18.05.2025–24.05.2025
Von Brasília nach Salvador de Bahia benötigte der Bus 29 Stunden. Es war die bisher längste Busfahrt auf meiner Reise. Nach den etwas kühleren Temperaturen in Mina Gerais und Brasília bin ich in Salvador wieder in der Hitze angekommen. Die Stadt liegt an der Allerheiligenbucht, in der am Allerheiligentag des Jahres 1501 eine portugiesische Flotte landete. Bevor der Regierungssitz 1763 nach Rio de Janeiro verlegt wurde, war sie Hauptstadt Brasiliens.
Lange Zeit war Salvador ein Zentrum des Sklavenhandels in Brasilien, was man noch heute an der Bevölkerungsstruktur merkt. In der Region haben mehr als achtzig Prozent der Bevölkerung afrobrasilianische Wurzeln. Denkwürdigerweise ging in Salvador bereits in der sogenannten »Baianischen Verschwörung« 1798–1799 die Forderung nach Unabhängigkeit von Portugal mit der Forderung der Abschaffung der Sklaverei einher. Abgeschafft hat Brasilien die Sklaverei dann allerdings erst 1888 als letztes Land der westlichen Welt.
In den Straßen und auf den Plätzen Salvadors sieht man zahlreiche sogenannte Baianas, schwarze Frauen in traditioneller Kleidung, die sich gegen Geld fotografieren lassen. Die Kleidung der Baianas geht auf Traditionen der afrobrasilianischen Candomblé-Religion zurück, einer Religion mit westafrikanischen Wurzeln, die als Folge des Sklavenhandels in Brasilien entstanden ist. Manche Baianas verkaufen an Ständen Acarajé, ein beliebtes Streetfood, das aus einem Teig aus Bohnen besteht und mit Tomatensalat und Garnelen gefüllt ist.

Salvador ist in eine Oberstadt cidade alta und eine Unterstadt cidade baixa geteilt. Das koloniale Zentrum liegt in der Oberstadt. An der Praça da Sé stand früher die Kathedrale Salvadors. Sie war baufällig und wurde 1933 abgerissen. Auch der Erzbischöfliche Palast befindet sich an der Praça da Sé.


Die heutige Kathedrale ist eine ehemalige Jesuitenkirche am angrenzenden Platz Terreiro de Jesus. Innen ist sie mit viel Gold verziert. In der Nähe des Eingangs ist ein Grundstein der Kirche aus dem Jahr 1656 ausgestellt, auf dem das Symbol der Gesellschaft Jesu abgebildet ist.






Gegenüber der Kathedrale befindet sich eine weitere Kirche, die Igreja da Ordem Terceira da Penitência de São Domingos de Osma.

Eine bedeutende Rolle in Salvador spielt der Karneval. Es ist der größte Straßenkarneval der Welt, in den auch viele afrobrasilianische Elemente eingeflossen sind. In der Casa do Carnaval kann man Bilder und Gegenstände des Karnevals sehen.

An einer Seite des Terreiro de Jesus schließt sich ein weiterer Platz an, der längliche Largo do Cruzeiro. An dessen Ende steht die Kirche São Francisco, eine bedeutende Kirche des brasilianischen Barocks. Laut Wikipedia-Artikel wurde etwa eine Tonne Gold für die Innendekoration der Kirche verwendet. Leider war die Kirche während meines Aufenthalts wegen Reparaturarbeiten geschlossen, da im Februar ein Teil des Daches eingestürzt war. Am Largo do Cruzeiro gibt es auch einige Restaurants und abends häufig Live-Musik.


Neben der Igreja de São Francisco steht die Igreja da Ordem Terceira de São Francisco. Sie ist berühmt wegen ihrer reich verzierten Fassade. Bei Umgestaltungen im 19. Jahrhundert wurde die Fassade vollständig mit Mörtel verputzt und erst 1932 zufällig wiederentdeckt, als ein Elektriker bei der Installation von Lampen ein Stück vom Putz abriss.

Die Wände im Kreuzgang sind mit bemalten blauen Kacheln versehen.

Weiter in nördliche Richtung geht es zum Largo do Pelourinho. Pelourinho heißt übersetzt »Pranger«; am Largo do Pelourinho stand früher ein Pranger, an dem Sklaven ausgepeitscht wurden. Auch der Sklavenmarkt befand sich dort. Ab 1990 wurde das Viertel mit Hilfe der UNESCO restauriert. Heute ist es das touristische Zentrum Salvadors und ein Künstlerviertel. Die früheren Bewohner wurden umgesiedelt.



Ein beliebtes Fotomotiv am Largo do Pelourinho ist die Casa de Jorge Amado, in dem der brasilianische Schriftsteller Jorge Amado gewohnt hat.

