jahrhundert stammenden Gebäude, die zwischenzeitlich mehrfach zerstört und wiederaufgebauten wurden. Die »Östliche Goldene Halle« To-kondo ist eine Rekonstruktion von 1415, und die »Zentrale Goldene Halle« Chu-kondo wurde zwischen 2010 und 2018 vollständig neu errichtet. In beiden Hallen befinden sich wertvolle buddhistische Statuen und andere Kunstschätze.


Die große fünfstöckige Pagode Goju-no-to wurde gerade restauriert; das Restaurierungsprojekt läuft noch bis Ende März 2034.

Auf dem Weg vom Konfuku-ji zum Nandai-mon, dem Eingangstor des Todai-ji-Tempels, begegnet man den heiligen Rehen von Nara. Es sind Sikahirsche, die an die vielen Touristen gewöhnt sind. Man kann sie mit speziellen Keksen, die man hier kaufen kann, füttern. Den Rehen wurde antrainiert, sich vorher in japanischer Manier anständig zu verbeugen. Im Shinto gelten Rehe als Boten der Götter. Früher war es bei Todesstrafe verboten, sie zu töten.



In der Haupthalle Daibutsu-den des Todai-ji befindet sich eine übergroße Statue des kosmischer Buddhas Vairocana. Der Todai-ji ist der einzige Tempel in Nara, in dessen Inneren auch fotografiert werden darf.


Auch das Anfertigen des Goshuin durfte im Todai-ji fotografiert werden. Goshuin sind kalligraphisch kommentierte Siegelstempelabdrucke, die in buddhistischen Tempeln und in Shinto-Schreinen angefertigt werden und von Pilgern in besonderen Goshuin-Büchern gesammelt werden können. Ein Goshuin kostet in der Regel 500 Yen, das sind etwa 2,80 Euro. Häufig steht man dafür Schlange, und vor Kurzem sind die Preise wegen der hohen Nachfrage angehoben worden. Ich besitze bereits seit Beginn meines Japan-Aufenthalts zwei Goshuin-Bücher, eins für buddhistische und eins für Shinto-Goshuin. An einigen Tempel oder Schreinen bekommt man allerdings nur ein bereits vorgefertigtes Goshuin auf Papier, das man dann in sein Buch einkleben kann.

Nachtrag vom 24.12.2025: Am Ende meines Japan-Aufenthalts habe ich 32 buddhistische und 13 Shinto-Goshuin gesammelt. Das buddhistische Goshuin-Buch ist zu drei Vierteln, das Shinto-Buch jedoch erst zu einem Drittel voll.
Das Hokke-do wurde vermutlich zwischen 740 und 759 gebaut und ist somit das älteste erhaltene Gebäude des Todai-ji. Die Heiligenfiguren im Inneren durften jedoch nicht fotografiert werden.

Im Mai 1994 fand im Todai-ji das Konzert »The Great Music Experience« statt, ein von der UNESCO gefördertes Konzert mit internationalen und japanischen Musikern. Hier kann man eine Aufnahme des Konzerts auf YouTube sehen.
Auch Shinto-Schreine gibt es im Nara-Park, z. B. der 2016 restaurierte Kasuga-Taisha. Im Laufe der Zeit verschmolzen in Japan Shinto und Buddhismus zu einem Synkretismus, dem Shinbutsu-Shugo, und der Kasuga-Taisha war lange Zeit mit dem buddhistischen Kofuku-ji fusioniert. Bekannt ist der Kasuga-Taisha für seine 3000 Laternen, die allerdings nur zweimal im Jahr, im Februar und im August zur »Zeremonie der beleuchteten Laternen«, angezündet werden.



Außerhalb des Nara-Parks befinden sich weitere bedeutende Tempel, die man vom Zentrum Naras aus leicht mit einem Bus erreichen kann. Der Toshodai-ji ist der Haupttempel der Ritsu-Schule, einer buddhistischen Schule mit strengen moralischen Regeln für die Ordensgemeinschaft. In der Haupthalle Kondo des Tempels befinden die Statue eines kosmischen Buddhas und eine tausendarmige Kannon, die allerdings nur 953 Arme hat.


Die Lehrhalle Kodo war ursprüngliche ein Verwaltungsgebäude des Kaiserpalasts und ist später nach Toshodai-ji verlegt worden. Es ist das einzige erhaltene Gebäude des Kaiserpalasts.

