Die Grenzen der Welt

Eine Welterkundung


Shibuya

Tokio

14.10.2025–26.10.2025

In Tokio habe ich im Kap­sel­ho­tel »The Mil­len­ni­als« im Stadt­teil Shi­bu­ya über­nach­tet. Es ist ein etwas über­teu­er­tes Kap­sel­ho­tel der Luxus­klas­se. Die Kap­seln hei­ßen Smart Pods, und die Bet­ten kön­nen mit einem im Smart Pod vor­han­de­nen iPho­ne ver­stellt wer­den, z. B. in eine fla­che Schlaf- oder in eine Sofa­po­si­ti­on. Auch das Licht im Smart Pod wird mit dem iPho­ne regu­liert. Jeden Abend gibt es in der Lounge von 17:30 Uhr bis 18:30 Uhr Frei­bier.

Shi­bu­ya ist ein etwas abge­dreh­ter Stadt­teil für die tren­di­ge und kon­sum­ori­en­tier­te Jugend. Hier gibt es die merk­wür­digs­ten Geschäf­te. Im Poké­mon Cen­ter z. B. kann man Poké­mon-Figu­ren und ähn­lich unnüt­zes Zeug kau­fen.

Das Restau­rant im Poké­mon Cen­ter war lei­der stän­dig aus­ge­bucht, so dass ich die lecke­ren Gerich­te nicht pro­bie­ren konn­te.

Unter Insi­dern kennt man auch Super Mario, Bug­cat Capoo und Gun­ma-chan.

Rau­chen und Trin­ken in der Öffent­lich­keit ist in Shi­bu­ya nicht erlaubt. Aller­dings wird in Japan mehr geraucht, als ich erwar­tet hat­te. Die aus­ge­wie­se­nen Rau­cher­zo­nen waren stets voll.

Die Metro­pol­re­gi­on Tokio hat heu­te etwa etwa 37 Mil­lio­nen Ein­woh­ner, die Stadt Tokio etwa 9 Mil­lio­nen. Die Stra­ßen­kreu­zung Shi­bu­ya Crossing, ein bekann­tes Foto­mo­tiv, wird abends pro Ampel­pha­se von bis zu 2500 Men­schen über­quert. Trotz der vie­len Men­schen, die vor allem abends in Shi­bu­ya unter­wegs sind, ist es hier rela­tiv lei­se.

Einem »Geheim­tipp« zufol­ge hat man von einer Star­bucks-Filia­le im ers­ten Stock auf der gegen­über­lie­gen­den Sei­te einen guten Blick auf die Shi­bu­ya Crossing. In der Star­bucks-Filia­le wird höf­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass man doch auch etwas kau­fen sol­le, auch wenn man für ein Foto gekom­men sei. Die Aus­sicht durch die spie­geln­den Glas­schei­ben fand ich dann aller­dings doch nicht so gut, vor allem, weil man in die »fal­sche« Rich­tung foto­gra­fiert hat.

Ramen ist eine japa­ni­sche Nudel­sup­pe chi­ne­si­schen Ursprungs, und Ichi­ran ist eine belieb­te Ramen-Restau­rent-Ket­te. In Shi­bu­ya gibt es davon zwei Filia­len. Drau­ßen vor dem Ein­gang bekommt man einen QR-Code und muss dann bis zu einer Stun­de war­ten, bis man dran ist. Auf dem Smart­phone kann man sehen, wie lang die War­te­schlan­ge noch ist. Nach­dem man dann die Ichi­ran-Filia­le betre­ten hat, kommt man zunächst an einem Auto­ma­ten vor­bei, wo man sei­ne Bestel­lung tätigt und sofort bezahlt. Dann wird man an eine lan­ge The­ke mit abge­trenn­ten Berei­chen an sei­nen Platz geführt. Hin­ter einem Bast­vor­hang taucht irgend­wann jemand auf, der die Bestel­lung aus­hän­digt.

