01.03.2025–10.03.2025
Am Mittag des 01.03.2025 kam der Tren Patagónico aus Viedma in Bariloche an, wo ich mal wieder in einem Airbnb-Apartment gewohnt habe. Bariloche heißt eigentlich San Carlos de Bariloche und liegt am Lago Nahuel Huapi. Wegen ihrer Bergidylle wird die Gegend um Bariloche auch als die Schweiz Argentiniens bezeichnet. Im Winter ist sie ein Skigebiet.




Um einen ersten Eindruck zu bekommen, kann man in einem Touristenzug durch die Stadt fahren. Die Erklärungen waren allerdings nur auf Spanisch, und viel zu sehen gab es auf der Fahrt auch nicht.

Ursprünglich wurde Bariloche als Stützpunkt für den Handel mit Chile gegründet. Jetzt lebt die Stadt allerdings vor allem vom Tourismus. Auch für seine Schokolade ist Bariloche bekannt. Die Gebäude im Zentrum Bariloches, dem Centro Cívico, erinnern an die schweizerische Stadt Bern. Obwohl das Centro Cívico erst in den späten 1930er und frühen 1940er Jahren gebaut wurde, gehört es seit 1987 zum sogenannten »nationalen historischen Erbe« Argentiniens.


In Bariloche gab es drei Einwanderungswellen deutschprachiger Europäer. Die erste Einwanderungswelle war am Ende des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit kamen viele Deutsche, Österreicher und Schweizer nach Bariloche. In andere Teile Argentiniens kamen vor allem Italiener und Spanier. Die Einwanderung von Europäern wurde von der argentinischen Regierung gefördert, wodurch Argentinien zu einem der reichsten Ländern der Welt wurde.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kamen in einer zweiten Einwanderungswelle europäische Einwanderer vor allem aus wirtschaftlichen Gründen in das damals reiche Argentinien. Diese Einwanderungswelle kam mit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 jedoch zum Erliegen. In den 1930er Jahren sympathisierten in Bariloche viele Deutsche mit dem Nationalsozialismus in Deutschland. Der Bergsteiger und Gründer des Bergsteigervereins »Club Andino« Otto Meiling nannte damals seine Bergsteigerhütte »Bergfrieden« (das ist nicht das Haus auf dem Bild) in »Berghof« um, wohl in Anlehnung an Hitlers Berghof auf dem Obersalzberg. Einige Deutschstämmige verließen in dieser Zeit auch Bariloche und gingen ins nationalsozialistische Deutschland.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Argentinien dann ein Zufluchtort für Nazis. Diese kamen in einer dritten Einwanderungswelle, u. a. mit Hilfe des Vatikans, auch nach Bariloche, wo sie zusammen mit den alteingesessenen Deutschstämmigen im deutschen Viertel im Ortsteil Belgrano wohnten. Auch der SS-Lagerarzt Josef Mengele lebte für kurze Zeit in Bariloche, bevor er nach Brasilien ging, wo er bis zu seinem Tod unbehelligt lebte. Zeitweise kursierte sogar das Gerücht, Adolf Hitler habe nicht Selbstmord begangen, sondern sei zusammen mit Eva Braun nach Bariloche geflohen. Sein angebliches Haus steht irgendwo in der Umgebung. Im Haus auf dem letzten der folgenden Bilder hat der frühere SS-Hauptsturmführer Erich Priebke sein Wurstgeschäft gehabt. Auch er ist mit Hilfe des Vatikans nach Bariloche gelangt, wo er fast fünfzig Jahre lang als angesehener Bürger lebte und sogar Direktor der Deutschen Schule wurde. Erst 1994 wurde er vom US-Reporter Sam Donaldson aufgespürt und 1998 in Italien verurteilt. Der Dokumentarfilm »Pacto de Silencio«, auf deutsch »Pakt des Schweigens«, des Regisseurs Carlos Echeverría aus dem Jahr 2004 thematisiert die Haltung der Bevölkerung Bariloches zur offenbar bekannten Nazi-Vergangenheit einiger ihrer Mitbürger. In Bariloche erfährt man auf einer abendlichen »Walking Tour« mehr über diese Dinge.



Circuito Chico
03.03.2025
Von Bariloche aus kann man mehrere Tagestouren in die nähere Umgebung machen. Eine beliebte Tour ist der sogenannte »Circuito Chico« westlich von Bariloche entlang des Lago Nahuel Huapi und des südlich davon gelegenen Lago Moreno. Die Gegend gehört zum Nationalpark Nahuel Huapi. Der erste Halt auf der Tour war ein Aussichtspunkt, der sogenannte Punto Panorámico Alfredo Ezquerra, mit einer einer schönen Aussicht auf den Lago Moreno. Bei besserem Wetter kann man auch die Berge besser sehen.



In der Mitte des Lago Morenos befindet sich die Halbinsel Llao Llao mit dem Luxushotel Llao Llao und einer kleine Kapelle, der Capilla San Eduardo.


Dann ging es zum Cerro Campanario mit einer 360°-Aussicht auf die Seenplatte. Auf den 1050 Meter hohen Berg fährt ein Sessellift.




Tour zum Cerro Tronador
05.03.2025
Eine weitere Tagestour führt zum Lago Mascardi und zum Cerro Tronador. Der Lago Mascardi liegt südwestlich von Bariloche. In einem Arm des Sees befindet sich die herzförmige Isla del Corazón. Das Wetter war diesmal besser.



Der Cerro Tronador befindet sich westlich von Bariloche an der Grenze zu Chile. Er ist ein erloschener Vulkan und hat eine Höhe von 3554 Metern.

Die Straße zum Cerro Tronador endet etwa 25 Kilometer hinter Pampa Linda an einem Parkplatz. Von hier aus kann man die Gletscher und einen türkisfarbenen Gletschersee bewundern.



Camino de los Siete Lagos
08.03.2025
Eine dritte beliebte Tagestour ist der Camino de los Siete Lagos, der nördlich von Bariloche an sieben Seen vorbeiführt. Von den fünf schönsten der Seen habe ich Fotos gemacht.




Im Ort San Martín de los Andes am Lago Lácar gab es eine Mittagspause.



Nachmittags ging es dann noch nach Villa La Angostura, einem beliebten Touristenort.


Schreibe einen Kommentar