Die Grenzen der Welt

Eine Welterkundung


Panama-Stadt

Panama-Stadt

25.05.2024–10.06.2024, 12.06.2024–21.06.2024

Von Boquete aus war es eine lan­ge Bus­fahrt nach Pana­ma-Stadt. In Boquete fährt ein recht preis­wer­ter Bus regel­mä­ßig nach David, wo man in einen ande­ren, etwas grö­ße­ren und teu­re­ren Bus umstei­gen muss. In David hat­te ich eine län­ge­re War­te­zeit. Damit hat die gesam­te Fahrt von Boquete nach Pana­ma-Stadt fast elf Stun­den gedau­ert.

Pana­ma woll­te ich nicht ver­las­sen, ohne eine voll­stän­di­ge Durch­fahrt durch den Pana­ma­ka­nal in einem Tou­ris­ten­boot zu machen. Lei­der habe ich dann fest­stel­len müs­sen, dass eine sol­che Tour nur alle vier Wochen statt­fin­det und ich noch fast drei Wochen auf die nächs­te Tour war­ten muss­te. Die War­te­zeit habe ich dann u. a. mit einem zwei­wö­chi­gen Spa­nisch­kurs in der EPA-Sprach­schu­le über­brückt. Über­nach­tet habe ich wäh­rend­des­sen ziem­lich luxio­ri­ös in einem Airbnb-Appar­te­ment in Eta­ge 14 eines Hoch­hau­ses an der Ave­ni­da Bal­boa, von wo aus ich zu Fuß zur Sprach­schu­le gehen konn­te. Es war aller­dings nur die drei­zehn­te Eta­ge, denn das Haus hat­te kei­ne Eta­ge mit der Num­mer 13. Von der Schu­le wur­de ich mit mei­nen Sprach­kennt­nis­sen bereits auf das Niveau A2 des Gemein­sa­men Euro­päi­schen Refe­renz­rah­mens für Spra­chen ein­ge­stuft. Im Kurs bin ich dann aber doch an mei­ne Gren­zen gesto­ßen.

Par­al­lel zur Ave­ni­da Bal­boa führt eine Ufer­pro­me­na­de ins Cas­co Vie­jo, das Alt­stadt­vier­tel von Pana­ma-Stadt. Von mei­nem Appar­te­ment aus waren es bis zum Cas­co Vie­jo etwa vier Kilo­me­ter. Unter­wegs gab es Aus­bli­cke auf die Sky­line von Pana­ma-Stadt und auf das Cas­co Vie­jo.

Nach dem Sprach­kurs war ich zunächst für zwei Tage in Por­to­be­lo an der Pazi­fik­küs­te und danach noch ein­mal für etwas mehr als eine Woche in Pana­ma-Stadt, dies­mal in einem noch luxoriö­se­ren Airbnb-Appar­te­ment im Cas­co Vie­jo, direkt gegen­über der Kathe­dra­le San­ta María La Anti­gua.

Das Cas­co Vie­jo ist seit 1997 UNESCO-Welt­kul­tur­er­be. Frü­her war es dort ziem­lich unsi­cher. Das hat sich geän­dert, seit das Vier­tel restau­riert und gen­tri­fi­ziert wur­de. Jetzt fin­det man im Cas­co Vie­jo auch vie­le schi­cke Airbnb-Appar­te­ments, wie das­je­ni­ge, in dem ich gewohnt habe. Die frü­he­ren Bewoh­ner des Cas­co Vie­jo, die sich die hohen Mie­ten nicht mehr leis­ten kön­nen, muss­ten das Vier­tel nach sei­ner Gen­tri­fi­zie­rung ver­las­sen. Außer­halb des bereits restau­rier­ten Zen­trums des Cas­co Vie­jo lässt sich aller­dings noch erah­nen, wie es hier frü­her ein­mal aus­ge­se­hen haben muss. Aber auch eini­ge Gebäu­de im Zen­trum war­ten noch auf ihre Restau­rie­rung. Von Pana­ma-Stadt und den Ver­än­de­run­gen im Cas­co Vie­jo berich­tet Fol­ge 305 der Serie »Schät­ze der Welt—Erbe der Mensch­heit« mit dem Titel »His­to­ri­sches Vier­tel von Panama—500 Jah­re gute Geschäf­te«.

