Die Grenzen der Welt

Eine Welterkundung


Glico Man

Osaka

31.10.2025–05.11.2025

Osa­ka ist nach Tokio und Yoko­ha­ma die dritt­größ­te Stadt Japans. Über­nach­tet habe ich dies­mal in einem »rich­ti­gen« Kap­sel­ho­tel, dem Acro Cap­su­le Hotel Nam­ba Doton­bo­ri. Die Kap­seln befan­den sich alle in einem gro­ßen Raum, jeweils zwei über­ein­an­der­lie­gend. Ich habe lei­der nur die obe­re Kap­sel bekom­men; die unte­ren waren bereits aus­ge­bucht. Eigent­lich ist eine der­ar­ti­ge Kap­sel nichts ande­res als das, was in bes­sen Hos­tels »Pod« heißt.

In Osa­ka habe ich mal wie­der an einer »Free Wal­king Tour« teil­ge­nom­men. Die Tour begann im Stadt­teil Doton­bo­ri in der Nähe mei­nes Kap­sel­ho­tels. Doton­bo­ri liegt am gleich­na­mi­gen Kanal und war bereits zur Zeit des Toku­ga­wa-Shog­u­nats ein Ver­gü­gungs­vier­tel. Uns wur­de erklärt, wer der »Gli­co Man« ist, näm­lich die Wer­be­fi­gur des Süß­wa­ren­her­stel­lers Eza­ki Gli­co und ein Sym­bol für die Stadt Osa­ka, das natür­lich wie­der von allen foto­gra­fiert wer­den muss­te.

Dann ging es wei­ter zum über­dach­ten Kur­o­mon-Markt im Stadt­teil Nam­ba.

In Osa­ka dreht sich alles ums Essen, und der Kur­o­mon-Markt ist der Markt für den Gour­mand. Es gibt es zahl­rei­che Stän­de, an denen man die Spe­zia­li­tä­ten von Osa­ka pro­bie­ren kann.

Auch Kugel­fisch gibt es. Ich habe spä­ter an einem Eck­stand im Kur­o­mon-Markt Kugel­fisch pro­biert. Es war eine sehr klei­ne Por­ti­on und schmeck­te nach nichts. Der zube­rei­te­te Kugel­fisch heißt auf Japa­nisch Fugu.

Vom Kugel­fisch bin ich nicht satt gewor­den. Des­halb habe ich danach noch ein Oko­no­mi­ya­ki geges­sen. Oko­no­mi­ya­ki ist eine Art Pfann­ku­chen; das Wort oko­no­mi bedeu­tet »belie­big«. Der Oko­no­mi­ya­ki-Pfann­ku­chen kann mit Belie­bi­gem belegt wer­den, meis­tens mit Fleisch, Fisch oder Gemü­se. Er ist offen­bar eine Art Res­te­ver­wer­ter. Im Kur­o­mon-Markt habe ich ein Oko­no­mi­ya­ki mit Wagyu-Fleisch geges­sen; wagyu ist das japa­ni­sche Wort für »Rind«, genau genom­men für eine japa­ni­sche Rin­der­sor­te. Mir hat das Oko­no­mi­ya­ki aller­dings nicht beson­ders geschmeckt.

Am spä­ten Nach­mit­tag ende­te die »Free Wal­king Tour« im Stadt­teil Shin­se­kai, einem Sze­ne-Vier­tel mit skur­ril aus­se­hen­den Restau­rants und Geschäf­ten.

In Shin­se­kai befin­det sich auch der Tsu­ten­ka­ku, ein 103 Meter hoher Turm mit einer Aus­sichts­platt­form und ein wei­te­res Wahr­zei­chen Osakas. Vor­bild war der Pari­ser Eif­fel­turm, auch wenn man es nicht unbe­dingt sieht.

Eine Spe­zia­li­tät in Shin­se­kai ist Kushi­katsu, und in Shin­se­kai befin­det sich auch die Haupt­fi­lia­le von Kushi­katsu Dar­u­ma, einer belieb­ten Kushi­katsu-Restau­rant-Ket­te. Ich habe mein Kushi­katsu aller­dings in einer ande­ren Filia­le in Doton­bo­ri geges­sen. Mar­kant ist der grim­mig schau­en­de Koch vor der Filia­le. Abends steht man hier Schlan­ge für ein paar panier­te und frit­tier­te Fleisch­spie­ße. Wich­tig beim Essen ist das Ein­hal­ten der »Dou­ble Dip­ping Rule«. Ein Fleisch­spieß darf nur ein ein­zi­ges Mal in die Soße getaucht wer­den. Ihren Ursprung hat die­se Regel in Grün­den der Hygie­ne für den Fall, dass meh­re­re Per­so­nen an einem Tisch ihre Spie­ße in den­sel­ben Behäl­ter mit Soße ein­tau­chen. Ich habe mich an die Regel gehal­ten, obwohl ich allein am Tisch war. Geschmeckt hat mir das Kushi­katsu trotz­dem nicht.

Wei­te­re Spe­zia­li­tä­ten Osakas gibt es auf dem Nishi­ki-Markt im Zen­trum Osakas. Ich habe hier gegrill­ten Aal mit Ei geges­sen.