Mit der Mei­ji-Restau­ra­ti­on 1868 wur­de Tokio, das damals Edo hieß, die Haupt­stadt Japans. Auf dem Gelän­de der Burg Edo, die bis dahin der Sitz des Toku­ga­waSho­guns war, wur­de ein Kai­ser­pa­last errich­tet. Vor der Mei­ji-Restau­ra­ti­on hat­te der bis dahin macht­lo­se Ten­no in Kyo­to resi­diert.

Im Zwei­ten Welt­krieg wur­de der Kai­ser­pa­last zer­stört und danach wie­der auf­ge­baut. Er kann zwar im Prin­zip besich­tigt wer­den, aber nur nach vor­he­ri­ger Anmel­dung und mit War­te­zeit. Frei zugäng­lich ist dage­gen der Ost­gar­ten Kokyo Higa­shi-gyoen des Kai­ser­pa­las­tes, den man z. B. durch das Ote-mon-Tor betre­ten kann.

Im Ost­gar­ten befin­den sich meh­re­re restau­rier­te Gebäu­de. Das Hya­ku­nin Bans­ho ist das größ­te von drei noch exis­tie­ren­den Wach­häu­sern.

Dort, wo frü­her die Burg Edo, gestan­den hat, sind nur noch eini­ge Rui­nen zu sehen. Die Haupt­burg Hon­ma­ru wur­de am Anfang der Mei­ji-Zeit abge­ris­sen. Der Burg­turm wur­de bereits beim Mere­ki-Groß­brand 1657 zer­stört und ist danach nicht wie­der auf­ge­baut wor­den. Die neue Kai­ser­re­si­denz wur­de nach der Mei­ji-Restau­ra­ti­on nur im west­li­chen Teil des Burg­ge­län­des gebaut.

Der größ­te Teil des alten Burg­ge­län­des wur­de zu einem öffent­li­chen Park umge­stal­tet.

Nach dem Tod des Mei­ji-Kai­sers wur­de für ihn ein auf­wen­di­ger Schrein gebaut, wo er gemäß »Staats-Shin­to« als Gott ver­ehrt wird. Der ursprüng­li­che Mei­ji-Schrein von 1920 ist aller­dings im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört wor­den; der heu­ti­ge Schrein ist ein Nach­bau von 1958. Auf dem Weg dahin kommt man zunächst an bun­ten Sake-Fäs­sern, vor­bei, die jedes Jahr von der »Mei­ji Jin­gu Nati­on­wi­de Sake Bre­wers Asso­cia­ti­on« gespen­det wer­den.

Begra­ben ist der Mei­ji-Kai­ser aller­dings nicht im Mei­ji-Schrein, son­dern in der Burg Fus­hi­mi in Kyo­to. Nur die See­len von ihm und sei­ner Frau Sho­ken sind hier anwe­send.

Auf einem Schild an der Temi­zu­ya, dem etwas schmuck­lo­sen ritu­el­len Rei­ni­gungs­be­cken des Schreins, steht beschrie­ben, wie man sich vor dem Schrein­be­such ritu­ell zu rei­ni­gen hat.

Außer dem Shin­to gibt es in Japan auch noch den Bud­dhis­mus, der im sechs­ten Jahr­hun­dert zur Zeit der chi­ne­si­schen Tang-Dynas­tie über Korea nach Japan gekom­men ist. Ein shin­tois­ti­scher Kult­ort ist ein Schrein, auf Japa­nisch jin­gu, im Gegen­satz zu einem bud­dhis­ti­schen Tem­pel, auf Japai­nisch ji. Der ältes­te bud­dhis­ti­sche Tem­pel Toki­os ist der Sen­so-ji. Auf einem Weg, der durch die bei­den Tore Kami­na­ri-mon und Hozo-mon begrenzt ist, gelangt man durch ein Heer von Tou­ris­ten zur Haupt­hal­le des Tem­pels, auf Japa­nisch hon­do.

Der Sen­so-ji ist der Göt­tin Kan­non gewid­met. Eigent­lich ist Kan­non gar kei­ne Göt­tin, son­dern eine Bod­hi­s­att­va, eine erleuch­te­te Per­son, die ande­ren auf ihrem Weg zur Erleuch­tung hilft.