In Pelourinho befindet sich auch die Igreja do Rosário dos Pretos, die Kirche der Schwarzen. Erbaut wurde sie ab 1804 von der Bruderschaft Irmandade de Nossa Senhora do Rosário de Salvado, einer Bruderschaft schwarzer Brasilianer. Jeden Dienstag abend wird hier eine Misa-Afro mit Elementen aus der Candomblé-Religion gefeiert.


Eines Tages sprach mich jemand in der Nähe der Kathedrale an und fragte mich, ob ich an daran interessiert wäre, an einer authentischen Candomblé-Zeremonie teilzunehmen. Naturgemäß war ich skeptisch und habe zunächst dankend abgelehnt. Später habe ich mich aber doch dazu entschlossen, daran teilzunehmen, wofür in einer Touristenagentur dann eine Gebühr verlangt wurde. Abends wurde ich mit einem Auto zu einem etwas außerhalb des Zentrums liegenden Ort gefahren, wo dann auch tatsächlich eine Candomblé-Zeremonie stattfand. Außer mir waren nur wenige andere Touristen anwesend, und es handelte sich auch nicht um eine touristische Veranstaltung, wie ich anfangs befürchtet hatte. Die Einheimischen haben viel getanzt, und anschließend gab es draußen für jeden etwas zu Essen. Am Ende der Zeremonie wurde einer heiligen Person gehuldigt und eine Geldspende gegeben. Fotos durften nicht gemacht werden.
Zurück in Salvador. Geht man vom Largo de Pelourinho die Ladeira do Carmo ein Stück hinauf, dann gelangt man zu den beiden Kirchen Igreja do Carmo und Igreja da Ordem Terceira do Carmo aus dem 17. Jahrhundert. In letzterer befindet sich ein kleines Museum, in dem u. a. eine aus Zedernholz gefertigte Christusfigur ausgestellt ist. Sie wurde von dem Sklaven Francisco das Chavas angefertigt, der als »Aleijadinho von Bahia« gilt. Auf der Figur sind zweitausend Rubinsplitter aus Indien als Blutstropfen aufgesetzt. Ob es tatsächlich zweitausend sind, darf bezweifelt werden.




Noch weiter nördlich befindet sich das Forte de Santo Antônio Além do Carmo. Es wurde ebenfalls im 17. Jahrhundert errichtet, um niederländische Invasoren abzuwehren. Besonders sehenswert fand ich das Fort nicht, und es scheinen sich auch nicht viele Touristen bis hierhin zu verlaufen.

In die Unterstadt gelangt man mit dem Lacerda-Aufzug. Er befindet sich etwas südwestlich der Praça da Sé an der Praça Tomé de Souza. Alternativ kann man auch eine Standseilbahn in der Nähe der Casa do Carnaval nehmen.



Unten befindet sich an der Praça do Mercado der restaurierte Mercado Modelo und die vollständig mit blauen Ziegeln verkleidete Casarão dos Azulejos Azuis, heute ein Musikzentrum.


Ansonsten gibt es in der Unterstadt auch zahlreiche halbverfallene alte Häuser.


Einige Kilometer nördlich vom Zentrum Salvadors steht die Wallfahrtskirche Igreja Nosso Senhor do Bonfim. Jedes Jahr am zweiten Donnerstag nach Dreikönig findet hier die Festa do Senhor do Bonfim statt. An diesem Tag pilgern zahlreiche Baianas in traditioneller Kleidung in einer Prozession die acht Kilometer von der Basílica Nossa Senhora da Conceição da Praia in der Innenstadt hierher und waschen in einem Ritual, das Lavagem do Bofim genannt wird, die Stufen und den Platz vor der Kirche. Das Fest ist ein Synkretismus zwischen dem Katholizismus und der Candomblé-Religion, und das Waschritual war zeitweise verboten. Ich bin mit einem Uber zur Kirche gefahren.

Der Leuchtturm im Stadtteil Barra am Eingang der Allerheiligenbucht, südlich vom Zentrum Salvadors, befindet sich in einem Fort, dem Forte de Santo António da Barra. Auf dem etwa fünf Kilometer langen Weg vom Zentrum zum Leuchtturm kommt man unterwegs an drei weiteren Forts vorbei, dem Forte de Monte Serrat mit der kleine Capela Nossa Senhora de Monte Serrat, dem Forte de São Diogo und dem Forte de Santa Maria. Zwischen dem Forte de São Diogo und dem Forte de Santa Maria befindet sich ein kleiner Stadtstrand.




Schließlich gelangt man zum Forte de Santo António da Barra mit dem Leuchtturm Farol da Barra.

Der Platz am Leuchtturm ist ein beliebter Ort für den Sonnenuntergang. Ich bin jedoch vorher mit einem Uber zurückgefahren.

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