In der Nähe des Toshodai-ji befindet sich ein weiterer Haupttempel der buddhistischen Hosso-Schule, der Yakushi-ji. In ihm wird der Medizin-Buddha Yakushi Nyorai verehrt, der von allen möglichen Krankheiten heilen kann. Alle Gebäude des Tempels außer der östlichen Pagode To-to und der östlichen Halle Toindo sind Rekonstruktionen aus neuerer Zeit; die originalen Gebäude sind 1528 bei einem Feuer zerstört worden. Dabei konnten drei wertvollen Buddha-Figuren gerettet werden. Sie waren ursprünglich vergoldet und haben mit der Zeit eine schwarze Patina bekommen. Heute stehen sie in der Haupthalle Kondo des Tempels.


Vom ehemaligen Kaiserpalast ist nichts übriggeblieben; er fiel bereits 1227 einem Feuer zum Opfer. In neuerer Zeit werden einige der Gebäude des Palasts rekonstruiert, so z. B das Haupttor Suzako-mon, dessen Rekonstruktion 1998 abgeschlossen wurde.

Auf dem langen Weg vom Suzako-mon zur kaiserlichen Audienzhalle bin ich an einer Baustelle vorbeigekommen, auf der gerade ein weiteres Gebäude des Kaiserpalasts rekonstuiert wurde.


Die Rekonstruktion der kaiserlichen Audienzhalle Daiichiji Daigokuden wurde 2010 abgeschlossen. Man weiß allerdings nicht, wie die Halle ursprünglich ausgesehen hat. Der Neubau erfolgte daher nach dem Muster anderer Gebäude aus derselben Zeit. Es wird vermutet, dass sich in der Audienzhalle auch ein Kaiserthron befand. Da man auch davon nichs genaues weiß, hat man einfach einen Phantasiethron hereingestellt.


Auf dem Palastgelände befinden sich ehemalige Ausgrabungsstellen. Die Ausgrabungen sind allerdings bereits abgeschlossen, und man sieht nicht mehr viel. Über die Ausgrabungsarbeiten und Rekonstruktionen informiert ein Ausstellungsgebäude. Auch ein kleines Museum gibt es auf dem Palastgelände.

Weitere bedeutende buddhistische Tempel, die ebenfalls zum UNESCO-Kulturerbe gehören, befinden sich in der einige Kilometer entfernten Stadt Ikaruga, die man von Nara aus leicht mit einem Bus erreicht. Auf dem Gelände des Horyu-ji befinden sich die ältesten erhaltenen Holzhäuser der Welt, darunter die fünfstöckige Pagode. Die Kunstschätze, die sich vor allem in der Haupthalle Kondo und in der 1998 fertiggestellten »Galerie der Tempelschätze« befinden, durften leider wieder einmal nicht fotografiert werden.


Im achteckigen Pavillon Yumedono des Tempels, der Prinz Shotoku, dem Gründer des Tempels, gewidmet ist, steht eine 179 cm große Guze Kannon-Statue. Die gut erhaltene vergoldete Holzstatue stammt aus dem 7. Jahrhundert und stellt den Prinzen Shotoku dar.

Im nahegelegenen Chugu-ji-Tempel steht eine 1400 Jahre alte Statue des sitzenden Bodhisatva Maitreya und die Replik eines Mandalas, des Tenjukoku-Mandalas, das aus dem Jahr 622 stammt. Der japanische Name des Bodhisatva Maitreya ist Miroku. Er ist der Buddha der Zukunft, dessen zukünftiges Erscheinen auf Erden von Buddhisten erwartet wird. In einigen Quellen heißt es allerdings, das Miroku erst dann kommen wird, wenn die Menschen wieder achtzigtausend Jahre alt werden, und das ist wird wohl erst in sehr weit entfernter Zukunft der Fall sein.

Die dreistöckige Pagode des etwa einen Kilometer nördlich gelegenen Horin-ji ist eine Rekonstruktion aus dem Jahr 1975. Die Pagode brannte 1944 nach einem Blitzeinschlag vollständig ab, da der Blitzableiter für eine Metallsammlung für den Pazifikkrieg entfernt worden war.


Ein paar Hundert Meter östlich befindet sich der Tempel Hoki-ji. Dessen dreistöckige Pagode ist die älteste erhaltene Pagode Japans. Im Zuge von Restaurierungsarbeiten wurde sie zwischen 1972 und 1975 vollständig zerlegt und wiederaufgebaut. In einem 1982 gebauten Schatzhaus steht eine elfgesichtige Statue des Bodhisatva Avalokiteshvara.





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