Die Grenzen der Welt

Eine Welterkundung


Queen Mary 2 in Southampton

Von München nach New York. Episode 4: Über den Atlantik

Ich möch­te auf mei­ner Rei­se um die Welt mög­lichst wenig und ins­be­son­de­re nicht über gro­ße Ent­fer­nun­gen flie­gen, son­dern wenn mög­lich über Land oder per Schiff rei­sen. Das soll mei­ner Rei­se einen Cha­rak­ter von Lang­sam­keit ver­lei­hen und die über­brück­ten Ent­fer­nun­gen erfahr­bar wer­den las­sen. Daher habe ich mich ent­schie­den, nicht nach New York zu flie­gen, son­dern den Atlan­tik mit dem Schiff zu über­que­ren. Jedoch ist das ein­zi­ge Schiff, das noch regel­mä­ßig Per­so­nen über den Atlan­tik beför­dert, ein Kreuz­fahrt­schiff, die Queen Mary 2 der tra­di­ti­ons­rei­chen Ree­de­rei Cunard. Nor­ma­le Pas­sa­gier­schif­fe über den Atlan­tik gibt es bereits seit den sieb­zi­ger Jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts nicht mehr. Eine Alter­na­ti­ve zur Kreuz­fahrt wäre die Mit­fahrt auf einem Con­tai­ner­schiff gewe­sen; das ist jedoch lei­der bis Ende 2023 wegen der mitt­ler­wei­le been­de­ten Covid-Pan­de­mie immer noch nicht mög­lich.

Am Frei­tag, den 14. Juli 2023, nach­mit­tags, es herrscht Regen­wet­ter in Sout­hamp­ton, erfolgt die Ein­schif­fung. Etwa eine Woche zuvor hat­te ich eine über­ra­schen­de E-Mail über ein kos­ten­lo­ser Upgrade mei­ner gebuch­ten Kabi­ne, ursprüng­lich eine »preis­wer­te« Innen­ka­bi­ne, auf eine grö­ße­re Kabi­ne mit Bal­kon erhal­ten. In die­ser Kabi­ne wer­de ich dann wäh­rend der nächs­ten Woche über­nach­ten. Kurz nach 22 Uhr star­tet die Queen Mary 2 mit einer mehr­stün­di­gen Ver­spä­tung in Sout­hamp­ton. Auf Deck 13, dem obers­ten Deck mit Aus­sicht, kann man den Start unge­schützt in Wind und Wet­ter mit­ver­fol­gen.

Da es wäh­rend der gan­zen Über­fahrt kei­ne wie auf Kreuz­fahr­ten sonst übli­chen Zwi­schen­stopps mit Land­gang gibt, bestehen die fol­gen­den sie­ben Tage aus­schließ­lich aus Essen, Schla­fen und Unter­hal­tungs­pro­gramm. Essen gibt es mehr­mals am Tag, wobei man die Aus­wahl zwi­schen ver­schie­de­nen Restau­rants hat. Nach­mit­tags um 15:30 Uhr gibt es im soge­nann­ten »Queens Room« einen »After­noon Tea«, wo Tee und Gebäck von Kell­nern in wei­ßen Hand­schu­hen gereicht wird. Und wem das alles nicht reicht, der kann abends um 23 Uhr noch einen »Late Snack« ein­neh­men.

