Die Grenzen der Welt

Eine Welterkundung


The Canadian

Im »Canadian« von Toronto nach Jasper

24.08.2025–27.08.2025

Der Zug »The Cana­di­an« ist ein kana­di­scher Zug der staat­li­chen Eisen­bahn­ge­sell­schaft VIA Rail, der zwi­schen Toron­to und Van­cou­ver ver­kehrt. Der Zug rich­tet sich haupt­säch­lich an Tou­ris­ten, aber auf Teil­stre­cken fah­ren auch ande­re Rei­sen­de. Die gesam­te Stre­cke von Toron­to nach Van­cou­ver ist 4466 km lang und der Zug benö­tigt dafür vier Tage. Ins­ge­samt wer­den vier Zeit­zo­nen durch­fah­ren; bis nach Jas­per sind es drei. Im Zug wur­de die Zeit aller­dings immer nachts umge­stellt, und somit war die »Zug­zeit« manch­mal eine ande­re als die Zeit drau­ßen.

Die Eisen­bahn­stre­cke wur­de von der Cana­di­an Paci­fic Rail­way zwi­schen 1881 und 1885 gebaut. Damit wur­de ein Ver­spre­chen an die dama­li­ge bri­ti­sche Kron­ko­lo­nie Van­cou­ver Island und Bri­tish Colum­bia als Gegen­leis­tung für deren Bei­tritt zur Kana­di­schen Kon­fö­de­ra­ti­on, die damals nur aus vier Pro­vin­zen im Osten bestand, ein­ge­löst. Das Gebiet zwi­schen den Staa­ten der Kon­fö­de­ra­ti­on und Bri­tish Colum­bia war das von der Hudson’s Bay Com­pa­ny kon­trol­lier­te Ruperts Land, das sich nörd­lich der Hud­son Bay bis zum Ark­ti­schen Oze­an erstreck­te und 1870 an die Kana­di­sche Kon­fö­de­ra­ti­on abge­tre­ten wur­de. Heu­te befin­den sich dort die Pro­vin­zen Mani­to­ba, Sas­kat­che­wan und Alber­ta. Durch die Eisen­bahn­stre­cke wur­de die abge­le­ge­ne neue kana­di­sche Pro­vinz Bri­tish Colum­bia an die öst­li­chen Pro­vin­zen der Kana­di­schen Kon­fö­de­ra­ti­on ange­bun­den.

Im »Cana­di­an« gibt es neben den nor­ma­len Sitz­ab­tei­len drei ver­schie­de­ne Klas­sen von Schlaf­ab­tei­len. Die bil­ligs­te besteht aus Stock­bet­ten, die tags­über in Sit­ze umge­wan­delt und nachts mit Vor­hän­gen vom Gang abge­trennt wer­den. Wesent­lich teu­rer ist die Fahrt in einer eige­nen Kabi­ne, genannt »Slee­per Plus«. Seit 2015 gibt es dar­über hin­aus noch eine soge­nann­te »Pres­ti­ge Plus«-Klasse für beson­ders zah­lungs­kräf­ti­ge Leu­te. Ich habe eine Ein­zel­ka­bi­ne der »Slee­per Plus«-Klasse genom­men. Aller­dings waren die Stock­bet­ten im Gang auch recht kom­for­ta­bel und hät­ten eigent­lich auch aus­ge­reicht. Trotz der hohen Fahr­prei­se wird der »Cana­di­an« staat­lich sub­ven­tio­niert.

Die Abfahrt in Toron­to erfolg­te mit zwei Stun­den Ver­spä­tung erst gegen Mit­tag. Ver­spä­tun­gen sind im kana­di­schen Per­so­nen­ver­kehr nicht unüb­lich. Ähn­lich wie in den USA gehö­ren in Kana­da die Eisen­bahn­stre­cken nicht der staat­li­chen Eisen­bahn­ge­sell­schaft, die den Per­so­nen­ver­kehr über­nom­men hat, son­dern pri­va­ten Eisen­bahn­ge­sell­schaf­ten, die aus­schließ­lich den lukra­ti­ve­ren Güter­ver­kehr betrei­ben. Daher hat der Güter­ver­kehr Vor­rang, und Per­so­nen­zü­ge müs­sen regel­mä­ßig auf vor­bei­fah­ren­de Güter­zü­ge war­ten. Die ver­spä­te­te Abfahrt des »Cana­di­an« hat­te aller­dings einen ande­ren Grund. Ein Güter­zug war kurz hin­ter Toron­to lie­gen­ge­blie­ben. Um nicht noch bis zum Abend war­ten zu müs­sen, wur­de unser Zug daher umge­lei­tet und fuhr zunächst in süd­li­che Rich­tung bis nach Hamil­ton. Dort wur­de der Zug gedreht, und es ging wie­der zurück nach Toron­to. Die erneu­te Abfahrt aus Toron­to erfolg­te dann mit fünf Stun­den Ver­spä­tung gegen drei Uhr nach­mit­tags und zunächst auf einer par­al­lel ver­lau­fen­den ande­ren Eisen­bahn­stre­cke. Wegen der Kon­kur­renz der Cana­di­an Paci­fic Rail­way mit der Cana­di­an Nor­t­hern Rail­way hat­te letz­te­re näm­lich eine zwei­te trans­kon­ti­nen­ta­le Eisen­bahn­li­nie nach Bri­tish Colum­bia gebaut.

