Die Grenzen der Welt

Eine Welterkundung


São Luís

São Luís

30.05.2025–05.06.2025

Eine wei­te­re lan­ge Bus­fahrt von Reci­fe nach São Luís dau­er­te etwa 27 Stun­den. São Luís liegt auf einer Halb­in­sel zwi­schen der Bucht von São Mar­cos und der Bucht von São José. Die Stadt wur­de 1612 als fran­zö­si­scher Stütz­punkt gegrün­det, ist aber bereits 1615 von den Por­tu­gie­sen ein­ge­nom­men wor­den. Auch die Hol­län­der waren an der Gegend inter­es­siert. Zwi­schen 1631 und 1664 gehör­te São Luís zu Nie­der­län­disch-Bra­si­li­en.

In der etwas ver­fal­le­nen Alt­stadt von São Luís, die UNESCO-Welt­erbe ist, kann man zahl­rei­che Häu­ser mit bemal­ten por­tu­gie­si­schen Flie­sen, soge­nann­ten Azu­le­jos, sehen.

Belieb­te tou­ris­ti­sche Stra­ßen mit der­ar­ti­gen Häu­sern sind die Rua Por­tu­gal und die Rua do Giz.

Außer­halb des tou­ris­ti­schen Zen­trums hat die Stadt einen etwas ver­las­se­nen Ein­druck auf mich gemacht.

Der Palá­cio dos Leões ist heu­te der Regie­rungs­sitz des Bun­des­staa­tes Maran­hão. Er befin­det sich dort, wo die Stadt São Luíz gegrün­det wur­de und frü­her das heu­te nicht mehr exis­tie­ren­de von den Fran­zo­sen errich­te­te Fort Saint Lou­is stand. Man kann den Palast besich­ti­gen; innen ste­hen aber nur alte Möbel her­um.

Nicht weit ent­fernt vom Palá­cio dos Leões, an der Pra­ça Pedro II, befin­det sich die Kathe­dra­le von São Luís. Hier sah alles eini­ger­ma­ßen restau­riert aus.

Als Fol­ge des trans­at­lan­ti­schen Skla­ven­han­dels hat São Luíz ein aus­ge­präg­tes afri­ka­ni­sches Flair. Geht man die Rua do Giz in süd­li­che Rich­tung, dann gelangt man zur Cafuá das Mer­cês, einem klei­nen Muse­um, das sich der afri­ka­ni­schen Kul­tur von São Luís wid­met. Es steht an der Pra­ça da Libert­ade, wo sich frü­her der Skla­ven­markt befand. Heu­te erin­nern hier eini­ge Figu­ren an einer wei­ßen Wand an die Skla­ve­rei in Bra­si­li­en.

Noch wei­ter süd­lich, an der Rua da Pal­ma, befin­det ich eine der ältes­ten Kir­chen in São Luís, die Igre­ja de São José do Des­ter­ro. Ihr ursprüng­li­cher Bau stammt mög­li­cher­wei­se aus dem Jahr 1618. Das heu­ti­ge Gebäu­de ist aller­dings von 1869 und wur­de 1943 und 1975 restau­riert.

Am Wochen­en­de war in der Alt­stadt viel los. Vor allem in der Rua da Est­re­la und die Rua Por­tu­gal war das Gedrän­ge groß. An Stän­den wur­den Cai­pi­rin­ha und ande­re Coc­tails ver­kauft. Über­all dröhn­te es aus Laut­spre­chern, und in der Rua Djal­ma Dutra gab es Reg­gae-Musik.

Außer­halb des Zen­trums war es dage­gen gespens­tisch leer, und ich war schon in Sor­ge, ob der hal­be Kilo­me­ter zurück bis zur Unter­kunft über­haupt sicher genug war. Ab Mon­tag war es dann auch im Zen­trum bedeu­tend ruhi­ger.

Am Sonn­tag wur­de wei­ter­ge­fei­ert. Es gab grü­nes Bier aus einer Zapf­säu­le und Chur­ras­co do Che­fe.

