Die Grenzen der Welt

Eine Welterkundung


Rio de Janeiro

Rio de Janeiro

30.04.2025–06.05.2025

Der Bus von São Pau­lo nach Rio de Janei­ro benö­tigt nur sie­ben Stun­den. Aus­nahms­wei­se konn­te ich des­halb in dem ansons­ten durch gro­ße Ent­fer­nun­gen gepräg­ten Bra­si­li­en einen Bus am Tag neh­men. In Rio de Janei­ro habe ich mal wie­der in einem Hos­tel­bett über­nach­tet, und zwar im Hos­tel Aqua­re­la do Leme im Stadt­teil Leme, der an das nörd­li­che Ende der Copa­ca­ba­na grenzt. Leme ist zwar ein geho­be­nes Stadt­vier­tel, mein Hos­tel lag jedoch am Rand einer Fave­la. Nach Anga­ben der Hos­tel­be­trei­ber war Gegend sicher, solan­ge man außer­halb der Fave­la blieb.

Vor der Errich­tung Bra­sí­li­as war Rio de Janei­ro die Haupt­stadt Bra­si­li­ens. Rio de Janei­ro heißt auf Deutsch »Fluss des Jagu­ars« und ist nach São Pau­lo die zweit­größ­te Stadt Bra­si­li­ens. Gas­par de Lemos, der Kapi­tän einer der Schif­fe, die am 22. April 1500 Bra­si­li­en ent­deck­ten, hielt die Gua­nab­a­ra-Bucht, an der Rio de Janei­ro liegt, irr­tüm­lich für eine Fluss­mün­dung.

In der Nähe mei­nes Hos­tels und zu Fuß zu errei­chen lag der vier Kilo­me­ter lan­ge Sand­strand der Copa­ca­ba­na. Ent­lang des Stran­des ver­läuft die Pro­me­na­de Ave­ni­da Atlân­ti­ca mit einem brei­ten Bür­ger­steig, auf dem man an zahl­rei­chen Stän­den den all­ge­gen­wär­ti­gen Cai­pi­rin­ha bekom­men kann. Abends öff­nen hier vie­le Restau­rants.

Wäh­rend mei­nes Auf­ent­halts in Rio de Janei­ro gab Lady Gaga ein kos­ten­lo­ses Kon­zert an der Copa­ca­ba­na. Gewohnt hat sie im Luxus­ho­tel Copa­ca­ba­na Palace. Bereits einen Tag vor dem Kon­zert kam sie am spä­ten Nach­mit­tag für etwa zehn Minu­ten aus dem Hotel auf die Büh­ne. Ich lief gera­de an der Copa­ca­ba­na ent­lang, als plötz­lich alle Leu­te krei­schend zur Büh­ne lie­fen. Nach einer kur­zen Musik­ein­la­ge war der Spuk dann wie­der vor­bei. Am Abend des Kon­zerts bin ich dann auch brav zum Strand gegan­gen und habe auf den Beginn des Kon­zerts gewar­tet. Der soll­te eigent­lich um 21 Uhr sein, war aber erst nach 22 Uhr. Das Kon­zert wur­de durch rie­si­ge Laut­spre­cher über­tra­gen, und man konn­te Lady Gaga auf gro­ßen Bild­schir­men sehen, wenn man, so wie ich, ganz hin­ten geblie­ben ist, und nicht in das Gedrän­ge woll­te. Das Kon­zert habe ich aller­dings nur eine Stun­de ertra­gen und bin dann wie­der zurück zum Hos­tel gegan­gen. Das Kon­zert ging noch bis halb eins, und es waren wohl bis zu zwei Mil­lio­nen Men­schen da. Erfah­ren hat­te ich vom Lady-Gaga-Kon­zert erst, als ich bereits in Rio war. Hät­te ich das vor­her gewusst, wäre ich in einer ande­ren Woche gekom­men.

Nach­trag: Nach einer Schät­zung der BBC waren wohl nur 660000 Men­schen auf dem Kon­zert, ent­ge­gen der offi­zi­el­len Ver­si­on von 2,1 Mil­lio­nen.

Am süd­li­chen Ende der Copa­ca­ba­na steht eine Fes­tung, das For­te de Copa­ca­ba­na.

Ein Wahr­zei­chen Rio de Janei­ros, das man von der Copa­ca­ba­na aus sehen kann, ist der Zucker­hut, auf por­tu­gie­sisch Pão de Açú­car.

Ich bin auf den Zucker­hut im Rah­men einer etwas über­teu­er­ten Tages­tour gefah­ren. Die Tour star­te­te im Stadt­teil Lapa. Tou­ris­ti­sches High­light ist hier aus mir uner­find­li­chen Grün­den eine geflies­te Trep­pe des chi­le­ni­schen Künst­lers Jor­ge Sel­arón. Die Trep­pe wim­mel­te von Tou­ris­ten.

