Die Grenzen der Welt

Eine Welterkundung


Ahu Nau Nau

Osterinsel

18.11.2024–25.11.2024

Die Oster­in­sel heißt so, weil der 5. April 1722, der Tag an dem der nie­der­län­di­sche See­fah­rer Jakob Rog­ge­ve­en die Insel auf einer Welt­um­se­ge­lung »endeck­te«, ein Oster­sonn­tag war. Eigent­lich war Jakob Rog­ge­ve­en auf der Suche nach dem legen­dä­ren Süd­kon­ti­nent und eigent­lich heißt die Oster­in­sel Rapa Nui. Und der ers­te Euro­pä­er, der die Oster­in­sel gese­hen hat, war nicht Jakob Rog­ge­ve­en, son­dern bereits 1687 der Pirat Edward Davis. Magel­lan hat die Oster­in­sel bei sei­ner Welt­um­se­ge­lung zwi­schen 1519 und 1522 dage­gen ver­passt. Sonst hät­te er sich dort mit Pro­vi­ant und Trink­was­ser für den wei­te­ren Weg zu den Gewürz­in­seln ver­sor­gen kön­nen. Und Erich von Däni­ken glaubt, dass frü­her auch schon ein­mal Außer­ir­di­sche auf der Oster­in­sel gelan­det sei­en. Für die Urein­woh­ner war die »Ent­de­ckung« der Oster­in­sel durch die Euro­pä­er der Anfang des Unter­gangs ihrer Zivi­li­sa­ti­on. Einen inter­es­san­ten Arti­kel über die Oster­in­sel gibt es in der »Natio­nal Geo­gra­phic«.

Obwohl die Oster­in­sel etwa 3500 Kilo­me­ter vom chi­le­ni­schen Fest­land ent­fernt ist, geo­gra­phisch zu Poly­ne­si­en gehört und von dort aus auch besie­delt wor­den ist, gehört sie poli­tisch zur chi­le­ni­schen Regi­on Val­pa­raí­so. Wenn man nicht auf einer Kreuz­fahrt einen Stopp auf der Oster­in­sel macht, kommt man als Tou­rist nur per Flug­zeug dort­hin, und zwar aus­schließ­lich mit der Flug­ge­sell­schaft Latam von Sant­ia­go de Chi­le aus. Es gibt täg­lich meh­re­re Flü­ge, die trotz der hohen Prei­se schnell aus­ge­bucht sind.

Der ein­zi­ge Ort auf der Oster­in­sel heißt Han­ga Roa und hat laut einer Erhe­bung von 2017 7750 Ein­woh­ner. Zur Zeit Jakob Rog­ge­ve­ens hat­te die gesam­te Oster­in­sel etwa 3000 Ein­woh­ner. An eini­gen Küs­ten­ab­schnit­ten Han­ga Roas kann man Was­ser­schild­krö­ten sehen.

Bekannt ist die Oster­in­sel aber nicht wegen der Was­ser­schild­krö­ten, son­dern wegen ihrer Sta­tu­en aus vul­ka­ni­schem Tuff­stein, den Moai. Die meis­ten Moai kann man auf zwei in Han­ga Roa ange­bo­te­nen Stan­dard­tou­ren sehen. Sie befin­den sich größ­ten­teils im Natio­nal­park Rapa Nui, der seit 1995 UNESCO-Welt­kul­tur­er­be ist. Eini­ge Orte wie Tahai kann man aber auch leicht von Han­ga Roa aus zu Fuß errei­chen.

Die Moai hat­ten ursprüng­lich wahr­schein­lich ein­ge­setz­te Augen aus Koral­len­kalk, die aber ver­lo­ren­ge­gan­gen sind. Nur ein ein­zi­ges fast voll­stän­di­ges Auge und eini­ge wei­te­re Augen­tei­le hat man bis­her gefun­den. Das fast voll­stän­di­ge Auge befin­det sich im Muse­um in Han­ga Roa. Einem der Moai in Tahai, dem lin­ken auf dem zwei­ten Foto, hat man neue Augen ein­ge­setzt.