Zwi­schen den Mahl­zei­ten gibt es aus­rei­chend Unter­hal­tung. Eine Bro­schü­re mit dem Unter­hal­tungs­pro­gramm des nächs­ten Tages wird am Abend vor­her in die Kabi­ne gelegt. Das täg­li­che High­light ist die Abend­ver­an­stal­tung um 20:45 Uhr im »Queens Room«. An zwei Tagen fin­den dort Gala­aben­de mit vor­ge­schrie­be­ner Klei­der­ord­nung statt. Am Sams­tag ist der ers­te davon, der unter dem Mot­to »Black & White« steht. Man soll sich schwarz­weiß klei­den und unbe­dingt eine Kra­wat­te tra­gen. Ich habe mir extra dafür zu Hau­se noch eine vor­ge­bun­de­ne schwar­ze Flie­ge gekauft, die ich nun zu die­sem Anlass tra­ge. Mein mit­ge­brach­ter Anzug ist zwar nicht schwarz, aber dun­kel genug, um nicht auf­zu­fal­len. Dazu ein wei­ßes Hemd. Um 20:45 Uhr geht es dann in den »Queens Room«, in dem eine Band latein­ame­ri­ka­nisch klin­gen­de Musik spielt. Es darf getanzt wer­den. Die meis­ten Leu­te kom­men schwarz­weiß; es gibt aber auch eini­ge, die sich par­tout nicht an die vor­ge­schrie­be­ne Klei­der­ord­nung hal­ten wol­len. Nach einer hal­ben Stun­de wird mir die Sache dann zu »bunt« und ich ver­las­se den »Queens Room« in Rich­tung einer Bar. Auch hier ist schwarz­weiß vor­ge­schrie­ben. Für alle nicht-schwarz­wei­ßen gibt es auf dem Schiff Flucht­mög­lich­kei­ten in Form diver­ser Loka­li­tä­ten, in denen die schwarz­wei­ße Klei­der­ord­nung nicht gilt. Der zwei­te Gala­abend, ein Mas­ken­ball, ist dann am Mitt­woch.

Jeden Mit­tag um 12 Uhr wird die Schiffs­glo­cke geläu­tet und es folgt eine Durch­sa­ge von der Brü­cke über den Stand der Din­ge.

An den ers­ten bei­den Tagen der Über­fahrt herrscht auf See ein stür­mi­scher Wind. Am Sonn­tag ist das Aus­sichts­deck 13 des­we­gen sogar geschlos­sen. Das Schiff schau­kelt häu­fig, so dass ich manch­mal Schwie­rig­kei­ten, ohne zu schwan­ken durch die lan­gen Gän­ge zu gehen. Der Bal­kon in mei­ner Kabi­ne ist bei die­sem Wet­ter von kei­nem gro­ßen Nut­zen. Am Mon­tag lässt der Sturm dann nach; dafür ist es für den Rest der Woche nebe­lig. Auf dem Aus­sichts­deck ist wenig los, das dor­ti­ge Café bleibt wäh­rend der gan­zen Über­fahrt geschlos­sen und die sorg­fäl­tig auf­ge­reih­ten Lie­gen im Außen­be­reich auf Deck 7 sind meis­tens leer. Erst am letz­ten Tag der Über­fahrt wird das Wet­ter bes­ser.

Am Frei­tag, den 21. Juli 2023, gegen 7 Uhr mor­gens erreicht das Schiff das Crui­se-Ter­mi­nal in Brook­lyn und die Woche des Luxus und der Unter­hal­tung fin­det ihr abrup­tes Ende. Vom Crui­se-Ter­mi­nal geht es wei­ter per Fäh­re nach Man­hat­tan und mit der Sub­way zum Hos­tel. Die Zeit­dif­fe­renz zwi­schen Sout­hamp­ton und New York beträgt fünf Stun­den; die Uhr wur­de bereits an fünf Tagen der zurück­lie­gen­den Woche um jeweils eine Stun­de zurück­ge­stellt.

Nähe­re Infor­ma­tio­nen über die Queen Mary 2 fin­det man in den Spie­gel-Arti­keln »Kunst­werk mit Tief­gang« und »Tra­di­ti­on und Zucker­guss« von 2004 und dem FAZ-Arti­kel »Mythos gegen Sturm und Zeit« von 2005.

Ist eine Schiffs­rei­se für die Umwelt bes­ser als ein Flug?