Ansons­ten gibt es in Lapa noch einen alten Aquä­dukt aus der Kolo­ni­al­zeit, eine Kir­che und eini­ge wei­te­re alt aus­se­hen­de Gebäu­de. Abends ist Lapa ein Aus­geh­vier­tel.

Die moder­nis­ti­sche Cate­dral Metro­po­li­ta­na wur­de zwi­schen 1964 und 1979 gebaut. Im gegen­über­lie­gen­den Hoch­haus gibt es eine inter­es­san­te Spie­ge­lung.

Dann ging es zum Zucker­hut. Von der Pra­ça Gene­ral Tibúr­cio aus fährt die Seil­bahn Bond­in­ho in zwei Abschnit­ten auf den Gip­fel. Der ers­te Abschnitt geht auf den Mor­ro da Urca.

Vom Mor­ro da Urca aus fährt eine wei­te­re Seil­bahn dann auf den 395 Meter hohen Zucker­hut, von wo aus man die Copa­ca­ba­na und den Cris­to Reden­tor sehen kann.

Nach dem Besuch des Zucker­huts ging es auf der Tages­tour auch noch zum Cris­to Reden­tor, wo wir am spä­ten Nach­mit­tag ange­ka­men. Der Cris­to Reden­tor gehört zu den soge­nann­ten »neu­en sie­ben Welt­wun­dern«. Sie ist in Rio die Tou­ris­ten­at­trak­ti­on schlecht­hin und man konn­te vor lau­ter Men­schen­an­drang kaum ein gutes Foto oder Sel­fie machen. Ver­mut­lich waren auch wegen des Lady-Gaga-Kon­zerts so vie­le Men­schen in Rio.

Auch eine »Free Wal­king Tour« gibt es in Rio de Janei­ro. Zum Aus­gangs­punkt der Tour bin ich mit der Metro ins Zen­trum bis zur Sta­ti­on »Cario­ca« in der Nähe des Thea­t­ro Muni­ci­pal und des Con­ven­to de San­to Antô­nio gefah­ren. Von mei­nem Hos­tel aus war die nächs­te Metro­sta­ti­on aller­dings zwei Kilo­me­ter ent­fernt.

Das Zen­trum Rios ist ein rei­nes Geschäfts­vier­tel. Abends und Sonn­tags ist es laut Gui­de der »Free Wal­king Tour« fast men­schen­leer, und man soll­te dann bes­ser nicht dahin gehen. Die »Free Wal­king Tour« war an einem Sams­tag­nach­mit­tag, und auch da waren schon vie­le Geschäf­te geschlos­sen.

In der Rua do Ouvi­dor ste­hen eini­ge der weni­gen erhal­te­nen Kolo­ni­al­ge­bäu­de Rios und eine Kir­che.

An der Pra­ça Quin­ze de Novem­bro befand sich frü­her der Hafen. Nach dem Ende des bra­si­lia­ni­schen Kai­ser­reichs 1889 kam hier die kai­ser­li­che Fami­lie aus Por­tu­gal im bra­si­lia­ni­schen Exil an. Die Igre­ja de Nos­sa Senho­ra do Car­mo da Anti­ga Sé war der bis zur Fer­tig­stel­lung der neu­en Kathe­dra­le 1976 Bischofs­sitz. Der kai­ser­li­che Palast Paço Impe­ri­al ist heu­te ein Kul­tur­zen­trum. Sams­tags fin­det auf der Pra­ça Quin­ze de Novem­bro eine Anti­qui­tä­ten­mes­se statt.

Eine zwei­te »Free Wal­king Tour« ging ins afri­ka­nisch gepräg­te Peque­na Áfri­ca. Mit Peque­na Áfri­ca wird das Gebiet um die Stadt­vier­tel Saú­de, Gam­boa und San­to Cris­to im Hafen­ge­biet von Rio de Janei­ro bezeich­net.

Afri­ka­nisch­stäm­mi­ge Bra­si­lia­ner präg­ten den Sam­ba und den Kar­ne­val in Rio de Janei­ro.

In der Rua Pedra do Sal befand sich frü­her ein Skla­ven­markt. Heu­te wird hier an Wochen­en­den Sam­ba-Musik gespielt. Da gera­de Sams­tag war, bin ich nach der »Free Wal­king Tour« dahin gegan­gen. Cai­pi­rin­ha gab es auch. Ab 19 Uhr wur­de es ziem­lich voll.

Die erst 2011 frei­ge­leg­te archäo­lo­gi­sche Stät­te Cais do Valon­go in der Ave­ni­da Barão de Tefé ist eini­ge der weni­gen exis­tie­ren­den Zeug­nis­se des Skla­ven­han­dels in Rio de Janei­ro. Es ist die Stel­le, an der die Skla­ven an Land gin­gen.


Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter:

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert