Die Grenzen der Welt

Eine Welterkundung


Leticia

Leticia

14.07.2025–16.07.2025, 19.07.2025–26.07.2025

Der kolum­bia­ni­sche Ort Leti­cia liegt im Gebiet des Drei­län­der­ecks Tres Fron­te­r­as zwi­schen Bra­si­li­en, Kolum­bi­en und Peru. Die Grenz­zie­hung zwi­schen den drei Län­dern wur­de 1922 durch den Ver­trag von Salomón-Loza­no gere­gelt, in dem Kolum­bi­en ein klei­ner Zip­fel des Ama­zo­nas­ge­biets zuge­spro­chen wur­de. Spä­ter kam es dann jedoch wegen Grenz­strei­tig­kei­ten doch noch zu einem Krieg zwi­schen Kolum­bi­en und Peru. Laut einem Arti­kel der Süd­deut­schen Zei­tung vom 14. August 2025 scheint der Kon­flikt noch immer nicht voll­stän­dig aus­ge­tra­gen zu sein.

Der Ama­zo­nas ist bei Leti­cia in zwei Arme auf­ge­spal­ten. Dazwi­schen befin­det sich die perua­ni­sche Insel San­ta Rosa, zu der man mit einer Fäh­re fah­ren kann, was ich aber nicht getan habe. Zwi­schen den Orten Leti­cia in Kolum­bi­en, Taba­tin­ga in Bra­si­li­en und San­ta Rosa in Peru kann man sich ohne Grenz­for­ma­li­tä­ten frei bewe­gen. Der direkt an Leti­cia gren­zen­de Ort Taba­tin­ga befin­det sich aller­dings in einer ande­ren Zeit­zo­ne.

Leti­cia ist eine unspek­ta­ku­lä­re Stadt. Im Par­que San­tan­der im Zen­trum Leti­ci­as fin­den sich wäh­rend der Abend­däm­me­rung Schwär­me von Vögeln ein, um sich für die Nacht in den Bäu­men nie­der­zu­las­sen. Zu die­sem Schau­spiel kom­men zahl­rei­che Ein­hei­mi­sche und Tou­ris­ten in den Park. Bei den Vögel han­delt es sich um Schmal­schna­bel­sit­ti­che, eine Gat­tung der Neu­welt­pa­pa­gei­en.

Auf dem Markt von Leti­cia gibt es neben den übli­chen Din­gen wie Gemü­se und Fisch auch Lar­ven von Käfern, genannt Mojo­joy.

Gegrill­te Mojo­joy kann man hier auch essen. Auch gegrill­ten Kai­man gibt es.

Bootstour in die Umgebung

15.07.2025

In die nähe­re Umge­bung Leti­ci­as bin ich auf einer Tages­tour mit dem Boot gefah­ren. Die ers­te Sta­ti­on war Puer­to Ale­gría, ein perua­ni­scher Ort eini­ge Kilo­me­ter nord­west­lich von Leti­cia auf der ande­ren Sei­te des Ama­zo­nas. Der gan­ze Ort scheint vom Tou­ris­mus der auf Tages­tou­ren ankom­men­den Boo­ten zu leben.

In einem Teich kann man hier die Rie­sen­see­ro­se Vic­to­ria regia sehen.

Die zwei­te Sta­ti­on war die Affen­in­sel Isla de los Micos. Hier leben Toten­kopf­af­fen, die bereits an die täg­lich her­ein­strö­men­den Tou­ris­ten gewöhnt sind. Es wur­de gera­ten, die Bril­le abzu­set­zen, da die Affen sie sonst ger­ne vom Kopf rei­ßen.

Auch eini­ge indi­ge­ne Dör­fer gibt es in der Umge­bung. Auf der Tages­tour wur­de das Dorf La Libert­ad ange­fah­ren. Des­sen Bewoh­ner leben offen­bar eben­falls haupt­säch­lich vom Tou­ris­mus.

Das Mit­tag­essen gab es in Puer­to Nari­ño. Die­ser auto­freie Ort hat sich ganz dem Öko­tou­ris­mus ver­schrie­ben. Nach Puer­to Nari­ño bin ich zwei Tage spä­ter noch ein­mal von Leti­cia aus mit dem öffent­li­chen Boot gefah­ren.

Auf der Rück­fahrt nach Leti­cia haben wir Ama­zo­nas­del­fi­ne gese­hen, die auf mei­nen Fotos lei­der wie­der ein­mal kaum zu erken­nen sind.

Die Tages­tour war ziem­lich tou­ris­tisch. Aber die hie­si­ge Bevöl­ke­rung will ja schließ­lich auch vom Tou­ris­mus pro­fi­tie­ren.

Noch eine Dschungeltour

22.07.2025–24.07.2025

Eine Dschun­gel­tour ist der Haupt­grund, um nach Leti­cia zu kom­men. Da mei­ne Dschun­gel­tour in Man­aus ziem­lich ver­reg­net gewe­sen war, habe ich von Leti­ca aus eine wei­te­re Dschun­gel­tour, dies­mal mit dem Unter­neh­men Ama­zon Expe­ri­ence, gemacht. Die Tour dau­er­te drei Tage/zwei Näch­te. Früh mor­gens fuh­ren wir mit dem Van elf Kilo­me­ter in nörd­li­che Rich­tung, von wo aus wir eine drei­ein­halb­stün­di­ge Wan­de­rung durch den Regen­wald bis zu einem Dschun­gel­camp mach­ten. Dort ver­brach­ten wir die ers­te Nacht in Hän­ge­mat­ten.

Hin­ter dem Dschun­gel­camp gab es eine Stel­le an einem Bach, an der geba­det wer­den konn­te. Am Abend wur­de eine Mam­be-Zere­mo­nie ver­an­stal­tet, wofür wir bereits am Nach­mit­tag im Regen­wald die dafür not­wen­di­gen Uten­si­li­en gesam­melt hat­ten, näm­lich Blät­ter des Koka­strauchs und Blät­ter des Amei­sen­baums. Die­se wur­den für die Zube­rei­tung von Mam­be benö­tigt, einem Pul­ver, das auf­wen­dig aus der Asche der vor­her gerös­te­te­ten, gemah­le­nen und gesieb­ten Blät­ter her­ge­stellt und wäh­rend der Zere­mo­nie gekaut wird. Mam­be-Zere­mo­nien wer­den von der indi­ge­nen Bevöl­ke­rung abends in soge­nann­ten Malo­cas, tra­di­tio­nel­len Lang­häu­sern, prak­ti­ziert wobei dann spi­ri­tu­el­le Ver­bin­dun­gen ver­tieft wer­den und die Ein­heit mit dem Kos­mos her­ge­stellt wird. Auch dis­ku­tiert wird dabei viel. Der indi­ge­ne Lei­ter unse­rer Mam­be-Zere­mo­nie hat uns eben­falls viel zu erzäh­len gehabt, was ich wegen mei­ner immer noch man­gel­haf­ten Spa­nisch­kennt­nis­se lei­der nicht ganz ver­stan­den habe.

Auch Eso­te­ri­ker haben das Mam­be-Pul­ver für sich ent­deckt und schrei­ben ihm aller­lei spi­ri­tu­el­le und hei­len­de Kräf­te zu.

Nach der Mam­be-Zere­mo­nie haben wir noch eine Abend­wan­de­rung gemacht und dabei eini­ge Tie­re des Regen­wal­des gese­hen.

Am nächs­ten Mor­gen dau­er­te der Rück­weg durch den Regen­wald bis zur Stra­ße nur ein­ein­halb Stun­den. Mit dem Van ging es dann bis zu einer Boots­an­le­ge­stel­le und von da aus auf dem Río Yava­rí zu einem Ort namens Sacam­bu, wo wir in einer Lodge mit dem Namen »Reser­va 5 Her­ma­nos« über­nach­tet haben.