Ein Direkt­flug von Lon­don nach New York in der Eco­no­my-Klas­se stößt gemäß einer Berech­nung von myclimate.org pro Pas­sa­gier 0,9 Ton­nen CO2 aus, eine sie­ben­tä­gi­ge Kreuz­fahrt in einer Stan­dard­ka­bi­ne mit Ein­zel­be­le­gung dage­gen 2,8 Ton­nen. Um die Wer­te zu ver­glei­chen, muss man beim Flug aller­dings noch den CO2-Aus­stoß hin­zu­rech­nen, den man wäh­rend der sie­ben Tage, die die Kreuz­fahrt dau­ert, dann woan­ders aus­sto­ßen wür­de. Für einen Durch­schnitts­deut­schen betrug der CO2-Aus­stoß im Jah­re 2021 laut Umwelt­bun­des­amt 11,2 Ton­nen, also etwa 0,2 Ton­nen pro Woche. Das macht dann ins­ge­samt 1,1 Ton­nen CO2 für den Flug. Die Zah­len spre­chen ein­deu­tig für den Flug, aber es gibt auch ande­re Berech­nun­gen. Dem­nach ist nach geoClimate.de der CO2-Aus­stoß auf einer Kreuz­fahrt unge­fähr genau­so groß wie der auf einem Flug. Berech­net mit dem CO2-Emis­si­ons­rech­ner für Kreuz­fahr­ten von geoClimate.de, stößt eine sie­ben­tä­gi­ge Kreuz­fahrt in einer Ein­zel­ka­bi­ne »nur« 0,77 Ton­nen CO2 aus. Ein Flug in der Eco­no­my-Klas­se von acht Stun­den Dau­er, der unge­fäh­ren Dau­er eines Direkt­flu­ges von Lon­don nach New York, stößt dage­gen nach einer Berech­nung mit dem CO2-Emis­si­ons­rech­ner für Flü­ge von geoClimate.de 0,98 Ton­nen CO2 aus. Aber auch geoClimate.de kommt am Ende zu dem Schluss, dass Kreuz­fahr­ten für die Umwelt schäd­li­cher sind als Flü­ge, da neben den CO2-Emis­sio­nen auch noch ande­re Emis­sio­nen, vor allem die von Stick­oxid und Schwe­fel, zu berück­sich­ti­gen sei­en, die bei der Ver­bren­nung von dem bei Kreuz­fahrt­schif­fen ver­wen­de­ten Schwer­öl beson­ders hoch sind. Auf der ande­ren Sei­te erhöht sich der CO2-Aus­stoß eines Flu­ges dage­gen aller­dings deut­lich, wenn man kei­nen Direkt­flug nimmt.

Eine Kom­pen­sa­ti­on mei­ner Atlan­tik­über­que­rung mit der Queen Mary 2 mit einem CO2-Aus­stoß von 2,8 Ton­nen kos­tet bei myClimate.org übri­gens nur 81 €.

Nach­trag: Um mei­nen Ruck­sack zu erleich­tern, habe ich mei­ne Kreuz­fah­rer-Klei­dung spä­ter in New York in einem »Sal­va­ti­on Army Dona­ti­on Cen­ter« abge­ge­ben.


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Kommentare

2 Antworten zu „Von München nach New York. Episode 4: Über den Atlantik“

  1. Avatar von Klaus
    Klaus

    Die Über­fahrt scheint ganz schön schau­ke­lig gewe­sen zu sein – ich stel­le mir ver­gnüg­lich anders vor.
    Immer­hin schreibst du nichts von See­krank­heit.
    Dann inter­es­san­te Ein­drü­cke bei dei­ner Nord­ame­ri­ka-Erkun­dung

    VG
    Klaus

    1. Avatar von bernardjoseph

      Nur die ers­ten bei­den Tage hat das Schiff geschau­kelt. Danach war es zwar immer noch win­dig, man hat im Schiff aber nur noch ab und zu etwas davon gemerkt. See­krank war ich nicht.

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