Süd­lich des Cas­co Vie­jo, am pazi­fi­schen Ein­gang des Pana­ma­ka­nals, gibt es einen Damm, die Calzada de Ama­dor. Frü­her gehör­te der Damm zur von den USA kon­trol­lier­ten Pana­ma­ka­nal­zo­ne. Heu­te ist er an Wochen­en­den eine Fla­nier­mei­le. Ich war aller­dings an einem ruhi­gen Werk­tag da.

Im Gegen­satz zum Cas­co Vie­jo ist die neue Pana­ma-Stadt von moder­nen Hoch­häu­sern geprägt. In des­sen Zen­trum liegt die Pla­za New York. Es gibt hier auch ein Aus­geh­vier­tel, El Can­g­re­jo.

Die größ­te Ein­nah­me­quel­le Pana­mas ist der Pana­ma­ka­nal. Den kann man als Tou­rist aller­dings nur an eini­gen Aus­sichts­punk­ten und weni­gen ande­ren Stel­len sehen. Das Mira­flo­res Visi­tor Cen­ter bei den Mira­flo­res-Schleu­sen ist von Pana­ma-Stadt aus leicht mit der Metro und einem Bus zu errei­chen. In Pana­ma-Stadt wur­de im Jah­re 2014 die ers­te und bis­her ein­zi­ge Metro Mit­tel­ame­ri­kas eröff­net. Der­zeit gibt es zwei Lini­en; eine drit­te befin­det sich im Bau. Eine Fahrt mit der Metro kos­tet 35 Cent.

Ich habe den gan­zen Tag im Mira­flo­res Visi­tor Cen­ter ver­bracht. Mor­gens konn­te ich gera­de noch das letz­te Schiff vom Pazi­fik zum Atlan­tik durch­fah­ren sehen. Nacht­mit­tags kamen dann die Schif­fe vom Atlan­tik zum Pazi­fik dran.

Der Pana­ma­ka­nal liegt nicht, wie der Suez­ka­nal, voll­stän­dig auf Mee­res­spiegl­hö­he, son­dern hat ein Sys­tem von Schleu­sen, in denen die Schif­fe zunächst um 26 Meter ange­ho­ben und am Ende wie­der um 26 Meter abge­senkt wer­den. Zwi­schen den Schleu­sen befin­det sich in 26 Metern über dem Mee­res­spie­gel der Gatún­see, ein auf­ge­stau­ter künst­li­cher See. Die Schleu­sen­kam­mern wer­den ohne Pum­pen nur durch Schwer­kraft mit Regen­was­ser gefüllt. Wenn es nicht genug reg­net, muss der Ver­kehr durch den Pana­ma­ka­nal beschränkt wer­den.

Neue Con­tai­ner­schif­fe sind häu­fig zu groß und pas­sen dann nicht mehr durch die alten Schleu­sen. Aus die­sem Grund wur­de eine Erwei­te­rung des Pana­m­ka­nals gebaut, der bei den Mira­flo­res-Schleu­sen par­al­lel zu den alten Schleu­sen ver­läuft. Die Erwei­te­rung wur­de 2016 eröff­net. Vom Visi­tor Cen­ter aus kann man die grö­ße­ren Con­tai­ner­schif­fe hin­ter den alten Schleu­sen aus der Fer­ne sehen.

Zwi­schen dem Vor­ort Bal­boa und der Stadt Colón ver­läuft eine Eisen­bahn­stre­cke der »Pana­ma Canal Rail­way«, die zur Zeit des kali­for­ni­schen Gold­rauschs gebaut und 1855 eröff­net wur­de, als es inner­halb der USA noch kei­ne Eisen­bahn­ver­bin­dung vom Atlan­tik zum Pazi­fik gab. Heu­te wer­den immer noch vie­le Con­tai­ner mit der Eisen­bahn beför­dert. Damit wird es schwe­ren Con­tai­ner­schif­fen ermög­licht, durch den Kanal zu fah­ren, nach­dem sie einen Teil ihrer Con­tai­ner ent­la­den haben. Regel­mä­ßi­gen Per­so­nen­ver­kehr mit der Eisen­bahn gibt es dage­gen seit eini­ger Zeit nicht mehr. Ledig­lich an Wochen­en­den kann man an einer »Fami­li­en­fahrt« nach Colón und zurück teil­neh­men, was ich dann auch gemacht habe.

Von der »Pana­ma Canal Rail­way« han­delt Fol­ge 904 der Fern­seh­se­rie »Eisen­bahn-Roman­tik« mit dem Titel »Am Kanal entlang—Eisenbahn in Pana­ma«. Es gibt auch eine etwas län­ge­re Ver­si­on die­ser Sen­dung mit dem Titel »Mit dem Zug durch Pana­ma«.