Neben der Haupt­hal­le des Tem­pels befin­det sich der shin­tois­ti­sche Asakusa-Schrein. Er wur­de 1649 von Toku­ga­wa Imetsu, dem drit­ten Sho­gun aus der Toku­ga­wa-Dynas­tie, errich­tet. In ihm wer­den die drei Män­ner ver­ehrt, die für den Bau des Sen­so-ji ver­ant­wort­lich waren. Shin­to und Bud­dhis­mus haben sich in Japan bis zur Mei­ji-Restau­ra­ti­on ver­mischt. Danach wur­de eine staat­li­che Tren­nung der Reli­gio­nen ver­ord­net.

Ein ande­rer shin­tois­ti­scher Schrein in Tokio, der von weni­ger Tou­ris­ten besucht wird, ist der Hie-Schrein. Durch den Ina­ri San­do gelangt man durch zahl­rei­che rote Torii zum Schrein. Der Ina­ri San­do ist eine klei­ne Ver­si­on der Torii-Wege des bekann­ten Fus­hi­mi Ina­ri-Tai­sha-Schreins in Kyo­to.

Der Hie-Schrein selbst ist nicht beson­ders spek­ta­ku­lär. Er wur­de im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört und 1967 wie­der auf­ge­baut.

Auf dem Schr­ein­ge­län­de ste­hen eini­ge Affen­sta­tu­en.

Auch kon­fu­zia­ni­sche Tem­pel gibt es in Toko. Abseits der Tou­ris­ten­pfa­de befin­det sich der Yushi­ma Sei­do, den ich im Rah­men einer »Free Wal­king Tour« durch Tokio besich­tigt habe. Im Gar­ten steht eine Kon­fu­zi­us-Sta­tue.

Kabu­ki ist das tra­di­tio­nel­le japa­ni­sche Thea­ter, und das Kabuki­za-Thea­ter ist das größ­te Kabu­ki-Thea­ter in Japan. Hier fin­det fast täg­lich eine Kabu­ki-Auf­füh­rung statt, die aus meh­re­ren lan­gen Akten besteht, die über den Tag ver­teilt auf­ge­führt wer­den. Kom­plett dau­ert eine sol­che Auf­füh­rung vie­le Stun­den; man kann aber auch Tickets für ein­zel­ne Akte kau­fen. Lei­der war das Novem­ber-Pro­gramm gera­de been­det, so dass ich kei­ne Kabu­ki-Auf­füh­rung mehr besu­chen konn­te. Auf der Web­site »Kabu­ki on Demand« kann man sich jedoch einen kos­ten­pflich­ti­gen Kabu­ki-Video-Stream anse­hen.

Der Tokyo Sky­tree ist das dritt­höchs­te Bau­werk der Welt. Er wur­de zwi­schen 2008 und 2012 gebaut und wird Abends mit wech­seln­den Far­ben illu­mi­niert.

Der Tokyo Tower sieht aus wie der Pari­ser Eif­fel­turm, ist aber etwas höher. Er wur­de 1958 fer­tig­ge­stellt und befin­det sich in der Nähe des bud­dhis­ti­schen Tem­pels Zojo-ji.

Da es in Tokio mitt­ler­wei­le ziem­lich bewölkt gewor­den war, bin ich auf die bei­den Tür­me nicht her­auf­ge­fah­ren.

Mount-Fuji-Tour

17.10.2025

Der Fuji-san ist der höchs­te Berg Japans. In der Shin­to-Reli­gi­on gilt er als hei­lig. Er kann bestie­gen wer­den, aber die Sai­son dafür endet bereits Mit­te Sep­tem­ber. In Tokio wer­den Tou­ren ange­bo­ten, auf denen man den Fuji von meh­re­ren Orten aus sehen und foto­gra­fie­ren kann. Der ers­te Stopp der Tour war bei einem Law­son-Laden. Der Sicht auf den Fuji mit dem Law­son-Laden im Vor­der­grund ist ein belieb­tes Foto­mo­tiv, ich weiß aber nicht war­um.

