26.10.2025–31.10.2025
Die Stadt Kanazawa liegt an der Küste zum Japanischen Meer, etwas mehr als 400 km von Tokio entfernt. Der Shinkansen benötigt dafür drei Stunden. Übernachtet habe ich in Kanazawa in einer Art Business-Kapsel-Hotel. Es war recht preiswert, und die Kapseln waren fast wie kleine Zimmer ohne Bad. Das Hotel hatte auch ein eigenes Onsen, ein heißes Thermalbad. Menschen mit Tätowierungen durften nicht ins Onsen.
Gegenüber dem hektischen Tokio ging es in Kanazawa wesentlich ruhiger zu. Die Stadt ist von den Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs verschont geblieben, daher gibt es hier noch einige alte Häuser, z. B. im Samurai-Viertel Nagamachi oder in den Geiko-Vierteln. Die Burg Kanazawa ist allerdings eine Rekonstruktion; sie ist im Laufe der Zeit mehrmals Bränden zum Opfer gefallen, das letzte mal 1808. Während der Edo-Zeit war Kanazawa der Sitz des Maeda-Klans, der in der Burg residierte. Die Maeda waren Gegner der Tokugawa und wurden von diesen mit Zuwendungen ruhig gehalten, wodurch sie die reichtsten Daimyos in Japan wurden. Seit 2001 werden einzelne Gebäude der Burg wiederhergestellt, d. h. neu gebaut.


Gerade war der Hauptpalast Ni-no-maru dran.

Auf dem Burggelände stehen mehrere Tore. Nur das Ishikawa-mon ist original erhalten geblieben, alle anderen sind Rekonstruktionen.



Außerdem gehört der ausgedehnte Garten Kenroku-en zum Burggelände. Er ist einer der »Drei berühmten Gärten Japans«.



Die Kotojitoro-Laterne im Kenroku-en ist wieder so ein Teil, das von allen unbedingt fotografiert werden muss.

In einem kleinen Teehaus im Kenroku-en kann man an einer japanischen Teezeremonie teilnehmen. Der Ablauf ist streng formalisiert. Der Raum, in dem die Teezeremonie stattfindet, ist gemäß den Prinzipien des Zen äußerst schlicht gehalten. Zum nach einem Ritual zubereiteten Matcha-Tee bekommt man eine Süßigkeit. »Erfunden« wurde die Teezeremonie im 15. Jahrhundert von einem buddhistischen Abt namens Shogu. Formalisiert wurde sie dann 1564 vom Teemeister Sen no Rikyu. Über das Leben dieses Teemeisters gibt zwei Kinofilme, »Der Tod des Teemeisters« von Kei Kumai und »Rikyu, der Teemeister« von Hiroshi Teshigahara, beide aus dem Jahr 1989. Die hätte ich mir gerne angesehen; leider sind sie aber nicht in den bekannten Streaming-Diensten vorhanden.
Von der Teezeremonie durften Fotos gemacht werden; ich weiß aber nicht, ob ich sie im Blog veröffentlichen darf und tue das deshalb lieber nicht.
In den Häusern der engen Gassen des gut erhaltenen Samurai-Viertels Nagamachi lebten früher die Samurai-Krieger des Maeda-Klans.


Im Nomura-Haus kann man die Innenräume eines Samurai-Hauses, das der Nomura-Familie, sehen. Sogar einen Familienschrein hat das Haus.



Zwei weitere Samurai-Häuser, die man besichtigen kann, sind die Häuser der Familien Takada und Takanishi.


