Die Grenzen der Welt

Eine Welterkundung


Punta Arenas

Punta Arenas

23.12.2024–26.12.2024

Um von El Cal­a­fa­te nach Pun­ta Are­nas in Chi­le zu fah­ren, muss man in Puer­to Nata­les in einen ande­ren Bus umstei­gen. In Pun­ta Are­nas habe ich in einem Airbnb-Tiny-Haus gewohnt.

Pun­ta Are­nas liegt etwas süd­lich von Puer­to Nata­les an der Magel­lan­stra­ße. Auf der ande­ren Sei­te der Magel­lan­stra­ße liegt die größ­te Insel der Insel­grup­pe Feu­er­land, die Isla Gran­de de Tier­ra del Fue­go. Seit einem Grenz­ver­trag von 1881 ist Feu­er­land in einen chi­le­ni­schen und einen argen­ti­ni­schen Teil geteilt.

Im Zen­trum der Stadt befin­det sich die Pla­za de Armas mit der Kathe­dra­le und einer Sta­tue Fer­di­nand Magel­lans.

Wei­te­re his­to­ri­sche Gebäu­de an der Pla­za de Armas sind die Ban­co Tar­a­pa­ca y Lond­res, das Hotel Pla­za und die Resi­denz des frü­he­ren fran­zö­si­schen Kon­suls Juan Blan­chard, der auch Direk­tor des Wal­fang­un­ter­neh­mens Socie­dad Bal­le­ne­ra de Magel­la­nes und Teil­ha­ber des Vieh­zucht- und Schiff­fahrts­un­ter­neh­mens Braun & Blan­chard war. Sei­ne Resi­denz ist heu­te der Haupt­sitz des chi­le­ni­schen Ant­ark­tis­in­sti­tuts. Pun­ta Are­nas war Aus­gangs­punkt vie­ler Ant­ark­tis-Expe­di­tio­nen.

Wei­te­re bedeu­ten­de und wohl­ha­ben­de Per­so­nen in Pun­ta Are­nas waren der Unter­neh­mer und Groß­grund­be­sit­zer José Menén­dez und die Unter­neh­me­rin Sara Braun. Sie bewohn­ten reprä­sen­ta­ti­ve Paläs­te in Pun­to Are­nas.

Zur Ver­si­che­rung sei­ner Schif­fe grün­de­te José Menén­dez eine eige­ne Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft, die Com­pa­ñía de Segu­ros La Aus­tral.

José Menén­dez und die von Sara Braun und deren Bru­der Mau­ricio gegrün­de­te Socie­dad Explot­a­do­ra de Tier­ra del Fue­go waren mit­ver­ant­wort­lich für den Geno­zid an den Selk’nam. Das Schick­sal der Selk’nam wird im preis­ge­krön­ten Spiel­film Colo­nes the­ma­ti­siert.

Beer­digt sind José Menén­dez und Sara Braun in Mau­so­leen auf dem Cemen­te­rio Muni­ci­pal, angeb­lich einem der schöns­ten Fried­hö­fe der Welt.

Das Gebäu­de des heu­ti­gen Museo Regio­nal de Magel­la­nes gehör­te ursprüng­lich Mau­ricio Braun und sei­ner Frau Jose­fi­na Menén­dez, der ältes­ten Toch­ter von José Menén­dez. Das Muse­um war zur Zeit mei­nes Besuchs lei­der geschlos­sen.

Das am nörd­li­chen Ende von Pun­ta Are­nas an der Magel­lan­stra­ße gele­ge­ne Pri­vat­mu­se­um Nao Vic­to­ria beher­bergt Nach­bau­ten his­to­ri­scher Schif­fe in Ori­gi­nal­grö­ße. Names­ge­bend für das Muse­um ist der Nach­bau der Vic­to­ria, dem ein­zi­gen Schiff, das Magel­lans Welt­um­se­ge­lung voll­ende­te und 1522 nach Spa­ni­en zurück­kehr­te. Auch Nach­bau­ten der HMS Bea­gle, auf der Charles Dar­win 1831–1836 sei­ne Welt­um­se­ge­lung mach­te, und des Ret­tungs­boots James Caird, in dem Ernest Shack­le­ton nach sei­ner geschei­ter­ten Ant­ark­tis-Expe­di­ti­on von Ele­phant Island nach Süd­ge­or­gi­en segel­te, um Hil­fe für die auf Ele­phant Island gestran­de­te Besat­zung zu holen, sind zu sehen.

Ich habe mich dar­über gewun­dert, wie klein die Schif­fe waren. Die Besat­zung der Vic­to­ria bestand ursprüng­lich aus immer­hin 70 Mann, die damals direkt auf dem Deck des klei­nen Schif­fes über­nach­te­ten. Zum fünf­hun­derts­ten Jah­res­tag der ers­ten Welt­um­se­ge­lung im Jahr 2022 gab es zahl­rei­che Fil­me, z. B. die span­nen­de vier­tei­li­ge Arte-Doku­men­ta­ti­on »Die aben­teu­er­li­che Welt­rei­se des Magel­lan«. Die für Ama­zon Prime Video pro­du­zier­te sechs­tei­li­ge Serie »Ohne Gren­zen«, im Ori­gi­nal »Sin limí­tes«, hat mir aller­dings nicht so gut gefal­len.