Der zwei­te Stopp war der Oishi-Park, wo man den Fuji mit bun­ter Bepflan­zung im Vor­der­grund foto­gra­fie­ren konn­te.

Der Oishi-Park liegt am Kawa­guchi-See. Auch mit dem See im Vor­der­grund macht sich der Fuji ganz gut.

Dann ging es nach Oshi­no Hak­kai, einem von Tou­ris­ten über­lau­fe­nen Ort mit acht Tei­chen, die vom Schmelz­was­ser des Fuji gespeist wer­den. An einem der Tei­che kann man sich das angeb­lich gesun­de Was­ser in mit­ge­brach­ten Fla­schen abfül­len und mit nach Hau­se neh­men.

Im Ara­ku­ra­ya­ma-Sen­gen-Park gibt es eine fünf­stö­cki­ge Pago­de, die ein belieb­ter Vor­der­grund für Mount-Fuji-Bil­der ist.

Um zum per­fek­ten Platz für das Foto zu gelan­gen, hät­te man sich aller­dings in eine lan­ge Schlan­ge von Tou­ris­ten ein­rei­hen müs­sen. Ober­halb gab es aber noch einen etwas weni­ger per­fek­ten Platz ohne Tou­ris­ten­schlan­ge, von wo aus man jedoch nur den obe­ren Teil der Pago­de auf dem Foto hat. Hat mir aber aus­ge­reicht.

Der letz­te Stopp war die Hon­cho-Stra­ße im Ort Fuji­yo­shi­da. Im Inter­net gibt es spek­ta­ku­lä­re Fotos mit Blick auf den Fuji von der Hon­cho Stra­ße aus. Auf der Mount-Fuji-Tour waren die Licht­ver­hält­nis­se aller­dings nicht so gut, so dass der Fuji auf mei­nem Foto kei­nen beson­de­ren Ein­druck macht. Wenigs­tens war aber der Him­mel wol­ken­los, und so konn­ten wir den Fuji auf jedem Stopp unse­rer Tour gut sehen. Laut Rei­se­lei­ter gibt es auch Tage, wo man über­haupt nichts sieht.

Da es täg­lich meh­re­re Mount-Fuji-Tou­ren gibt, die alle die­sel­ben Orten anfah­ren, war es über­all von Tou­ris­ten über­lau­fen.

Kamakura

20.10.2025

Fünf­zig Kilo­me­ter süd­west­lich von Tokio liegt der Ort Kama­ku­ra. Mit dem Zug ist er leicht für einen Tages­aus­flug zu errei­chen. Kamu­ka­ra war die Resi­denz von Mina­mo­to Yori­to­mo, der 1192 vom damals bereits macht­lo­sen Ten­no zum Sho­gun ernannt wur­de und das Kama­ku­ra-Shog­u­nat grün­de­te. Wäh­rend der Kama­ku­ra-Zeit war Kama­ku­ra somit fak­tisch die Haupt­stadt Japans. Bekannt ist Kama­ku­ra durch die gro­ße Bud­dha­sta­tue im Tem­pel Koto­ku-in, die ursprüng­lich voll­stän­dig mit Blatt­gold über­zo­gen war.

Es gibt noch vie­le wei­te­re bud­dhis­ti­sche Tem­pel in Kama­ku­ra. Der Hase-dera ist der vier­te Tem­pel des Pil­ger­wegs Ban­do San­ju­san­kas­ho, einem Pil­ger­weg aus 33 Tem­peln, der der Göt­tin Kan­non gewid­met ist. Im Inne­ren des Hase-dera befin­det sich eine elf­köp­fi­ge Kan­non-Sta­tue aus Holz, die lei­der nicht foto­gra­fiert wer­den durf­te.

Auf dem Tem­pel­ge­län­de befin­det sich außer­dem die Höh­le Ben­ten Kutsu mit klei­nen Figu­ren der Gott­heit Ben­zai­ten.