Wie alt die Moai sind, weiß man nicht genau. Aller­dings nicht älter als 1500 Jah­re. Laut einem Arti­kel der Natio­nal Geo­gra­phic gibt es ins­ge­samt 1043 Moai. Jeder ein­zel­ne von ihnen stellt ver­mut­lich einen ver­stor­be­nen Stam­mes­füh­rer dar und war ein Bin­de­glied zwi­schen der dies­sei­ti­gen und der jen­sei­ti­gen Welt. Der genaue Sinn der Moai ist jedoch nicht bekannt.

Die zu einer Sied­lung gehö­ren­den Moai ste­hen auf einer stei­nern Platt­form zwi­schen dem Meer und der Sied­lung, genannt Ahu. Die Gesich­ter der Moai sind dabei dem Meer ab- und der Sied­lung zuge­wandt. Ab dem Ende des 17. Jahr­hun­derts wur­den die Ahu zer­stört und die Moai umge­wor­fen. Die Ursa­che die­ser Zer­stö­rung ist bis heu­te eben­falls nicht bekannt. Ver­tre­ten wird die The­se, dass die Über­be­an­spru­chung der natür­li­chen Res­sour­cen durch inten­si­ve Land­wirt­schaft zur Zer­stö­rung des öko­lo­gi­schen Gleich­ge­wichts führ­te, was dann Stam­mes­kon­flik­te, sozia­le Unru­hen und einen Bür­ger­krieg aus­lös­te. Heu­te sind vie­le der Ahu restau­riert und die Moai wie­der auf­ge­stellt.

Die ers­te mei­ner bei­den Tou­ren durch die Oster­in­sel führ­te zu einer Rei­he von Ahu an der Nord­ost­küs­te. Zunächst zum Ahu Nau Nau in Ana­ke­na mit sie­ben Moai. Fünf davon sind intakt und vier tra­gen einen Pukao, einen Hut aus roter Vul­kan­schla­cke. Ein wei­te­rer Moai steht etwas abseits. Er wur­de 1956 vom Nor­we­ger Thor Heyer­dahl als ers­ter Feld­ver­such wie­der auf­ge­rich­tet. Der Ahu wur­de 1978 restau­riert. Dabei wur­den auch Koral­len­tei­le gefun­den, die zusam­men­ge­setzt ein Moai-Auge erga­ben.

In Te Pito Kura, dem »Nabel des Lichts«, befin­det sich der soge­nann­te »letz­te Moai« mit Namen Paro samt dane­ben­lie­gen­dem Pukao. Er heißt so, weil er mög­li­cher­wei­se der letz­te Moai gewe­sen ist, der von sei­nem Sockel gesto­ßen wur­de. Auf­ge­stellt war er mit 9,80 Metern Höhe der größ­te der Moai. In sei­ner Nähe befin­det sich ein run­der magne­ti­scher Stein vol­ler über­na­tür­li­cher Ener­gie, genannt Mana, die man in sei­ner Nähe angeb­lich spü­ren kann.

Der Ahu Ton­ga­ri­ki ist der größ­te Ahu der Oster­in­sel und umfasst fünf­zehn Moai. Er wur­de in den 1990er Jah­ren restau­riert. Etwa 200 Meter ent­fernt befin­den sich eini­ge Petro­gly­phen.

Der erlo­sche­ne Vul­kan Rano Rar­a­ku war ein wich­ti­ger Stein­bruch für die Her­stel­lung der Moai. Die Moai wur­den hier vor­ge­fer­tigt, bevor sie zur Küs­te trans­por­tiert wur­den. Kein leich­ter Trans­port, denn Rano Rar­a­ku liegt 18 Kilo­me­ter von der Küs­te ent­fernt. Fein­ar­bei­ten am Moai wur­den dann erst am Ziel­ort gemacht. Heu­te ste­hen am Rano Rar­a­ku noch vie­le unfer­ti­ge Moai her­um.