Nach der Eröff­nung des Pana­ma­ka­nals ver­lor die Magel­lan­stra­ße als Durch­fahrts­stra­ße zwi­schen Atlan­tik und Pazi­fik an Bedeu­tung. Vie­le Schif­fe hat man damals aus Kos­ten­grün­den ein­fach an Ort und Stel­le lie­gen­ge­las­sen. Zwei davon kann man als Schiffs­wracks am Muse­um Nao Vic­to­ria sehen.

Tierra del Fuego

24.12.2024

Auf der ande­ren Sei­te der Magel­lan­stra­ße liegt die Haupt­in­sel von Feu­er­land, die Isla Gran­de de Tier­ra del Fue­go. Von Pun­ta Are­nas aus gibt es eine Auto­fäh­re zum Ort Por­ve­nir, die knapp zwei Stun­den benö­tigt. Mit nur etwa drei­ßig Minu­ten ist die Über­fahrt vom etwa 200 Kilo­me­ter nord­öst­lich gele­ge­nem Pun­ta Del­ga­da nach Bahía Azul kür­zer. Ich habe eine orga­ni­sier­te Tages­tour von Pun­ta Are­nas aus zur Insel gemacht, auf der lan­ge Stre­cken mit dem Van zurück­ge­legt wur­den. Zunächst sind wir die 200 Kilo­me­ter nach Pun­ta Del­ga­da gefah­ren, wo wir die Fäh­re nach Bahía Azul genom­men haben. Lei­der durf­te man auf der Fäh­re aus Sicher­heits­grün­den nicht auf das obe­re Deck gehen und konn­te nur durch die ziem­lich ver­schmutz­ten Fens­ter sehen.

Etwas süd­lich von Bahía Azul liegt der klei­ne Ort Cer­ro Som­bre­ro mit nur ein paar Hun­dert Ein­woh­nern. Eigent­lich gibt es in die­sem Ort gar nichts zu sehen, und weil gera­de Hei­lig­abend war, war auch noch alles geschlos­sen. Wir haben trotz­dem einen kur­zen Rund­gang durch den Ort gemacht und uns die moder­ne Archi­tek­tur ange­se­hen.

Cer­ro Som­re­ro ist eine Wohn­sied­lung für die Beschäf­tig­ten des Mine­ral­öl­un­ter­neh­mens Empre­sa Nacio­nal del Petró­leo. Das Unter­neh­men hat aller­dings schon ein­mal bes­se­re Zei­ten gese­hen. Auch einen kur­zen Gold­rausch hat es auf Feu­er­land gegen Ende des 19. Jahr­hun­derts gege­ben. Der Haupt­wirt­schafts­zweig auf Feu­er­land ist aber wei­ter­hin die Schaf­zucht.

Auf dem Weg in Rich­tung Süden kamen wir an den Gebäu­den einer Estancia, der Estancia Onai­sín, vor­bei.

Auch Gua­na­kos gibt es auf Feu­er­land.

Das eigent­li­che Ziel der Tour war der Par­que Pin­güi­no Rey in der Bahía Inú­til, in dem eine klei­ne Kolo­nie von Königs­pin­gui­nen sie­delt. Man kann die Königs­pin­gui­ne von zwei ver­schie­de­nen Aus­sichts­punk­ten aus beob­ach­ten.

Dann ging es den­sel­ben Weg über die Magel­lan­stra­ße bei Pun­ta Del­ga­da wie­der zurück auf das pata­go­ni­sche Fest­land. Dies­mal hat­ten wir eine ande­re Fäh­re, auf der das obe­re Deck betre­ten wer­den durf­te.

Auf der Rück­fahrt nach Pun­ta Are­nas gab es noch einen Stopp an einer wei­te­ren Estancia, der Estancia San Gre­go­rio. Es han­delt sich um einen agro­in­dus­tri­el­len Betrieb, der von dem bereits erwähn­ten José Menén­dez gegrün­det wur­de und direkt an der Magel­lan­stra­ße liegt. Für die Arbei­ter waren hier alle not­wen­di­gen Ein­rich­tun­gen vor­han­den, z. B. Arbei­ter­woh­nun­gen, eine Küche, eine Kran­ken­sta­ti­on, ein Thea­ter und eine Kapel­le. In den 1970er Jah­ren wur­de der Betrieb ein­ge­stellt, und heu­te sind die meis­ten Gebäu­de ver­fal­len. Ledig­lich für die Schaf­schur wird eines der Gebäu­de gele­gent­lich noch benutzt. Zwei alte Schiffs­wracks an der Magel­lan­stra­ße zeu­gen von bes­se­ren Zei­ten, als die Magel­lan­stra­ße noch als Durch­fahrts­stra­ße genutzt wur­de. Im Jahr 2000 wur­den die Gebäu­de der Estancia San Gre­go­rio zum chi­le­ni­schen Natio­nal­denk­mal erklärt.

Insel Magdalena

25.12.2024

Die Insel Mag­da­le­na ist ein Brut­ge­biet für Magel­l­an­pin­gui­ne. Sie befin­det sich mit­ten in der Magel­lan­stra­ße. Von Pun­ta Are­na aus gibt es täg­lich Fahr­ten auf die Insel, sogar am Weih­nachts­tag.

Die Haupt­at­trak­ti­on auf der Insel sind natür­lich die Magel­l­an­pin­gui­ne, die man hier aus nächs­ter Nähe beob­ach­ten kann. Es war gera­de Brut­zeit.

Dane­ben gibt es auf der Insel aber auch noch ande­re Vögel, z. B. Domi­ni­ka­ner­mö­wen, Rot­kopf­gän­se und Magel­langän­se.


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