Nikko

23.10.2025

Die Stadt Nik­ko, 140 km nörd­lich von Tokio, ist zwar eigent­lich etwas zu weit für einen Tages­aus­flug, ich bin aber den­noch an einem Tag mit dem Zug hin- und zurück­ge­fah­ren. Mit einer Direkt­ver­bin­dung ist man in zwei Stun­den in Nik­ko. Lei­der müs­sen die Direkt­zü­ge vor­her reser­viert wer­den und sind oft aus­ge­bucht, und so muss­te ich auf lang­sa­me­re Züge aus­wei­chen und habe für die Fahrt nach Nik­ko mit einem Umstieg mehr als drei Stun­den benö­tigt.

Die bekann­tes­te Sehens­wür­dig­keit in Nik­ko ist der Shin­to-Schrein Nik­ko Tosho-gu, in dem sich das Mau­so­le­um von Toku­ga­wa Iey­asu, des Begrün­ders des Toku­ga­wa-Shog­u­nats, befin­det. Im Jahr 1600 wur­de Toku­ga­wa Iey­asu mit der für ihn sieg­rei­chen Schlacht von Seki­ga­ha­ra zum Allein­herr­scher Japans und been­de­te damit eine mehr als zwei­hun­dert Jah­re dau­er­en­de Zeit von Krie­gen zwi­schen loka­len Feu­dal­her­ren, den soge­nann­ten Dai­my­os. 1603 wur­de er dann vom Ten­no zum Seii Tais­ho­gun ernannt. Die anschlie­ßen­de Edo-Zeit war eine Peri­ode des Frie­dens unter der Herr­schaft der Toku­ga­wa-Sho­gu­ne, die in Edo, dem heu­ti­gen Tokio, resi­dier­ten.

Vom Bahn­hof aus ist der Nik­ko Tosho-gu leicht zu Fuß zu errei­chen. Kurz hin­ter dem Ein­gang zum Schr­ein­ge­län­de kommt man zunächst an einem hei­li­gen Pfer­de­stall vor­bei, an dem sich die berühm­te Schnit­ze­rei der drei Affen, die nichts sehen, nichts hören und nichts sagen, befin­det.

Auf einer Trep­pe geht man dann zum gold­ver­zier­ten Haupt­tor Yomei-mon hin­auf.

Dahin­ter befin­det sich das eben­so prunk­vol­le Chi­ne­si­sche Tor Kara-mon, das zum Haupt­ge­bäu­de des Schreins führt.

Die Urne mit den Über­res­ten Toku­ga­wa Iey­asus befin­det sich aber nicht dort, son­dern im hin­ter dem Haupt­schrein etwas ober­halb gele­ge­nen soge­nann­ten Inne­ren Schrein Oku­sha. Um dahin zu gelan­gen, geht man zunächst nach rechts zu einem klei­nen Schrein, in dem sich die Holz­schnit­ze­rei Nemu­ri-neko des japa­ni­schen Künst­lers Hida­ri Jin­go­ro aus dem 17. Jahr­hun­dert befin­det. Sie zeigt eine schla­fen­de Kat­ze, ist ziem­lich berühmt und muss unbe­dingt foto­gra­fiert wer­den.

Hin­ter der schla­fen­den Kat­ze geht man durch das Sakas­hi­ta-mon zu einer stei­len Trep­pe.

An Ende der Trep­pe kommt man, bevor man den bron­ze­nen Schrein Oku­sha Hoto sieht, in dem sich die Urne mit den Über­res­ten Toku­ga­wa Iey­asus befin­det, zunächst noch an der Gebets­hal­le Oku­sha Hai­den vor­bei.

Der Oku­sha Hoto kann dann in einer andachts­vol­len Pro­zes­si­on umrun­det wer­den. Toku­ga­wa Iey­asu wird hier als ein Gott, auf Japa­nisch kami, ver­ehrt.

Auch einen bud­dhis­ti­schen Tem­pel gibt es auf dem ansons­ten rein shin­tois­ti­schen Schr­ein­ge­län­de des Tosho-gu. An der Decke des Yaku­s­hi-do befin­det sich ein berühm­tes Dra­chen­ge­mäl­de. Obwohl man für den Besuch des Yaku­s­hi-do zusätz­li­chen Ein­tritt bezah­len muss, darf man das Gemäl­de nicht foto­gra­fie­ren.

