07.05.2025–12.05.2025
Von Rio de Janeiro aus bin ich mit dem Nachtbus nach Ouro Preto gefahren. Der Bus benötigte für die Fahrt acht Stunden. Ouro Preto hieß ursprünglich Vila Rica und war bis 1889 die Hauptstadt des Bundesstaats Minas Gerais. Wegen seiner kolonialen Altstadt ist Ouro Preto ein beliebtes Touristenziel. Seit 1980 ist die Altstadt von Ouro Preto UNESCO-Welterbe.
Ouro Preto liegt auf 1179 Metern Höhe und bei den Spaziergängen durch den Ort ging es ständig auf und ab. Außerdem war es ziemlich kühl.





1789 kam es in Minas Gerais zu einem Aufstand mit dem Ziel der Unabhängigkeit von Portugal. Der Aufstand mit dem Namen Inconfidência Mineira wurde jedoch aufgrund eines Verrats niedergeschlagen. Einer der Anführer, genannt Tiradentes, auf deutsch »Zahnzieher«, wurde zum Tode verurteilt, gehängt und gevierteilt. Sein Kopf wurde zur Abschreckung auf der heutigen Praça Tiradentes zur Schau gestellt. Heute ist Tiradentes ein Nationalheld.

Die beiden Museen an der Praça Tiradentes, das Museu da Inconfidência und das Museu de Ciència e Técnica, waren während meines Aufenthalts in Ouro Preto beide geschlossen. Ersteres befindet sich im ehemaligen Rathaus und Gefängnis von Vila Rica, letzteres im ehemaligen Gourverneurspalast.


In der Rua São José befindet sich die Casa dos Contos. Erbaut wurde sie vom portugiesischen Kaufmann João Rodrigues de Macedo. In der Casa dos Contos wurde auch der Aufstand Inconfidência Mineira geplant. 1797 verkaufte der hochverschuldete Macedo sein Haus an die königliche Schatzkammer, daher der Name Casa dos Contos. Heute befindet sich in dem Gebäude ein Museum über die Geschichte des Goldkreislaufs.

Wie nicht anders zu erwarten, gibt es in Ouro Preta eine Unzahl von Kirchen. Die bekannteste ist die Igreja de São Francisco de Assis. Dessen Fassade und vieles andere stammt von Antônio Francisco Lisboa, genannt Aleijadinho, einem Künstler aus Vila Rica. Aleijandinho litt seit seiner Kindheit an Lepra und ließ sich im Alter die Bildhauerwerkzeuge an seine verkrüppelten Arme binden. Im Inneren der Kirche gibt es viel Gold, u. a. einen vergoldeten Altar. Im Jahr 2009 wurde die Kirche zu einem der »sieben Weltwunder portugiesischer Herkunft« erklärt. Auch so etwas gibt es.


Etwas erhöht befindet sich die Igreja Matriz de Nossa Senhora da Conceiçao.

Auf der Ladeira Santa Efigênia steht die Igreja Matriz de Santa Efigênia. Sie war früher eine Kirche für schwarze Sklaven. Innen gibt es zahlreiche Schnitzereien mit afrobrasilianischen Symbolen. Die Fassade der Kirche ist, anders als die Fassaden anderer Kirchen in Ouro Preto, vom Zentrum der Stadt abgewandt.



Der Legende nach wurde Chico Rei, der König eines kongolesischen Stammes, im Jahr 1740 mit seinem gesamten Hofstaat nach Brasilien verschleppt und arbeitete als Sklave in der Goldmine Encardideira. Es gelang ihm, sich freizukaufen. Später kaufte er auch die Mine Encardideira. Mit dem Gold aus der Mine finanzierte er die Freilassung anderer Sklaven und den Bau der Kirche. Die freigekauften Sklaven schlossen sich zu einer Bruderschaft zusammen, der Bruderschaft der Santa Efigênia.
In einer Ecke der Kirchendecke befindet sich ein Gemälde, das einen schwarzen Papst zeigt. Manche meinen, auf dem Gemälde sei Chico Rei abgebildet.

Die Mine Encardideira heißt heute Chico-Rei-Mine und kann besichtigt werden. Ich war aber in einer anderen Mine.
Die Basílica de Nossa Senhora do Pilar ist eine bedeutende Kirche des brasilianischen Barocks in Ouro Preto.


Die Igreja de Nossa Senhora do Rosário hat eine ungewöhnliche runde Fassade. Sie wurde von der Bruderschaft Irmandade de Nossa Senhora do Rosário dos Pretos gebaut, um die Religiösität der Schwarzen zu fördern. Schwarze durften während der Kolonialzeit nicht dieselben Kirchen besuchen wie Weiße.

In der Nähe der Praça Tiradentes befindet sich die Rokoko-Kirche Igreja de Nossa Senhora do Carmo.

Die Igreja São Francisco de Paula stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist die letzte in der Kolonialzeit errichtete Kirche in Ouro Preto.


Die Igreja Nossa Senhora das Mercês e Perdões stammt aus dem 18. Jahrhundert.


Minas Gerais heißt auf deutsch »allgemeine Minen« und Ouro Preto »schwarzes Gold«. Um 1700 wurden in Minas Gerais Goldvorkommen entdeckt. In der Folge kam es zu einem kurzen Goldrausch, der jedoch bereits ab der Mitte des 18. Jahrhunderts zu Ende ging, da die Goldvorkommen doch nicht so groß waren. Auf dem Höhepunkt des Goldrausches war Ouro Preto die reichste Stadt auf dem amerikanischen Kontinent. Da das Gold nach Portugal und dort gegen militärische Hilfe weiter nach England ging, sind einige Historiker der Meinung, dass mit dem Gold aus Ouro Preto die industrielle Revolution in England finanziert worden sei.
In den Goldminen arbeiteten vor allem Sklaven aus Afrika, weswegen es während des Goldrauschs zu einem Anstieg des Sklavenhandels in Brasilien kam.
In Ouro Preto habe ich eine Tour mit einer von meiner Unterkunft organisieren Führerin gemacht, auf der wir zunächst einige Kirchen, darunter die Igreja Matriz de Santa Efigênia, und dann die ehemalige Mina do Bijoca besichtigt haben.

Am frühen Abend sind wir dann zur Capela Nossa Senhora das Dores hinaufgestiegen, von wo aus man eine gute Aussicht auf Ouro Preto hat. Leider befand sich die Stadt im Gegenlicht.


Zum Schluss noch ein architektonisches Highlight anderer Art. Das 1940 gebaute Grande Hotel ist eins der ersten Werke des brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer.

Folge 177 der Reihe »Schätze der Welt—Erbe der Menschheit« handelt von Ouro Preto.

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