Das Leben in Japan zur Zeit der Samurai kann man sich in zwei US-amerikanische Fernsehserien, eine von 1980 und eine von 2024, vor Augen führen. Beide haben den schlichten Titel »Shogun« und basieren auf dem gleichnamigen Roman von James Clavell. Historisches Vorbild ist der englische Navigator und Weltreisende William Adams, der 1600 auf einem niederländischen Handelsschiff nach Japan gelangte und zwanzig Jahre später dort als erster europäischer Samurai starb. Die neue Serie von 2024 ist leider nur exklusiv im Streaming-Dienst Disney+ vorhanden. Vielleicht abboniere ich den Dienst ja irgendwann einmal für einen Monat und sehe mir die Serie dann an.
Außerdem gibt es noch den bekannten Film »Der letzte Samurai« von Edward Zwick aus dem Jahr 2003 mit Tom Cruise und Ken Watanabe in den Hauptrollen. Historisches Vorbild dieses Films ist die gescheiterte Satsuma-Rebellion von 1877, in der einige Samurai zu Beginn der Meiji-Zeit gegen die Modernisierung Japans und für den Erhalt der überkommenen feudalen Ständeordnung kämpften. Der Film war mir zu kitschig, und die Rolle der Samurai in der Rebellion wurde viel zu positiv dargestellt.
Geishas heißen in Kanazawa Geikos. Es gibt drei bekannte Geiko-Viertel in Kanazawa, Higashi Chaya, Kazue-machi Chaya und Nishi Chaya Gai. Die ersten beiden Viertel habe ich auf einer Tour des Geiko-Museums Kanazawa Asanogawa Enyukai Hall besichtigt. Das Museum befindet sich in Higashi Chaya, einem Geiko-Viertel, das von sehr vielen Touristen besucht wird, und in dem es neben den traditionellen Teehäusern auch viele Restaurants und Shops gibt.





Auf der anderen Seite des Asano-Flusses liegt das weitaus weniger touristische Geiko-Viertel Kazue-machi Chaya.





Nach dem Rundgang durch die beiden Geiko-Viertel fand das Event »Meet the Geiko« in einem Saal im Obergeschoss des Museums statt. Die Fotos davon poste ich ebenfalls besser nicht. Im Geiko-Viertel Nishi Chaya Gai, das sich abseits der Touristenpfade im Westen von Kanazawa befindet, bin ich nicht gewesen.
Mehr über das Leben der Geishas erfährt man im Film »Die Geisha« von Rob Marshall aus dem Jahr 2005, der auf dem gleichnamigen Roman von Arthur Golden aus dem Jahr 1997 basiert.
Essen kann man in Japan u. a. auch in Restaurants, die sich in den oberen Stockwerken großer Einkaufshäuser befinden. Es hat mir dort meistens sogar besser geschmeckt, als in anderen Restaurants. Hier eines meiner Mittagessen in einem solchen Restaurant in Kanazawa. Ich konnte allerdings nicht alles identifizieren, was ich da gegessen habe.

Shirakawa-go
27.10.2025
Nach Shirakawa-go habe ich einen organisierten Tagesausflug von Kanazawa aus gemacht. Das Wetter war an diesem Tag allerdings nicht das beste, und es hat häufiger geregnet. Regen ist in Shirakawa-go keine Seltenheit, aber da die organisierten Touren ja bereits im Voraus gebucht werden, sind auch bei Regenwetter zahlreiche Touristen da.
Shirakawa-go, wie auch das Nachbardorf Gokayama, ist für seine historischen Häuser im Gassho-zukuri-Stil bekannt. Der Baustil heißt so, weil die Giebelwände der Hausdächer Händen in der buddhistischen Grußgeste Gassho ähneln.



Einig Gassho-Häuser können besichtigt werden, z. B. das Haus der Wada-Familie, das um 1800 erbaut wurde. In den oberen Stockwerken wurden früher Seidenraupen gezüchtet, im Erdgeschoss Schießpulver hergestellt.


Weitere Häuser, die besichtigt werden können, sind das Nagase-Haus und das Kanda-Haus. Sie sind etwa genauso alt wie das Wada-Haus.


Hinter dem Wada-Haus führt ein steiler Weg zu einer Aussichtsplattform. Zu Fuß dauert der Weg 15 Minuten; man kann aber auch einen Shuttle-Bus nehmen. Früher stand hier eine Burg.


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