In Vai­hu steht der bis­her nicht restau­rier­te Ahu Han­ga Te’e. Es liegt alles noch so her­um, wie es nach der Zer­stö­rung zurück­ge­las­sen wur­de. Außer­dem gibt es hier einen Fel­sen­k­reis, an dem Zere­mo­nien und Gedenk­fei­ern abge­hal­ten wur­den.

Die zwei­te mei­ner Tou­ren ging in den Süd­wes­ten der Insel. Sie führ­te zunächst nach Oron­go, einer Kult­stät­te am Fuß des erlo­sche­nen Vul­kans Rano Kao. Die Kult­stät­te steht in Ver­bin­dung mit dem soge­nann­ten Vogel­mann­kult, der den vor­her prak­ti­zier­ten Ahnen­kult in der Mit­te des 16. Jahr­hun­derts ersetz­te. Im Juli jeden Jah­res zogen die Stäm­me vom Dorf Mata­veri in einer Pro­zes­si­on nach Oron­go, um einen Wett­streit durch­zu­füh­ren. Es ging dar­um, wer zuerst ein Ei einer Ruß­see­schwal­be, die zu die­ser Jah­res­zeit ihre Eier legt, von der vor­ge­la­ger­ten Insel Motu Nui nach Oron­go brin­gen konn­te. Stell­ver­tre­ter der ein­zel­nen Stäm­me schwam­men dazu mit Hil­fe von Schilf­bün­deln nach Motu Nui und ver­such­ten, ein Ei zu ent­de­cken, was meh­re­re Wochen dau­ern konn­te. Wenn jemand ein Ei gefun­den hat­te, schwamm er dann mit die­sem Ei zurück nach Oron­go und über­gab es sei­nem Häupt­ling. Wor­auf die­ser dann für das nächs­te Jahr zum soge­nann­ten Vogel­mann ernannt wur­de, eine Stel­lung, die mit viel sozia­lem Pres­ti­ge ver­bun­den war. Die letz­te Vogel­mann­ze­re­mo­nie fand 1866 oder 1867 statt.

Wegen des prä­zi­se gear­bei­te­ten Mau­er­werks des Ahu Thai­ra in Vin­a­pu ver­mu­te­te Thor Heyer­dahl einst, dass es Bezie­hun­gen zwi­schen den Bewoh­nern der Oster­in­sel und den Inkas in Peru geben wür­de. Sei­ne Ver­mu­tung konn­te aber nicht bewie­sen wer­den.

Die sie­ben Moais des Ahu Aki­vi befin­den sich nicht an der Küs­te, son­dern im Lan­des­in­ne­ren. Außer­dem sind sie nicht dem Meer ab-, son­dern zuge­wandt. Zum Zeit­punkt der Früh­lings­tag­und­nacht­glei­che bli­cken sie genau in die Rich­tung des Son­nen­un­ter­gangs.

In Puna Pau gibt es die rote Vul­kan­schla­cke, die für die Pukao, die Hüte der Moai, benö­tigt wur­de. Daher wur­den die Pukao hier her­ge­stellt. Eini­ge unfer­ti­ge Pukao lie­gen noch her­um. Sie sind mit Num­mern klas­si­fi­ziert.

Mit den bei­den Stan­dard­tou­ren hat man auf der Oster­in­sel eigent­lich alles gese­hen. Die meis­ten Tou­ris­ten blei­ben daher auch nur ein paar Tage. Ich bin dage­gen eine gan­ze Woche geblie­ben, da ich ein ungu­tes Gefühl dabei hat­te, den wei­ten Flug für nur ein paar Tage zu machen. Abseits der Moai hat mir die Oster­in­sel aller­dings nicht beson­ders gefal­len.


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