Etwas unter­halb des Tosho-gu außer­halb des Schrein­be­zirks befin­det sich der eben­falls bud­dhis­ti­sche Tem­pel Rin­no-ji. Er stammt aus dem Jahr 766 und ist somit wesent­lich älter als der Tosho-gu. Am Ein­gang steht ein Ishi­do­rii, ein Tor, das ansons­ten vor allem vor Shin­to-Schrei­nen steht.

In der Zere­mo­nie­hal­le Dai­go­ma­do des Rin­no-ji fand gera­de eine soge­nann­te Goma-Zere­mo­nie statt, eine ritu­el­le Feu­er­ze­re­mo­nie, die ihren Ursprung im Hin­du­is­mus hat.

In Nik­ko gibt es noch eine Viel­zahl wei­te­rer Tem­pel und Schrei­ne, die auf einem Tages­aus­flug gar nicht alle besich­tigt wer­den kön­nen. Der bud­dhis­ti­sche Tem­pel Tai­yu-in ist das Mau­so­le­um des drit­ten Toku­ga­wa-Sho­guns Toku­ga­wa Iemit­su. Unter ihm begann die Abschot­tung Japans von aus­län­di­schen Ein­flüs­sen. Außen­han­del wur­de nur noch mit Chi­na und der Nie­der­län­di­schen Ost­in­di­en-Kom­pa­nie betrie­ben, und die Bevöl­ke­rung wur­de mit poli­zei­staat­li­chen Mit­teln über­wacht. Das Chris­ten­tums, das im 16. Jahr­hun­dert durch spa­ni­sche und por­tu­gie­si­sche Mis­sio­na­re nach Japan gelangt war, wur­de (erneut) ver­bo­ten, und zahl­rei­che Chris­ten wur­den getö­tet.

Der Tai­yu-in ist bedeu­tend schlich­ter als der Nik­ko Tosho-gu. Man betritt ihn durch vier hin­ter­ein­an­der­lie­gen­de Tore. Das ers­te ist das Nio-mon.

In der Nähe des Nio-mon befin­det sich die prunk­voll gestal­te­te ritu­el­le Wasch­stel­le Omi­zu­ya.

Das zwei­te Tor ist das Niten-mon mit ein­drucks­vol­len Sta­tu­en von zwei­en der vier Him­mels­kö­ni­ge.

Nach eini­gen Trep­pen kommt dann das drit­te Tor Yasha-mon.

Hin­ter dem vier­ten und letz­ten Tor, dem Kara-mon, befin­det sich die Haupt­hal­le Hon­den des Tem­pels.

Außer­dem gibt es noch ein fünf­tes Tor, das Koka-mon. Dahin­ter befin­det sich das eigent­li­che Mau­so­le­um Toku­ga­wa Iemit­sus. Das Tor war aber lei­der geschlos­sen.

Wie­der zurück im Ort Nik­ko konn­te ich gera­de noch kurz vor Schluss die berühm­te Shin­kyo-Brü­cke betre­ten. Die Holz­brü­cke stammt ursprüng­lich aus dem 17. Jahr­hun­dert, wur­de aber bei einer Flut­ka­ta­stro­phe 1902 weg­ge­spült und 1904 wie­der auf­ge­baut. War­um sie so berühmt ist, weiß ich nicht, aber sie wird von allen Nik­ko-Tou­ris­ten pflicht­be­wusst foto­gra­fiert.

Mit dem Shinkansen nach Kanazawa

26.10.2025

Vom Tokio­ter Bahn­hof aus fah­ren japa­ni­sche Hoch­ge­schwin­dig­keits­zü­ge Shin­ka­sen in alle Rich­tun­gen des Lan­des. Das Bahn­hofs­ge­bäu­de aus dem Jahr 1914 wur­de vom japa­ni­schen Archi­tek­ten Tats­u­no Kin­go ent­wor­fen.