An der Pra­ça da Fé, in der Nähe der Anle­ge­stel­le der Boo­te nach Alcân­ta­ra, steht das ehe­ma­li­ge Zoll­haus Casa do Maran­hão. Heu­te ist es ein Muse­um.

Vor der Bar do Por­to nahe des Zoll­hau­ses gab es abends Live-Musik eines Solo­mu­si­kers. Am Wochen­en­de war hier alles hoff­nungs­los über­füllt, unter der Woche habe ich dann einen Platz bekom­men.

Alcântara

04.06.2025

Auf der ande­ren Sei­te der Bucht von São Mar­cos befin­det sich der klei­ne Ort Alcân­ta­ra. Frü­her war Alcân­ta­ra die wich­tigs­te Stadt in der Regi­on, im 19. Jahr­hun­dert ver­lor sie ihre Bedeu­tung jedoch an São Luís. Heu­te leben in Alcân­ta­ra nur noch etwa 4000 Men­schen, größ­ten­teils in Armut.

Von São Luís aus fah­ren regel­mä­ßig Boo­te nach Alcân­ta­ra. Es war jedoch etwas schwie­rig, die sich nach den Gezei­ten rich­ten­den Abfahrts­zei­ten her­aus­zu­fin­den. Bei nied­ri­gem Was­ser­stand kann es auch sein, dass über­haupt kein Boot fährt. Schließ­lich hat es dann aber doch geklappt. Das Boot fuhr mor­gens erst um 10:30 Uhr los und am Nach­mit­tag bereits um 15:00 zurück, so dass die Zeit in Alcân­ta­ra ziem­lich kurz war. Tickets konn­te man erst eine Stun­de vor­her kau­fen.

Kurz nach der Abfahrt hat­te man eine gute Sicht auf die Casa do Maran­hão und den Palá­cio dos Leões.

Gegen 12:00 Uhr kam das Boot in Alcân­ta­ra an. Auf dem Weg ins Zen­trum führt die stei­le Stra­ße Ladei­ra do Jaca­ré zunächst zur klei­nen Cape­la das Mer­cês.

Das Zen­trum Alcân­ta­ras ist die Pra­ça da Matriz mit der Rui­ne der Igre­ja Matriz de São Mati­as aus dem 17. Jahr­hun­dert. Vor der Kir­che steht ein Pelour­in­ho, an dem frü­her Skla­ven aus­ge­peitscht wur­den. Es ist der best­erhal­te­ne Pelour­in­ho in Bra­si­li­en.

Außer­dem ste­hen an der Pra­ça da Matriz noch die Pre­feit­u­ra (das blaue Gebäu­de), in der sich auch das Gefäng­nis befand, und das his­to­ri­sche Muse­um, in dem alte Möbel eines por­tu­gie­si­schen Kauf­manns zu sehen sind. Ein ande­res Muse­um, das Museu Casa His­tóri­co, war lei­der geschlos­sen.

Hin­ter der Pra­ça da Matriz ver­läuft ein klei­ner Fuß­weg, die Rua da Amar­gu­ra, mit einer Rei­he von Rui­nen. Am Palá­cio Negro befand sich frü­her der Skla­ven­markt von Alcân­ta­ra.

Der Palá­cio do Impe­ra­dor wur­de angeb­lich für den bra­si­lia­ni­schen Kai­ser Dom Pedro II. gebaut, als die­ser Alcân­tra besu­chen woll­te. Der Besuch fand jedoch nie statt.

Neben der Igre­ja de Nos­sa Senho­ra do Car­mo befin­den sich die Rui­nen eines Klos­ters. Die Kir­che war lei­der geschlos­sen, soll aber innen sehr schön sein.

Jedes Jahr kurz vor Pfings­ten gibt es in Alcân­ta­ra ein spek­ta­ku­lä­res Fest mit einer gro­ßen Pro­zes­si­on, das Festo do Divi­no. Kurz vor dem Fest wird ein Kai­ser oder eine Kai­se­rin gewählt (das Geschlecht wech­selt jähr­lich). Die­ses Jahr fand das Fest am 28. Mai statt, und es wur­de Kai­ser Harol­do gewählt. In der Casa do Divi­no war ich lei­der nicht.


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