In soge­nann­ten »Dome Cars« kann man die Land­schaft an sich vor­bei­zie­hen las­sen. Hier fin­den auch Vor­trä­ge über die Regio­nen, die gera­de durch­fah­ren wer­den, sowie im Fahr­preis ent­hal­te­ne Wein- und Bier­pro­ben statt. Ins­ge­samt gab es drei sol­cher »Dome Cars« im Zug.

Täg­lich drei Mahl­zei­ten im Spei­se­wa­gen waren eben­falls im Fahr­preis ent­hal­ten, wobei im Vor­aus zwi­schen drei ver­schie­de­nen Essens­zei­ten gewählt wer­den muss­te. Das ers­te Din­ner gab es kurz nach­dem der Zug am Lake Sim­coe vor­bei­ge­fah­ren war.

Am nächs­ten Tag ging es wei­ter an den vie­len Seen der Pro­vinz Onta­rio vor­bei.

Im klei­nen Ort Arm­strong stie­gen eini­ge Pas­sa­gie­re ein- und aus. Die Gegend um Arm­strong ist beliebt für Out­door-Akti­vi­tä­ten.

Bis zum Abend ging es wei­ter durch Onta­rio.

West­lich von Onta­rio liegt die Pro­vinz Mani­to­ba. In deren Haupt­stadt Win­ni­peg soll­te der Zug eigent­lich um 19:30 Uhr ankom­men. Wegen der Ver­spä­tung war die Ankunft dann aber erst gegen ein Uhr nachts. In Win­ni­peg hat­te der Zug einen län­ge­ren Auf­ent­halt. Ich habe mir des­halb den Wecker gestellt und Fotos von der Uni­on Sta­ti­on und ihrer Kup­pel­hal­le gemacht. Die Uni­on Sta­ti­on wur­de zwi­schen 1908 und 1911 gebaut. Ent­wor­fen wur­de sie im Beaux-Art-Stil von den Archi­tek­ten Whit­ney War­ren und Charles D. Wet­mo­re, die auch das Grand Cen­tral Ter­mi­nal in New York ent­wor­fen haben. Von Win­ni­peg aus gibt es eine wei­te­re Eisen­bahn­stre­cke nach Chur­chill an der Süd­west­küs­te der Hud­son Bay.

Bei Son­nen­auf­gang am nächs­ten Mor­gen war der Zug immer noch in Mani­to­ba, erreich­te dann aber bald die Pro­vinz Sas­kat­che­wan.

Die Land­schaft war hier eine völ­lig ande­re. Sas­kat­che­wan besteht über­wie­gend aus Prä­rie.

Etwa die Hälf­te der Ein­woh­ner Sas­kat­che­wans leben in der Haupt­stadt Sas­katoon. In Sas­katoon wur­de der Zug auf­ge­tankt.

Spä­ter ging es auch in Sas­kat­che­wan an eini­gen Seen vor­bei.

Die west­lich von Sas­kat­che­wan lie­gen­de Pro­vinz Alber­ta wur­de dann am Abend erreicht.

Am frü­hen Mor­gen des 27.08.2025 kam der »Cana­di­an« bei strah­len­dem Son­nen­schein pünkt­lich in der Stadt Jas­per an. Irgend­wie wur­de die ursprüng­li­che Ver­spä­tung wie­der her­ein­ge­holt.

Jas­per befin­det sich in den Rocky Moun­ta­ins im Jas­per-Natio­nal­park und war mei­ne vor­läu­fi­ge End­sta­ti­on. Bevor es mit dem »Cana­di­an« wei­ter nach Van­cou­ver ging, habe ich eine Woche in Jap­ser ver­bracht.


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Kommentare

2 Kommentare zu „Im »Canadian« von Toronto nach Jasper“

  1. Avatar von Melanie (die eine Deutsche aus dem Canadian)
    Melanie (die eine Deutsche aus dem Canadian)

    Schön, die Rei­se so noch ein­mal nach­er­le­ben zu kön­nen. Dan­ke auch für die Fotos aus Win­ni­peg, das ich lei­der ver­schla­fen habe… Vie­le Grü­ße, mitt­ler­wei­le wie­der aus Deutsch­land, nach Asi­en (?)!

  2. Avatar von Bernd Rellermeyer

    Hal­lo Mela­nie,

    ich bin inzwi­schen in Japan in einer ganz ande­ren Kul­tur ange­kom­men. Die Über­fahrt mit dem Kreuz­fahrt­schiff war recht stür­misch. Hier ent­fal­ten die Herbst­blät­ter gera­de ihre Far­ben­pracht.

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