Auf der Haupt­stre­cke nach Kyo­to gibt es alle 15 Minu­ten einen Shink­an­sen. Ich bin auf einer ande­ren Stre­cke mit einem Shink­an­sen nach Kana­za­wa gefah­ren.

Im Shink­an­sen gibt es kei­nen Restau­rant-Wagen. Für die Ver­pfle­gung kann man sich am Bahn­hof eine soge­nann­te Ben­to-Box kau­fen, in dem die ver­schie­den Spei­sen in einer Box durch Trenn­wän­de getrennt sind.

Die japanische Sprache

Japa­nisch habe ich mit einer Kom­bi­na­ti­on der bei­den Apps Busuu und Duo­lin­go gelernt. Ähn­lich der Bab­bel-App, die lei­der kein Japa­nisch anbie­tet, erklärt Busuu auch die Gram­ma­tik und die Struk­tur der japa­ni­schen Spra­che, die sich von euro­päi­schen Spra­chen stark unter­schei­det. Mit Duo­lin­go hin­ge­gen kann man gut japa­ni­sche Voka­beln ler­nen, da stän­dig die­sel­ben Sät­ze ein­ge­paukt wer­den. In Duo­lin­go gibt es fer­ner die Mög­lich­keit, japa­ni­sche Schrift­zei­chen ein­zu­üben. Ich habe fest­ge­stellt, dass Duo­lin­go etwas bes­ser ist, wenn man als Basis­spra­che Eng­lisch statt Deutsch ein­stellt.

Im Japa­ni­schen gibt es drei ver­schie­de­ne Schrift­sys­te­me, Hira­ga­na, Kataka­na und Kan­ji. Die Kan­ji-Zei­chen stam­men usprüng­lich aus Chi­na und unter­schei­den sich nur leicht von chi­ne­si­schen Schrift­zei­chen. Im Japa­ni­schen wer­den Nomi­na und die Wort­stäm­me von Ver­ben und Adjek­ti­ven in Kan­ji geschrie­ben. Das gram­ma­ti­sche Drum­her­um wird dage­gen in Hira­ga­na geschrie­ben, und Kataka­na wird für die Tran­skrip­ti­on fremd­spra­chi­ger, meist eng­li­scher Wör­ter ver­wen­det. Dabei wird die Aus­spra­che des Fremd­wor­tes mit Kataka­na-Zei­chen nach­ge­bil­det. Das klappt nicht immer so genau, und mir fiel es dann meis­tens schwer, das eng­li­sche Pen­dant eines sol­chen Wor­tes zu »erra­ten«.

Hira­ga­na und Kataka­na sind Sil­ben­schrif­ten. Für Kan­ji-Zei­chen gibt es zwei ver­schie­de­ne Les­ar­ten. In der On-Lesung rich­tet sich die Aus­spra­che eines Kan­ji-Zei­chens nach dem Klang des Zei­chens im Chi­ne­si­schen. Die Bedeu­tung des Zei­chens im Chi­ne­si­schen spielt dabei kei­ne Rol­le. In der Kun-Lesung dage­gen rich­tet sich die Aus­spra­che eines Kan­ji-Zei­chens nach der Bedeu­tung des Wor­tes im Chi­ne­si­schen. Es han­delt sich dabei dann um eine Art Über­set­zung des Zei­chens ins Japa­ni­sche. Vor mehr als zwan­zig Jah­ren bin ich auf einer Rei­se durch Chi­na ein­mal einem Japa­ner begeg­net, der mit den Chi­ne­sen kom­mu­ni­zier­te, indem die er japa­ni­sche Kan­ji-Zei­chen auf einen Block schrieb. Die Chi­ne­sen konn­ten ihn offen­bar ver­ste­hen.

Nach­trag vom 12.12.2025: Vie­le japa­ni­sche Wör­ter habe ich gegen Ende mei­nes Japan-Auf­ent­halts noch nicht gelernt. Die Hira­ga­na- und die Kataka­na-Zei­chen habe ich mit Duo­lin­go ein­ge­übt; die Kan­ji-Zei­chen kann ich dann ja noch in Chi­na ler­nen. 🙂


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