Sacam­bu liegt auf der perua­ni­schen Sei­te des Ama­zo­nas, die Betrei­ber der Lodge spre­chen aller­dings por­tu­gie­sisch. Auch Bier gibt es in der Log­de zu kau­fen. Für die Über­nach­tung konn­te man zwi­schen einem Bett in einem Zim­mer und einer Hän­ge­mat­te in einem offe­nen Hän­ge­mat­ten­raum wäh­len. Da es Strom aus dem Gene­ra­tor nur bis 22 Uhr gab und in den Zim­mern daher wäh­rend der Nacht kei­ne Ven­ti­la­to­ren lau­fen konn­ten, habe ich mich für den gut belüf­te­ten Hän­ge­mat­ten­raum ent­schie­den.

Am Nach­mit­tag ging es auf einer Boots­fahrt zum Lago Sacam­bu und zum bereits aus der Dschun­gel­tour in Man­aus bekann­ten Piran­ha-Fischen. Auf der Boots­fahrt wur­den auch wie­der Ama­zo­nas­del­fi­ne gesich­tet.

Die Rück­fahrt zur Lodge erfolg­te bei Son­nen­un­ter­gang.

Nach dem Abend­essen gab es eine wei­te­re Boots­fahrt, auf der nach Kai­ma­nen Aus­schau gehal­ten wur­de. Ein Baby­kai­man wur­de zur Ansicht ins Boot geholt.

Am nächs­ten Mor­gen ging es zunächst zum Cen­tro Res­ca­te Pira­rucú, einem Reser­vat zur Ret­tung ver­letz­ter Tie­re.

Natur­ge­mäß sieht man in einem sol­chen Reser­vat die Tie­re viel bes­ser als in frei­er Wild­bahn. Es waren die Tukan­ar­ten Braun­ohr­as­sa­ri und Weiß­brust­tu­kan, die Papa­gei­en­art Schar­la­cha­ra sowie Rote Brüll­af­fen und die bereits von der Isla de los Micos bekann­ten Toten­kopf­af­fen zu sehen. Die Tie­re waren an die vie­len täg­lich vor­bei­schau­en­den Tou­ris­ten gewöhnt.

Die High­lights des Reser­vats waren die gefähr­li­chen Tie­re. In einem Teich tauch­te bei der Füt­te­rung mit Fisch­stück­chen ein Pira­rucú auf. Pira­rucús kön­nen mehr als zwei Meter lang und mehr als 100 kg schwer wer­den.

In einem Becken war eine Gro­ße Ana­con­da zu sehen, eine der größ­ten Schlan­gen der Welt. Ana­con­das wer­den in der Regel bis zu fünf Meter lang und bis zu 100 kg schwer.

Nach dem Besuch des Reser­vats ging es wie­der zurück zur Lodge und dann nach Leti­cia. Lei­der haben wir auch dies­mal kei­ne Faul­tie­re gese­hen.

Leti­cia kann man nur per Flug­zeug oder Fluss­schiff errei­chen. Schif­fe fah­ren nur nach Iqui­ti­os in Peru und nach Man­aus in Bra­si­li­en. Regel­mä­ßi­gen Schiffs­ver­kehr ins Kern­land Kolum­bi­ens gibt es nicht. Daher muss­te ich von Leti­cia nach Bogo­tá flie­gen.


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Kommentare

2 Antworten zu „Leticia“

  1. Avatar von Andi Fehrer
    Andi Fehrer

    Mei­ne Frau ist ganz begeis­tert: “ Da will ich auch hin!“ 🙂
    Wir sind auch ganz fas­zi­niert, wo es über­all Tou­ris­mus gibt….
    und Autos…
    Wie ist das mit Mos­ki­tos und ande­rem Stech­ge­tier? Gibt es da kei­ne Pro­ble­me im Dschun­gel? Du schaust gar nicht zer­sto­chen aus.

    1. Avatar von Bernd Rellermeyer

      Mos­ki­tos gab es tat­säch­lich nur weni­ge. Nur am letz­ten Tag am Was­ser wim­mel­te es davon. Da hilft nur viel Mos­ki­to­spray.

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