Gamboa Rainforest Reserve

09.06.2024

Direkt in der Sprach­schu­le konn­te man Aus­flü­ge in die nähe­re Umge­bung buchen. Ich habe zusam­men mit zwei Kurs­teil­neh­me­rin­nen an einem Sonn­tag einen Aus­flug zum Gam­boa Rain­fo­rest Reser­ve gemacht. Mor­gens sind wir mit Uber zum Rer­vat gefah­ren, wo es dann zunächst mit einer Seil­bahn, genannt »Aeri­al Tram«, durch den Regen­wald ging. Oben ange­kom­men, hat­te man einen Aus­blick auf den Pana­ma­ka­nal.

Tie­re haben wir auf der Seil­bahn­fahrt lei­der nicht gese­hen. Die gab es dann aber anschlie­ßend in der »Exhi­bi­ti­on«, einem klei­nen Zoo mit Frö­schen, Schmet­ter­lin­gen und Faul­tie­ren.

Agua-Clara-Schleusen und Fort San Lorenzo

13.06.2024

Am atlan­ti­schen Ende des Pana­ma­ka­nals, nahe der Stadt Colón, befin­den sich die Agua-Cla­ra-Schleu­sen. Auch hier gibt es ein Besu­cher­zen­trum, jedoch mit einem deut­lich gerin­ge­rem Besurcher­an­strom als bei den Mira­flo­res-Schleu­sen. Ich habe die Agua-Cla­ra-Schleu­sen im Rah­men einer pri­va­ten Tour besucht, die von einem in Pana­ma leben­den kana­disch-kolum­bia­ni­schen Paar ange­bo­ten wur­de. Die Agua-Cla­ra-Schleu­sen sind Teil der Erwei­te­rung des Pana­ma­ka­nals.

Nach dem Besuch der Agua-Cla­ra-Schleu­sen ging es dann noch zu den Rui­nen des Forts San Loren­zo am Río Chagres. Das Fort ist zusam­men mit zwei Forts der Stadt Por­to­be­lo in das UNESCO-Welt­kul­tur­er­be auf­ge­nom­men wor­den. Die Forts soll­ten die Gegend vor Pira­ten­an­grif­fen schüt­zen.

Da wir zum Schluss noch etwas Zeit hat­ten, haben uns den Hafen Colón 2000 in Colón ange­se­hen. Hier legen u. a. auch Kreuz­fahrt­schif­fe an. Die Stadt Colón ist nicht beson­ders sehens­wert und gilt als gefähr­lich. Mit einer Frei­han­dels­zo­ne und Steu­er­vor­tei­len für Unter­neh­men wird seit lan­gem ver­sucht, die Situa­ti­on in Colón zu ver­bes­sern.

Panamakanal-Durchfahrt

15.06.2024

Am 15.06.2024 gab es dann end­lich die voll­stän­di­ge Durch­fahrt durch den Pana­ma­ka­nal von Pana­ma-Stadt nach Colón in einem Tou­ris­ten­boot. Die Tour kos­te­te $ 195 und dau­er­te den gan­zen Tag. Los ging es mit einer halb­stün­di­gen Ver­spä­tung gegen sechs Uhr mor­gens an einem Anle­ge­platz am Ende des Ama­dor Cau­se­ways. Etwa 45 Minu­ten nach dem Start kam ein Lot­se der Aso­cia­ción de Prác­ti­cos del Canal de Pana­má an Bord, der uns durch den Kanal navi­giert hat. Der wäre m. E. in einem klei­nen Tou­ris­ten­boot eigent­lich über­flüs­sig gewe­sen, ist aber obli­ga­to­risch. Eine hal­be Stun­de spä­ter sind wir unter der Puen­te de las Amé­ri­cas durch­ge­fah­ren.

Knapp zwei Stun­den nach dem Start, kurz vor acht Uhr, haben wir dann die ers­ten Schleu­sen des Pana­ma­ka­nals, die Mira­flo­res-Schleu­sen, erreicht. Dort sind wir zusam­men mit dem vor uns fah­ren­den Schiff in zwei auf­ein­an­der fol­gen­den Schleu­sen­kam­mern um ins­ge­samt 16,5 Meter ange­ho­ben wor­den. Das vor uns fah­ren­de Schiff wur­de dabei mit soge­nann­ten Trei­del­loks, auch »Mulis« genannt, gezo­gen. Die Schleu­sen­to­re der Mira­flo­res-Schleu­sen sind noch die ori­gi­na­len von 1914.