In der Rikuro-Bäcke­rei gibt es einen beson­ders »fluf­fi­gen« Käse­ku­chen. Auch hier ste­hen immer lan­ge Schlan­gen vor dem Geschäft. Man kann nur gan­ze Käse­ku­chen kau­fen, aber zum Glück gab es im Kap­sel­ho­tel einen Kühl­schrank.

Unbe­dingt pro­bie­ren muss­te ich zum Schluss dann auch noch Tako­ya­ki, klei­ne Teig­ku­geln mit einem Stück­chen von einem Okto­pus­arm drin. In der Nähe des Kap­sel­ho­tels gab es einen belieb­ten Tako­ya­ki-Stand, eben­falls mit einer lan­gen Schlan­ge davor. Man bekommt acht Tako­ya­ki in einer Papp­schach­tel. Sie haben grau­en­voll geschmeckt.

Zusam­men­fas­send kann ich sagen, dass mir die ange­prie­se­nen Spe­zia­li­tä­ten Osakas über­haupt nicht zuge­sagt haben. Das Essen der ein­fa­chen Restau­rants in den Restau­rant-Stock­wer­ken der Kauf­häu­ser hat mir viel bes­ser geschmeckt.

Ande­re merk­wür­di­ge Din­ge aus Doton­bo­ri sind der trom­meln­de Kui­dao­re Taro vor dem Cui-dao­ré-Restau­rant und die zahl­rei­chen Ani­me-Stores.

Im GiGO Store ver­sucht man, Figu­ren mit Hil­fe eines Krans in ein Loch zu hie­ven. Wenn man es schafft, kann man die Figur mit nach Hau­se neh­men. Ich habe aller­dings nie­man­den gese­hen, der es geschafft hat.

Es gibt aber auch nor­ma­le Din­ge in Osa­ka zu besich­ti­gen. Die Burg Osa­ka wur­de 1583 von Toyo­to­mi Hidey­o­shi, einem der »Drei Reichs­ei­ni­ger«, errich­tet, nach­dem er die bud­dhis­tit­schen Ikko-ikki besiegt hat­te, Anhän­ger der bud­dhis­ti­schen Jodo Shinshu-Schu­le. Die Burg spiel­te eine ent­schei­den­de Rol­le bei der Eini­gung Japans. Wäh­rend des Som­mer­kriegs von 1615 wur­de sie vom spä­te­ren ers­ten Sho­gun des Toku­ga­wa-Shog­u­nats Toku­ga­wa Iey­asu ein­ge­nom­men und zer­stört. Nach­dem sie dann noch mehr­mals zer­stört und wie­der­auf­ge­baut wor­den ist, wur­de sie im 20. Jahr­hun­derts restau­riert. Der Haupt­turm Tens­hu besteht heu­te im Inne­ren aus Beton und hat einen Auf­zug.

Im Haupt­turm befin­det sich ein Muse­um. U. a. kann man dort eine Minia­tur des Som­mer­kriegs von 1615 sehen.

Umge­ben ist die Burg ist von einem Burg­gra­ben und den cha­rak­te­ris­ti­schen Burg­mau­ern.

Am Saku­ra­mon-masu­ga­ta-Platz gleich hin­ter dem Saku­ra­mon-Tor befin­det sich der größ­te Stein der Burg­mau­er, genannt Takoi­shi, der wie­der von allen foto­gra­fiert wird.

Der an die Burg gren­zen­de Nishi­no­ma­ru-Gar­ten war bereits für das kom­men­de Jahr vor­be­rei­tet.

Der bud­dhis­ti­sche Tem­pel Shi­ten­no-ji stammt ursprüng­lich aus dem Jahr 593, wur­de aber im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört und 1960 aus Beton neu auf­ge­baut. Er ist einer der ältes­ten bud­dhis­ti­schen Tem­pel Japans.

Der Shin­to-Schrein Sumi­yo­shi-Tai­sha stammt aus dem drit­ten Jahr­hun­dert und ist der Haupt­schrein der Sum­yo­shi-Schrei­ne.

Es war gera­de Fei­er­tag, der Tag der Kul­tur, und der Schrein wur­de von vie­len Fami­li­en besucht.

Das High­light ist die zum Schrein füh­ren­de Taiko-Brü­cke, die sich im Was­ser spie­gelt und dann aus­se­hen soll, wie eine Trom­mel, auf Japa­nisch taiko. Sie wur­de mehr­mals zer­stört und wie­der­auf­ge­baut, das letz­te Mal 1981.

Auch sku­r­il­le Tem­pel und Schrei­ne gibt es in Osa­ka. Etwas ver­steckt in der Hozen­ji Yokocho, einer engen Gas­se im Stadt­teil Doton­bo­ri, befin­det sich der bud­dhis­ti­sche Tem­pel Hozen-ji. Er wur­de im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört und in den 1960er Jah­ren teil­wei­se wie­der­auf­ge­baut. Im Inne­ren befin­det sich eine mit Moos bedeck­te Sta­tue der Gott­heit Fudo Myoo.

Im Nam­ba Yasa­ka-Schrein gibt es einen stei­ner­nen Löwen­kopf Shis­hi­den, in des­sen Maul sich eine Büh­ne befin­det. Der Schrein wur­de eben­falls im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört und 1974 wie­der­auf­ge­baut.


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