Die Durch­fahrt durch die Mira­flo­res-Schleu­sen dau­er­te ins­ge­samt etwa eine Stun­de, wovon die Anhe­bung in den bei­den Schleu­sen­kam­mern nur jeweils acht Minu­ten in Anspruch nahm. Kurz nach den Mira­flo­res-Schleu­sen kam bereits die Pedro-Miguel-Schleu­se mit einer wei­te­ren Schleu­sen­kam­mer, in der wir noch ein­mal um 9,5 Meter ange­ho­ben wur­den.

Hin­ter der Pedro-Miguel-Schleu­se und der Puen­te Cen­ten­ario ging es durch den soge­nann­ten Cule­bra Cut nach Gam­boa. Hier hat das Boot kurz ange­legt und mehr als die Hälf­te der Teil­neh­mer der Tour sind aus­ge­stie­gen. Sie hat­ten nur die hal­be Durch­fahrt gebucht.

Dann fuh­ren wir durch einen auf­ge­stau­ten Teil des Río Chagres zum Gatún­see, einem auf­ge­stau­ten künst­li­chen See, der 26 Meter über dem Mee­res­spie­gel liegt.

Hin­ter dem Gatún­see wur­den wir in den Gatún-Schleu­sen in drei auf­en­an­der fol­gen­den Schleu­sen­kam­mern wie­der auf die Höhe des Mee­res­pie­gels abge­senkt. Am atlan­ti­schen Ende, kurz nach den Gatún-Schleu­sen, über­quert eine wei­te­re Brü­cke, die Puen­te Atlán­ti­co, den Pana­ma­ka­nal.

Par­al­lel zu den Gatún-Schleu­sen ver­lau­fen die neu­en Agua-Cla­ra-Schleu­sen der Erwei­te­rung des Pana­ma­ka­nals. Nach der Durch­fahrt durch die Gatún-Schleu­sen konn­ten wir die Ein- bzw. Aus­fahr­ten bei­der Schleu­sen sehen.

Am Ende der Tour in der Nähe der Stadt Colón hat der Lot­se das Tou­ris­ten­boot wie­der ver­las­sen. Unse­re Pana­ma­ka­nal-Durch­que­rung ende­te gegen 16 Uhr am Fuer­te Sher­man gegen­über von Colón, von wo aus wir mit dem Bus zurück nach Pana­ma-Stadt gefah­ren sind.

Ers­te Plä­ne für einen Kanal durch den Isth­mus von Pana­ma gab es bereits im sech­zehn­ten Jahr­hun­dert. Der ers­te Euro­pä­er, der den Isth­mus durch­quert und den Pazi­fi­schen Oze­an erblickt hat, war der Kon­quis­ta­dor Vas­co Núñez de Bal­boa. Nach ihm ist die Wäh­rung Pana­mas, der Bal­boa, benannt, der 1:1 an den US-Dol­lar gekop­pelt ist. Bal­boa-Schei­ne gibt es aller­dings nicht mehr; es sind aus­schließ­lich US-Dol­lar-Schei­ne und Bal­boa-Mün­zen im Umlauf.

In Pana­ma-Stadt endet der mit­tel­ame­ri­ka­ni­sche Teil des »Grin­go-Trails«. Der wei­te­re Weg nach Süd­ame­ri­ka ist durch den soge­nann­ten Darién Gap ver­perrt. Der Pan­ame­ri­can High­way ist hier unter­bro­chen und die Gegend ist ein Rück­zugs­ge­biet für Gue­ril­la­grup­pen und Dro­gen­schmugg­ler. Neu­er­dings ver­su­chen auch vie­le Migran­ten aus Süd­ame­ri­ka, den Darién Gap zu durch­que­ren. Als Tou­rist geht es nur ent­we­der mit dem Flug­zeug oder auf einer mehr­tä­gi­gen Boots­tour ent­lang der kari­bi­schen Küs­te wei­ter.


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Kommentare

Eine Antwort zu „Panama-Stadt“

  1. Avatar von Andi Fehrer
    Andi Fehrer

    … und immer wie­der inter­es­san­te Anmer­kun­gen 🙂
    Ich freue mich auf jeden Bericht und ver­fol­ge Dei­ne Rei­se­rou­te immer genau auf Goog­le Maps.

    Lie­be Grü­ße

    Andi

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